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Schlappekicker-Preis Lauter starke Mädchen und Frauen

Der Selbstverteidigungsverein Rüsselsheim erhält für sein beispielhaftes Engagement den Schlappekicker-Preis 2013.

30.11.2013 09:50
Lauter starke Mädchen und Frauen aus Rüsselsheim. Foto: Jan Hübner

Der Ruf rauscht durch die Halle wie ein Donnerschlag: „Wir sind starke Mädchen.“ Dann löst der Kreis sich auf, die nächste Übung steht auf dem Programm: Die Acht- bis 14-Jährigen nehmen Anlauf und schlagen oder treten zu – immer begleitet von einem lauten, wie befreiend wirkenden Schrei. „Bravo“, ruft Özgül Sahin und fordert die Nächste auf, es ihrer Vorgängerin gleichzutun. Und wieder knallt es in der Halle, als der dritte Schlag die von der Trainerin gehaltene Pratze trifft.

Sahin ist zufrieden. Ihre Schülerinnen sind gut drauf, sie alle wissen, was sie zu tun haben. Eins wird schnell klar: Hier sind Mädchen, die sich wehren können – ein gutes Zeichen. Verantwortlich dafür zeichnen die Trainerinnen des Selbstverteidigungsvereins Rüsselsheim, deren beispielhaftes Engagement von der Jury der Schlappekicker-Aktion der Frankfurter Rundschau mit dem diesjährigen Schlappekicker-Preis honoriert wird. Die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung, die seit 1998 sowohl Vereine als auch Einzelpersonen für vorbildliches soziales Engagement im Sport belohnt, wird am Montagabend im Frankfurter Römer verliehen.

Es ist Freitagabend, die Zeit, zu der der Selbstverteidigungsverein Rüsselsheim allwöchentlich von 17 bis 20 Uhr in der Sporthalle der Parkschule in Rüsselsheim drei regelmäßige, aufeinander aufbauende Trainingsabende anbietet. Junge Mädchen und Frauen aller Kulturen werden dort gezielt auf gefährliche und unangenehme Situationen in ihrem Alltagsleben vorbereitet – aber nicht durch Kampftechniken alleine, sondern vor allem auch durch weiterführende Übungen, die das Selbstbewusstsein stärken sollen. „Es ist wichtig, dass sie sich selbst achten, Grenzen abstecken und Nein sagen können“, sagt Beate Berghausen, die zweite von insgesamt drei Trainerinnen in Rüsselsheim. „Sie sollen sich zu starken Persönlichkeiten entwickeln.“

Die Angst überwinden

Das ist natürlich nicht immer ganz einfach. „Angst lähmt ja, das ist klar. Wer angegriffen wird, wird schnell leise und zieht sich zurück“, sagt Berghausen. Wie aber mit diesem Angstgefühl im Bauch umgehen? Das fängt mitunter mit ganz kleinen Übungen an, sei es, einen Luftballon zerplatzen zu lassen oder ein Brett zu zerschlagen.

„Das ist nur eine kleine Angst“, sagt Berghausen. „Wenn aber ein Mädchen das bisschen Angst, das sie hat, überwinden kann, kann sie später auch eine große Angst überwinden.“ Wichtig sei zu wissen, was man tun könne. Und vor allem: „Dass man etwas tun kann und dass es sich lohnt, etwas zu tun.“

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