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Schlappekicker Spielerische Inklusion

Beim 22. Integrativen Spiel- und Sportfest in Kalbach können behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam toben. Die Schlappekicker-Aktion der FR zeichnet bei dieser Gelegenheit fünf vorbildliche Projekte aus.

04.11.2013 14:43
Beim Integrativen Spiel- und Sportfest haben Kinder Spaß und erfahren Inklusion ganz praktisch.

Bunte Hüpfmatten, Turngeräte und Trampoline, auf denen Kinder, aber auch Ältere herumtobten, Tischtennisplatten und Basketballkörbe, die begeistert genutzt wurden, ein Kletterturm und ein Rollstuhl-Parcours.

Dazwischen allerlei Sport- und Bewegungsmittel, die der herumwuselnde Nachwuchs ausprobierte. Die Leichtathletikhalle im Kalbacher Sportzentrum verwandelten die Veranstalter beim 22. „Integrativen Spiel- und Sportfest“ wieder in eine große Spaß- und Bewegungs-Welt für Klein und Groß.

Das Fest wurde, wie gewohnt, vom Turn- und Sportverein (TSV) Bonames und vom Rollstuhl-Sport-Club (RSC) Frankfurt, mit Unterstützung des Frankfurter Sportamtes, organisiert. „Das Fest ist eine Chance, mit unseren Kinder wieder einmal unbeschwert sportliche Stunden zu erleben“, sagte Sportamts-Leiter Georg Kemper.

„Das Integrative Spiel- und Sportfest ist eine wunderbare Gelegenheit, Barrieren abzubauen und im gemeinsamen Spiel mit anderen, eigene Bewegungs- und Wahrnehmungserfahrungen zu sammeln“, gab Sportdezernent Markus Frank den Aktiven in einem Grußwort mit auf den Weg. „Hier bewegen sich viele Menschen friedlich miteinander, alt und jung, mit oder ohne Behinderung“, berichtete Organisator Dieter Kuch vom TSV Bonames.

Förderung des integrativen Gedankens

Gemeinsam war das richtige Stichwort. Ob jemand hier schlechter sehen oder hören könnte, das wäre auf den ersten Blick nicht zu erkennen, sagte Kuch weiter. Und darum ginge es auch nicht. „Wir wollen ein geplantes Durcheinander und den integrativen Gedanken fördern“, führte Kuch aus.

Vereine, die sich für diesen Gedanken stark machen, wurden bei dem Fest zum 17. Mal von der Schlappekicker-Aktion geehrt und mit Geldspenden für ihr Engagement ausgezeichnet. Anlässlich des Spiel- und Sportfestes wurden in den vergangenen Jahren Spenden in Höhe von insgesamt 158.000 Euro an Vereine übergeben.

„Dort, wo soziale Aspekte eine Rolle spielen, möchten wir Vereine unterstützen“, sagte die Schlappekicker-Vorsitzende Katja Sturm. So zum Beispiel beim RSC Frankfurt, der Besuchern des Festes die Möglichkeit gab, ein „Hand-Bike“ auszuprobieren. Bei einem solchen Gefährt radeln die Sportler nicht mit den Beinen, sondern mit den Armen. Der RSC hatte auch Rollstühle mitgebracht. Einfach, um den Besuchern einmal die Möglichkeite zu geben, selber herauszufinden wie es sich im Rolli sitzt und wie es ist, sich darin fortzubewegen.

Wie sich das anfühlt, probierten viele kleine und große Besucher aus. Zum Beispiel Lena. Die Siebenjährige meisterte im Rollstuhl einen Parcours: „Ich musste ganz viele Hindernisse überqueren und Ringe werfen.“ Außerdem spielte sie Rollstuhl-Basketball: „Das fand ich gut, obwohl ich einmal nach hinten umgekippt bin“, sagte sie. Ein kleiner Unfall, alles halb so schlimm.

„Das lag daran, dass kein Kippschutz an dem Rolli angebracht war“, erklärte Jürgen Uhlemann vom RSC Frankfurt. Uhlemann ist seit 31 Jahren Mitglied des Vereins und seit mehreren Jahren als Betreuer beim Sport- und Spielfest dabei. Die speziellen Rollstühle für den Korb-Sport würden bis zu 3000 Euro kosten. Kleine Rollen zwischen den Rädern verhinderten ein Umkippen, wenn man sich zum Werfen nach hinten lehnte. Auch ohne Sturz ist Rollstuhl-Basketball ein recht anstrengender Sport.

Lenas ein Jahr älterer Bruder Max merkte schnell, wie anstrengend ein Sport sein kann, bei dem man gar nicht rennt. Aber rollen ist eben auch nicht ohne Kraft zu meistern. Zweimal dürfen die Sportler anschieben, dann muss der Ball gepasst werden. Sonst pfeift der Schiedsrichter Schubfehler – das Pendant zum Schrittfehler beim Renner-Basketball. Ein Kraftakt, hinterher rieb sich Max vor allem die Hüfte. Die Spieler drehen sich beim werfen oder fangen ständig.

Entspannter ging es an der „Flugschaukel“ zu. Hier konnten sich die Kinder bäuchlings in eine Hänge-Vorrichtung legen, die, an einem Seil befestigt, in der Luft baumelte. Markus Kunkel, von der „Aktionsgemeinschaft Soziale Arbeit“ (AGS), sorgte für den Antrieb und wirbelte die jungen Besucher durch die Halle. Völlig schwerelos konnte sich so auch die vierjährige Isabelle fühlen, der danach die Worte fehlten. „So wie sie grinst, fand sie es gut“, sagte Mutter Susanne Hardt aus Eckenheim.

Ausgrenzung stoppen

Markus Kunkel, selbst Vater eines behinderten Kindes, ist begeistert ob des guten Zuspruchs der Besucher. „Es ist ganz toll, dass dieses Fest hier so groß aufgezogen wird, um das Bewegungs-Thema in die Öffentlichkeit zu tragen“. Für ihn wäre es selbstverständlich, dass er ehrenamtlich daran mitwirkte.

Mit seinem Kollegen Herbert Nuschenpickel, ebenfalls von der AGS, haben er und einige Helfer die Bewegungsangebote wie die Flugschaukel und den Kletterturm aufgebaut. „Wir versuchen natürliche Bewegungsfelder zu schaffen, die von behinderten und nicht-behinderten Menschen gleichermaßen genutzt werden können“, sagte Herbert Nuschenpickel und ergänzt: „Jeder kann vorbeikommen, schauen was möglich ist und Spaß macht.“

Einen großen Spaß-Faktor bot in diesem Jahr die Raupe „Maggie“, ein 14 Meter langer aufgeblasener „Kriech-Tunnel“ vom TSV Bonames. Hier durften die jüngsten Besucher hindurch. Außerdem gab es erstmals große Holzwürfel, die erklommen werden mussten. Daneben wurde unter anderem Badminton gespielt oder auf einer „Slackline“, einem breiten Gurtband, balanciert oder in einem Klangzelt musiziert.

Manfred Emmel, Vorsitzender vom RSC Frankfurt, brachte das Ziel des Festes auf den Punkt: „Wir wollen Begegnungen schaffen und Ausgrenzung stoppen“. Eltern könnten ihren Kindern so frühzeitig erklären, was ein „Handicap“ für einen Menschen bedeutet und offen mit der Thematik umgehen.

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