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FC Gudesding Frankfurt Ein Verein, der viele gute Zeichen setzt

Der FC Gudesding wird heute Abend im Frankfurter Römer mit dem Schlappekicker-Preis ausgezeichnet.

27.11.2017 08:49
Gudesding
Haben immer gute Ideen: Jakob Berthoud, Bela Cohn-Bendit, Luis Engelhardt (von links). Foto: Christoph Boeckheler

Am 5. Januar 2012 wurde der Klub ins Vereinsregister eingetragen – unter einem Namen, der wohl besser kaum passen könnte. Nach einem Stadtviertel wollten sich die Kumpels nicht benennen, nach einer Farbe wie Blau-Weiß auch nicht – was also blieb übrig? Ein Begriff, der im Freundeskreis gang und gäbe war und ursprünglich auf einem Satz aus der TV-Serie „Stromberg“ beruhte: „Das ist ein gutes Ding.“ „Gud“ sind in der Tat viele Dinge, wie man dem Credo des Vereins entnehmen kann: „Gud is: Respekt“, heißt es dort, „Gud is: Toleranz, Gud is: Fair Play, Gud is: Freundschaft, Gud is: Zuverlässigkeit, Gud is: Es ist nur ein Spiel.“

Ein Spiel nur, ja, trotzdem blieb der FC Gudesding von den dunklen Frankfurter Seiten nicht verschont. In der Nacht vom 9. auf den 10. April 2016 hatten Unbekannte die gemeinsam mit dem FFC Olympia genutzte Sportanlage im Ostpark mit Hakenkreuzen und Parolen wie „Heil Hitler“ und „Lauf, Jude, lauf“ beschmiert. Wer dahintersteckte, wurde nie geklärt, nicht auszuschließen ist jedoch, dass es sich um eine gezielte Attacke handelte, wie auch Daniel Cohn-Bendit, der heute Ehrenpräsident des FC Gudesding ist, damals im Gespräch mit der FR vermutete: „Es kann sein, dass es Gudesding als sogenannten jüdischen Verein treffen sollte. Es ist bekannt, dass ich lange Präsident war.“

Der Verein erstattete umgehend Strafanzeige, wurde aber auch auf andere Weise tätig. Gudesding organisierte nur eine Woche später einen „Spieltag gegen Antisemitismus“ und rief dabei alle Vereine der Stadt dazu auf, sich gemeinsam gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus zu solidarisieren. „Die Reaktion war ungemein positiv, viele Frankfurter Vereine haben sich auf unsere Seite geschlagen“, sagt Bela Cohn-Bendit, der im Sport ein ideales Medium gegen Antisemitismus sieht: „Weil der Sport alle erreicht, von oben bis unten, von hinten bis vorne.“

Mit diesem einen Spieltag ist es aber nicht getan. „Wir haben lange überlegt, wie wir unser Projekt ausbauen können“, sagt Engelhardt. Inzwischen ist die Antwort da: Im April 2018 wird es einen zweiten Spieltag gegen Antisemitismus geben – pünktlich zum Geburtstag von Julius Hirsch, der von 1911 bis 1913 siebenmal das Trikot der deutschen Nationalmannschaft getragen hat, im März 1943 von den Nazis nach Auschwitz-Birkenau deportiert und später dort ermordet wurde. 

Zudem hat der Verein Kontakt zu Professor Dr. Julia Bernstein von der Frankfurt University of Applied Sciences aufgenommen. Der Dialog mit der Antisemitismusforscherin ist in vollem Gange. Auch dies hilft den Verantwortlichen von Gudesding, die über dieses Projekt sogar einen Film drehen wollen, der später einmal in Schulen gezeigt werden soll. „Wir hoffen, dass diese Initiative von allen Frankfurter Vereinen getragen wird“, so Engelhardt.

Die Arbeit im Ostpark geht also immer weiter. Es ist davon auszugehen, dass Gudesding auch künftig noch viele gute Zeichen setzen wird.

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