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Dietmar Roth Der schwere Weg zurück

10 000 Euro von Jürgen Grabowski für den schwer erkrankten Dietmar Roth. Seit Dezember des vergangenen Jahres ist der ehemalige Profi nach seinem Schlaganfall wieder zu Hause.

08.09.2014 08:33
Jürgen Grabowski (l.) und die Schlappekicker-Vorsitzende Katja Sturm übergeben den Scheck in Höhe von 10 000 Euro an den ehemaligen Fußballer Dietmar Roth. Foto: Monika Müller

Dietmar Roth schießen die Tränen in die Augen, als ihn der Frankfurter Weltmeister Jürgen Grabowski zur Begrüßung fest in die Arme schließen will. Das geht nicht mehr so gut, der rechte Arm ist gelähmt, auch das Gehen fällt Dietmar Roth schwer, sprechen kann er auch nicht. Aber der „Grabi“ versteht alles.
Dietmar Roth ist zurück. Zurück von der Reha, seit Dezember des vergangenen Jahres ist er wieder zu Hause, zurück auch im Leben, aber es ist ein anderes Leben, ein völlig anderes. Vor 13 Monaten, Mitte August 2013, hat der ehemalige Bundesligaspieler, der für alle drei Main-Klubs Eintracht, FSV und Kickers Offenbach gespielt hat, einen Schlaganfall erlitten. Von einer auf die andere Sekunde war nichts mehr wie vorher, geriet ein Leben komplett aus der Bahn.
Aus heiterem Himmel hat es den damals 49-Jährigen erwischt, bei der Arbeit in einer Nieder-Eschbacher Großhandelsfirma. Ein paar Tage zuvor hatte Roth noch bei der Eintracht-Traditionsmannschaft gekickt. Er schwebte in akuter Lebensgefahr, lag in einem künstlichen Koma, wurde mehrfach am Kopf operiert. Die Narben sind noch heute sichtbar.
Wer es aber nicht wüsste, der würde es auf den ersten Blick kaum merken, dass da einer ein so schweres Schicksal erlitten hat. Da sitzt ein Dietmar Roth, der dem Gespräch lauscht, der aufmerksam zuhört, der alles versteht, der lacht und so gerne mitreden würde. Natürlich dreht sich das Gespräch um Fußball, es geht um die WM, um das letzte Länderspiel der DFB-Auswahl am vergangenen Mittwoch, um Gomez und Messi. Dietmar Roth versteht alles, und man merkt, wie viel er zum Thema zu sagen hätte, aber er kann nicht sprechen, nur ein paar Laute artikulieren. Der Schlaganfall hat auch sein Sprachzentrum beeinträchtigt. Er muss das Sprechen wieder neu lernen. „Die Ärzte geben keine Prognose“, sagt seine erwachsene Tochter Alisa, die für Roths erkrankte Lebensgefährtin Ulrike Roos mitgekommen war. Er gestikuliert mit der linken Hand, Daumen rauf, Daumen runter, Daumen quer, er schüttelt den Kopf, er nickt. Dietmar Roth kann mit links ein paar Worte schreiben. Es heißt, man müsse auch nach alternativen Kommunikationsmitteln suchen.

Vieles neu lernen

Immerhin zeigt sich der frühere Verteidiger wieder in der Öffentlichkeit. Am Sonntag war Dietmar Roth mit seinen beiden Töchtern Alisa und Nina im Eintracht-Museum. Jürgen Grabowski und die FR-Schlappekicker- Aktion hatten eingeladen. Grabowski hatte anlässlich seines 70. Geburtstags am 1. Juli gebeten, statt Geschenken doch zugunsten von Dietmar Roth zu spenden. Dabei kam eine Summe von knapp 9 600 Euro zusammen, die der Schlappekicker auf 10 000 Euro aufrundete. „Ich hatte immer einen guten Draht zu Dietmar, er ist ein netter, sympathischer Kerl“, sagte Grabowski, und ehe er lastwagenweise Geschenke nach Hause karre, wollte er lieber etwas Sinnvolles tun. „Und der Dietmar kann sicher jeden Euro gut gebrauchen.“
Der Schlappekicker, der sich seit Jahrzehnten für in Not geratene Sportler stark macht, war in diesem speziellen Fall „nur Mittler“, wie die Vorsitzende des Schlappekickers, Katja Sturm, am Sonntag sagte. Die Initiative ging allein von Grabowski aus. Aber die habe die FR gerne aufgegriffen, sagt Katja Sturm.
Und der 70-Jährige weiß sehr genau, wie sich Dietmar Roth fühlt. Das merkt man an vielen Gesten, am sensiblen Umgang. Seit vier Jahren gibt es auch in der Familie Grabowski einen Verwandten, der einen Schlaganfall erlitten hat und ähnliche Verhaltensweisen zeigt wie jetzt der ehemalige Profi.
Dietmar Roth, der 1987 zur Eintracht kam, ein Jahr später Pokalsieger und 1992 fast Meister in Rostock wurde, 1996 mit abstieg und 1997 zum FSV Frankfurt wechselte, Dietmar Roth muss vieles Alltägliche wieder neu lernen. Mehrmals die Woche besucht ihn ein Therapeut, er muss seine gelähmte rechte Seite trainieren, versuchen, den Arm Stück für Stück beweglicher zu machen. Logopäden üben mit ihm das Sprechen. Es sind viele Dinge, die Roth üben muss. Gehen kann er nur mit Hilfe eines Stocks.
Am letzten Freitag war Dietmar Roth Zuschauer beim Freundschaftsspiel am Bornheimer Hang zwischen der Eintracht und dem FSV. Einen Teil des Erlöses kommt ihm zugute, zudem wurde eine Gitarre von Roy Hammer & the Pralinees versteigert. All das soll mithelfen, Dietmar Roth den schweren Weg zurück ins Leben etwas erträglicher zu gestalten. Erich Reiter, Mitglied des Vorstandes der Schlappekicker-Aktion der FR, gab seiner Hoffnung Ausdruck: „Dietmar, du warst Zeit deiner Karriere immer ein Kämpfer. Du wirst auch diesen Kampf gewinnen.“

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