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Schlappekicker-Preis 2011 Die etwas andere Vereinsarbeit

Preisverleihung des Schlappekicker 2011: Der VFS Rödermark wird ausgezeichnet, Prominente wie Heribert Bruchhagen, Bernd Reisig und DFB-Sprecher Harald Stenger gratulieren.

30.11.2011 20:55
Ausgezeichnet: die Preisträger vom VFS Rödermark. Foto: Christoph Boeckheler

Integrationsarbeit ist nicht immer leicht. Davon kann Anne von Soosten-Höllings ein Lied singen. „Unser Angebot ist nicht überall auf Gegenliebe gestoßen“, sagte die Vorsitzende des Vereins für Fitness und Schwimmsport (VFS) in Rödermark am Montagabend im Frankfurter Römer, nachdem sie gemeinsam mit den beiden Übungsleiterinnen Selda Öztürk und Nurdan Özcan aus den Händen der Schlappekicker-Vorsitzenden Katja Sturm den mit 5000 Euro dotierten Schlappekicker-Preis der Frankfurter Rundschau entgegengenommen hatte.

Tatsächlich wurden die Verantwortlichen des VFS Rödermark mit vielen herablassenden und teilweise auch gehässigen Bemerkungen konfrontiert, als sie vor gut einem Jahr das innovative Projekt „Schwimmen für Frauen – Schwimmen für Migrantinnen“ auf die Beine zu stellen begonnen hatten. Doch angesichts des noch immer vorherrschenden Misstrauens vieler Menschen dem gegenüber, was sie nicht kennen oder nicht kennen wollen, hatte mit solch negativen Stimmen wohl von vornherein gerechnet werden müssen. Denn auch im Sport, so Soosten-Höllings in ihrer Dankesrede, gebe es Vorurteile, Toleranz sei kein Selbstgänger.

„Vorbild für andere“

Abschrecken ließen sie und ihre Mitstreiterinnen sich von dem Gegenwind, der ihnen anfangs ins Gesicht blies, allerdings nicht – zu wichtig erschien ihnen die Aufgabe. Denn noch immer nutzen besonders Migrantinnen kaum die Möglichkeit, sich in Vereinen zu organisieren oder sich an entsprechenden Sportangeboten zu beteiligen. Auch deshalb, weil es oft nicht gelingt, diejenigen gezielt anzusprechen, denen das deutsche Vereinswesen fremd ist.

Darauf wies auch die Vorsitzende der Schlappekicker-Aktion hin: „Vieles, was uns beim Gedanken an junge moderne Frauen hierzulande bereits selbstverständlich scheint, ist es noch längst nicht. Vor allem nicht für Frauen aus fremden Kulturen“, sagte Katja Sturm, die den VFS Rödermark in ihrer Laudatio wegen dessen „Engagement für die Integration von Frauen und Migrantinnen durch und im Sport als Vorbild für andere“ und würdigen Preisträger bezeichnete. Mit dem Schlappekicker-Preis zeichnet die gemeinnützige Aktion der Frankfurter Rundschau seit 1998 Personen und Vereine aus, die mit ihrer Arbeit Verantwortung für das Gemeinwesen oder einzelne Zielgruppen übernehmen.

Erst am Anfang eines Weges

Die Hilfsaktion der FR, die seit mittlerweile 60 Jahren denen hilft, die unverschuldet in Not geraten sind, ist auch für Markus Frank längst zu einem Markenzeichen geworden: „Die Schlappekicker-Aktion gehört zu Frankfurt dazu, sie ist ein fester Bestandteil unserer Stadt“, sagte der Sportdezernent.

Unter den Gästen durfte er den ehemaligen Schlappekicker-Vorsitzenden und heutigen Pressesprecher der Fußball-Nationalmannschaft, Harald Stenger, begrüßen sowie den einstigen FSV-Manager Bernd Reisig und Heribert Bruchhagen, den Vorstandsvorsitzenden der Eintracht Frankfurt Fußball AG, sowie die vormalige Turnerin Christel Müller, die nach einem Unfall querschnittgelähmt ist und seit Jahren vom Schlappekicker betreut wird.

Auch wies Frank in seiner Rede auf eine integrale Aufgabe hin, der sich die Schlappekicker-Aktion seit jeher verschrieben hat: „Es ist wichtig, diejenigen zu ehren, die nicht täglich im Rampenlicht stehen.“

Dazu zählt auch der VFS Rödermark, der, wie Katja Sturm ausführte, mit seinem Kursangebot vor allem Migrantinnen „mehr Mut und Selbstvertrauen zu vermitteln“ in der Lage sei. Von großer Bedeutung sei aber auch der Umstand, dass als Trainerinnen zwei Frauen mit Migrationshintergrund zur Verfügung stünden: „Die Teilnehmerinnen fassen so schneller Vertrauen, weil sie sich besser verstanden fühlen.“

Das ist deshalb so wichtig, weil für Migrantinnen die Hemmschwelle für einen Einstieg in einen Schwimmkurs eben doch noch besonders hoch ist. „Wir bewegen uns mit kleinen Schritten aufeinander zu und holen die Menschen dort ab, wo sie stehen“, sagte Soosten-Höllings, die in ihrer Rede zudem darauf hinwies, dass der Verein mit seinem Projekt „erst am Anfang eines Weges“ stehe. Umso glücklicher zeigte sie sich über die Auszeichnung: „Weil sie uns ermutigt, unsere etwas andere Vereinsarbeit fortzuführen.“

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