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Integratives Spiel- und Sportfest Der Rollstuhl als Sportgerät

Das 21. Integrative Sportfest lockt am Sonntag mehr als 2500 Kinder und Jugendliche nach Kalbach. Die Schlappekicker-Aktion der FR zeichnet bei dieser Gelegenheit fünf vorbildliche Projekte aus.

05.11.2012 07:21
Die Vertreter der geförderten Projekte und Schlappekicker-Vorsitzende Katja Sturm (links).

Das 21. Integrative Sportfest lockt am Sonntag mehr als 2500 Kinder und Jugendliche nach Kalbach. Die Schlappekicker-Aktion der FR zeichnet bei dieser Gelegenheit fünf vorbildliche Projekte aus.

Vom obersten Rang der Tribüne aus betrachtet, wirkt die Szenerie wie eines dieser Wimmelbilder aus der Kindheit, auf denen es kleine Details zu entdecken gab.

Beim Integrativen Spiel- und Sportfest, das in diesem Jahr schon zum 21. Mal stattfindet, wird die riesige Leichtathletikhalle im Kalbacher Sportzentrum zu einem bunten Hexenkessel, und die Augen wissen gar nicht, wo sie bei all dem Gewusel zuerst hinschauen sollen. Der Blick schweift von den beiden Kindern, die auf Stelzen Fangen spielen, über andere, die auf einem Trampolin kleine Saltos vollführen, bis hin zu dem kleinen Jungen, den seine Mutter aus dem Rollstuhl hebt und in die rote Kiste auf der Rollrutsche setzt, die er mit strahlendem Lachen hinuntersaust.

In der hinteren Ecke der Halle spielen sechs Jugendliche Basketball. Alle Spieler sitzen in Rollstühlen .

Es fällt auf, dass manche langsamer sind - auch halten einige den Ball beim Fahren auf dem Schoß fest, während andere hier und da einen geschickten Dribbler einbauen. Woran das liegt, wird klar, als einer der Jungs, die eben noch zwischen den Körben hin und her gefahren sind, aufsteht, weil seine Familie gehen will. Seine Beine sind vollkommen gesund, er wollte nur mal ausprobieren, wie es so ist, im Rollstuhl zu spielen. „War voll einfach“, sagt er lässig und unterschlägt, dass er von den Rollstuhlprofis ziemlich abgehängt wurde.

„Man muss erstmal lernen, den Rollstuhl als Sportgerät zu benutzen, und nicht nur als Hilfsmittel, um von A nach B zu kommen“, erklärt Manfred Haak mit einem Blick aufs Spielfeld. Er ist Sportwart beim Rollstuhl-Sport-Club Frankfurt(RSC), der das Integrative Spiel- und Sportfest von Anfang an zusammen mit dem TSV Bonames organisieren. Basketball nimmt beim RSC einen hohen Stellenwert ein, das zum Verein gehörende Team „Mainhattan Skywheelers“ spielt in der ersten Bundesliga, und Haak erzählt: „Bei uns spielen auch nichtbehinderte Spieler Rollstuhlbasketball. Gerade für ehemalige Profispieler, die sich Verletzungen zugezogen haben, ist das ein idealer Sport.“ Siehe da: Auch in diese Richtung kann Inklusion funktionieren.

Andere Beispiele für gelungene Inklusion stellt Katja Sturm, die Vorsitzende der Schlappekicker-Aktion der Frankfurter Rundschau, vor. Fünf ausgezeichneten Vereinen überreicht sie Schecks über jeweils 2000 Euro.

Vor dem Zelt des Sportamtes Frankfurt steht Dieter Kuch. Er ist der Leiter des TSV Bonames und Mitinitiator des Festes, dass in diesem Jahr über 2500 Besucher angezogen hat. Für ihn ist das Wichtigste die offene Atmosphäre und die Selbstverständlichkeit, mit der Behinderte und Nichtbehinderte zusammen Sport machen. In den ersten beiden Jahren hätten die Organisatoren bei dem Fest noch ein anderes Konzept verfolgt. Es waren bekannte Behindertensportler eingeladen, die in Showwettkämpfen gegeneinander antraten, nur zwischendrin konnten die Kinder spielen. „Das war viel zu reglementiert“, sagt Kuch heute. "Im Mittelpunkt sollen hier keine Prominenten stehen, sondern die Kinder.“ Es sei ihm wichtig, dass sie völlig frei alles einmal ausprobieren könnten, und so merkten, wie viel Spaß Sport machen kann: „Egal ob behindert oder nichtbehindert.“

OB Feldmann bleibt unbehelligt

Tatsächlich geht man auf dem Fest recht gelassen mit Prominenten um. Als gegen 17 Uhr Oberbürgermeister Peter Feldmann auftaucht, wird er kurz begrüßt, sagt einige Worte, und setzt sich dann unbehelligt neben seiner Tochter an den Sandkastenrand. Und das, obwohl Feldmann, wie Dieter Kuch erwähnt, seit 21 Jahren der erste Frankfurter OB ist, der das Integrative Spiel- und Sportfest besucht. Warum er das tut, erklärt er mit seiner engen Verbindung zum TSV Bonames. Er sei nicht nur selbst als Kind Mitglied gewesen, sondern habe die vorbildliche Arbeit des Vereins auch als Leiter des Kinder- und Jugendhauses am Bügel erlebt. Während er seiner Tochter Sand aus den Schuhen schüttelt, sagt er: „Für einen so beschaulichen Stadtteil ist der TSV Bonames wirklich innovativ.“

Richtig gut gefällt das Fest auch den Besuchern, das merkt man nicht nur am allgegenwärtigen Kinderlachen. Ein etwa achtjähriger Junge, der eigentlich seine Beine nicht bewegen kann, aber dank einer unterstützenden Seilkonstruktion trotzdem die Boulderwand erklommen hat, sieht ziemlich geschafft aus, als er wieder unten ankommt – aber auch zufrieden. „Ich würde schon lieber richtig klettern können“, sagt er. „Aber so wie eben hab ich es auch noch nie gemacht und es war richtig cool.“

Eine Frau, die ein paar Meter weiter steht, war mit ihrer fünfjährigen Tochter schon viermal beim Fest dabei: „Wenn man es einmal entdeckt hat, kommt man immer wieder. Schade ist aber, dass es nur einmal im Jahr stattfindet.“

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