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Schlappekicker Sportler und Künstler Hand in Hand

Weihnachtsfeiern der Schlappekicker-Aktion waren immer ein Spiegelbild des Frankfurter Sports.

22.11.2017 12:41
Schlappekicker
Sportressortleiter Erich Stör, Rudi Völler und Erich Reiter (v.l.), damals bei der Dresdner Bank bei der Übergabe eines symbolischen Schecks für die Schlappekicker-Aktion 1997. Foto: FR

Die Jahre gehen dahin, und manche Ereignisse verwehen wie Spuren im Sand. Doch viele Erinnerungen bleiben. Manche nur bruchstückhaft, gleichwohl aber tief gespeichert in unserem menschlichen „Computer“. Schon der römische Philosoph Cicero hat gesagt, die Erinnerung sei „der Wächter aller Dinge“. Diese Worte sind immer wieder zutreffend, wenn es darum geht, Geschichtsereignisse oder Lebenswerke im Gedächtnis zu behalten. Und sie treffen auch zu, wenn es nicht um die ganz großen politisch-historischen Vorgänge oder Persönlichkeiten geht, sondern um die alltäglichen Dinge des Lebens in ihrer ganzen Vielschichtigkeit. 

Wenn in diesen Tagen die Verleihung des Schlappekicker-Preises im Frankfurter Römer ansteht, werden auch Erinnerungen wach an die vergangenen Jahrzehnte, in denen es nicht allein um die Würdigung sozialpolitischen Engagements im Sport und um Integration junger Menschen in die Gesellschaft ging, sondern um die Unterstützung in Not geratener Sportler – und dabei spielte nicht allein finanzielle Hilfe eine Rolle, sondern es ging um „moralische Aspekte“. 

Erich Wick, der damalige Sportchef der FR, hatte Anfang der 50er-Jahre die Schlappekicker-Aktion ins Leben gerufen, um in Not geratene Sportler, egal ob bekannt oder unbekannt, finanziell zu unterstützen. Er erkannte schnell, dass Geldzuwendungen alleine nicht ausreichen würden, um ihnen eine Freude zu machen. Noch wichtiger war, ihnen das Erlebnis der Gemeinsamkeit zu schenken. Einen Nachmittag im Kreise Gleichgesinnter zu verbringen, über vergangene Erlebnisse im Sport und die alltäglichen Dinge des Lebens zu plaudern – das war für die meisten wichtiger als die materielle Hilfe, zumal es den meisten eher unangenehm war, als „Hilfsbedürftige“ ins Rampenlicht zu rücken. 

Stammgast Fritz Walter

Ein Beispiel dafür war Oskar Breitling. Der Radsportpionier war 1892 erster deutscher Stehermeister gewesen, hatte aber bereits 1900 als 28-Jähriger seine Sportlaufbahn beendet. Als er Ende der 50er – schon damals über 80 Jahre alt – zu den ersten Schlappekicker-Schützlingen gehörte, freute er sich einerseits darüber, dass nach so vielen Jahrzehnten noch an ihn gedacht worden war, andererseits war ihm die Annahme finanzieller Hilfe eher suspekt. 

Die alljährliche Weihnachtsfeier im Dezember wurde zu einer Institution. An verschiedenen Orten wurde gefeiert, darunter im Rathaus-Casino am Römerberg, in der Turnhalle Oeder Weg, im Haus Dornbusch, im Henninger-Turm und im Titus-Forum Nordweststadt. Am intimsten war es im Restaurant des Henninger-Turms. Es war eng dort, die Plätze waren knapp, alle saßen dicht an dicht, und wenn die Kerzen flackerten und Franz Lambert an der Hammond-Orgel stimmungsvolle Weihnachtlieder spielte, mussten die Spaßmacher auf der kleinen Bühne schnell dafür sorgen, dass es nicht allzu rührselig wurde.

Unter den Fußballern gab es kaum jemanden aus Frankfurt und Umgebung, der nicht wenigstens einmal den Weg zur Schlappekicker-Feier fand. Der große Fritz Walter, der Schirmherr der Schlappekicker-Aktion geworden war, kam, wann immer er konnte, aus Kaiserslautern. Und es verstand sich von selbst, dass Alfred Pfaff, Richard Kress, Jürgen Grabowski, Bernd Hölzenbein, Bernd Nickel, Thomas Berthold, Karl-Heinz Körbel, Dieter Stinka, Dieter Lindner, Andreas Möller, Manfred Binz, Ralf Weber und viele andere aus den Eintracht-Mannschaften nicht fehlten, wenn der Schlappekicker zur Weihnachtsfeier rief. Hermann Nuber, Siggi Held und Dieter Müller aus Offenbach waren zu Gast, in den 90ern machte gar Franz Beckenbauer seine Aufwartung und plauderte gewohnt charmant.

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