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Schlappekicker-Aktion Zurück in den Alltag

Johannes Hablik aus Ober-Ramstadt war einst ein vielversprechendes hessisches Turntalent – heute sitzt er im Rollstuhl.

21.11.2016 16:50
Kann wieder lachen: Johannes Hablik Foto: Michael Schick

Eins freut ihn sehr: dass die Fußballer der Frankfurter Eintracht in der Bundesliga derzeit so gut dastehen. „Besser könnte es ja kaum laufen. Niko Kovac scheint die Sache gut im Griff zu haben“, sagt Johannes Hablik, der aus seinem Elternhaus im Vorderen Odenwald mit großer Hingabe die aktuelle Saison verfolgt. Schade findet der 36-Jährige nur, dass er seit längerer Zeit kein Spiel der Eintracht im Stadion mehr verfolgen konnte. „Das muss schon so zwei, drei Jahre her sein.“

Sport ist für Hablik schon immer von großer Bedeutung gewesen. Im Alter von fünf Jahren begann er beim TV Ober-Ramstadt mit dem Gerätturnen, einer seiner späteren Trainer war Wolfgang Hambüchen, der Vater von Olympiasieger Fabian Hambüchen. Dessen Erfolge erreichte er zwar nicht, doch immerhin gewann Hablik zweimal hintereinander den nationalen Meistertitel im Deutschen Mehrkampf, einer Disziplin, die zwei Sportarten miteinander verbindet: Gerätturnen und Leichtathletik.

Doch dann kam für den Feuerteufel, der mit der gleichnamigen Akrobatengruppe von Eintracht Frankfurt durch Deutschland und Europa tourte, der 3. November 2002 – der Tag, der sein Leben von Grund auf veränderte.

Sturz mit schlimmen Folgen

Bei einem Wettkampf in der Landesliga turnte er erstmals unter Wettkampfbedingungen ein neues Element am Boden, das er bereits hunderte Male im Training geübt hatte. Doch diesmal kam er nach dem anderthalbfachen Salto vorwärts zum direkten Abrollen nicht in den Stand, sondern schlug hart mit dem Kopf auf. Die Diagnose der Ärzte war verheerend: Hablik erlitt Quetschungen des Rückenmarks und irreparable Schäden der Wirbelsäule. Mehrfach setzte später seine Atmung aus, einige Male blieb auch sein Herz stehen. Hablik überlebte, die Verletzung an der Halswirbelsäule war allerdings so schwer, dass er seitdem querschnittgelähmt ist; einzig den Kopf kann er noch bewegen.

14 Jahre nach dem Unfall hat er sich wieder in den Alltag eingelebt. Nach wie vor studiert er an der TU Darmstadt Sportwissenschaften mit Schwerpunkt Informatik, auch wenn, wie er zugibt, das Studium derzeit „eher schleppend läuft“. Probleme bereitet ihm auch sein Rollstuhl. Der ist zwölf Jahre alt und muss nun dringend durch einen neuen ersetzt werden. Das ist natürlich alles nicht ganz billig. Deshalb sammelt der Verein „Zukunft für Johannes Hablik e. V.“ seit Jahren Geld für ihn. Auch die Schlappekicker-Aktion der Frankfurter Rundschau unterstützt ihn monatlich mit einer Spende.

Gesundheitlich fühlt er sich in Ordnung, auch wenn im kalten, nassen Winter die Situation für ihn schwieriger ist als in der warmen Jahreszeit. Das ist auch der Grund, warum er noch nicht weiß, ob er zur diesjährigen Schlappekicker-Preisverleihung im Frankfurter Römer kommen wird. „Das entscheiden wir immer ganz kurzfristig.“ Umso mehr freut sich Hablik wieder auf den Frühling – und hofft, dass die Eintracht-Fußballer dann noch immer so gut dastehen.

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