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Charly Körbel „Der Fritz-Walter-Geist ist wieder da“

Die Eintracht-Legende Karl-Heinz Körbel ist froh darüber, dass der Schlappekicker-Aktion neues Leben eingehaucht wird.

06.12.2017 06:48
Karl-Heinz Körbel
Will mit dem FR-Schlappekicker wieder für neue Impulse sorgen: Schirmherr Karl-Heinz Körbel. Foto: imago

Herr Körbel, was hat Sie bewogen, vor mehr als 15 Jahren als Nachfolger von Fritz Walter die Schirmherrschaft des Schlappekickers zu übernehmen?
Ich engagiere mich ja, wie Sie wissen, schon sehr lange für den Schlappekicker. Im Grunde hat alles damit angefangen, dass ich als junger Spieler, ich war vielleicht 20, 22 Jahre alt, zur Schlappekicker-Weihnachtsfeier eingeladen wurde. Das war seinerzeit im alten Henninger-Turm, ganz oben. Ich bin hin und traf den großen Fritz Walter, den Weltmeister von 1954. Ein Weltstar würde man heute sagen. Zu ihm haben sie mich gesetzt. Er kannte mich natürlich überhaupt nicht, ich sei ein junger Spieler von der Eintracht, haben sie ihm erzählt. Ganz schüchtern habe ich ihn mit „Guten Tag, Herr Walter“ begrüßt, aber er sagt sofort zu mir „Ich bin der Fritz, dich kenn ich, ich habe deine ersten Spiele verfolgt, mach weiter so“. Und dann hat er mit ein paar Dinge erzählt über Werte und Regeln.

Was waren das für Werte?
Ehrlichkeit, Anstand, Respekt. Dass man alles geben muss für den Klub, dass man eine Verantwortung hat, dass Leute zu einem aufschauen, dass man nie Freude und Leidenschaft für den Fußball verlieren darf. Da war ich perplex, habe erst einmal gezuckt. Ich war ja blutjung. Heute weiß ich genau, was er, aber auch andere aus seiner Generation, etwa Horst Eckel, gemeint haben. Und für mich waren das wertvolle Regeln, die ich Zeit meiner Karriere und darüber hinaus befolgt habe. Mehr noch: Dieses Treffen wird mich mein ganzes Leben begleiten. Und es waren ja noch andere Persönlichkeiten beim Schlappekicker-Fest: Franz Beckenbauer, den ich so überhaupt erst kennengelernt habe, Uwe Seeler, Liesl Christ und wie sie alle hießen.

Hat das auch Auswirkungen gehabt auf Ihr Engagement beim Schlappekicker.

 

Natürlich. Mittlerweile weiß ich, wie wichtig es ist, sich auch um andere zu kümmern, denen es nicht so gutgeht wie einem selbst. Ich weiß jetzt, wie wichtig es ist, was die Rundschau macht. So eine Aktion darf nicht einschlafen. Gerade in der heutigen hektischen Zeit, in der oft nur auf das schnelle Geld geguckt wird, in der im Fußball mit Millionen jongliert wird, ist es umso wichtiger, sich wieder auf diese Werte zu besinnen. Denn eines ist sicher: Wenn man sich nicht engagiert beim Schlappekicker, schläft er ein. Aber der Schlappekicker hat eine unglaubliche Tradition, und diese Tradition muss man hochhalten, auch in diesen Zeiten. Deswegen bin ich froh, dass jetzt wieder neue Impulse gesetzt wurden, dass die Aktion neu belebt wurde. Es herrscht ein neuer Geist.

Bei der jüngsten Preisverleihung musste man wegen des großen Andrangs sogar in den Kaisersaal des Römers ausweichen.
Das zeigt doch, dass Interesse da ist. Wenn ein Peter Feldmann als Oberbürgermeister die Rede hält, wenn ein Fredi Bobic gekommen ist, ein Axel Hellmann, ein Peter Fischer, ja der komplette Vorstand von Eintracht Frankfurt da ist, der Präsident von Darmstadt 98 und von Kickers Offenbach und viele aus der Frankfurter Stadtgesellschaft – dann muss man dies nutzen. Diese Multiplikatoren sind das A und das O. Es herrscht beim Schlappekicker wieder eine Aufbruchsstimmung und das finde ich gut. Der alte Fritz-Walter-Geist ist wieder da.

Und Sie als Schirmherr tragen dann natürlich auch eine hohe Verantwortung.
Klar. Solch ein Projekt muss mit Leben gefüllt werden. Man muss die Menschen ansprechen, muss sie aktivieren, muss eine Verantwortung spüren. Auch deswegen spielen wir jedes Jahr mit der Traditionsmannschaft kostenlos gegen eine Mannschaft von FFH und der FR, dieses Mal am 9. Mai in Bad Vilbel. Dafür hat früher schon der Heribert Bruchhagen (der frühere Vorstandschef, d. Red.) gekämpft, damit das Projekt angeschoben wird. Es bracht aber immer Leute, die eine Sache vorantreiben. Dann wird es auch funktionieren, da bin ich sicher. Auch Eintracht Frankfurt muss als Flaggschiff seinen Beitrag leisten.

 

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere des Schlappekickers?
In Not geraten kann jeder. Das sieht man auch am Beispiel von Dietmar Roth (der nach einem Schlaganfall mühsam wieder sprechen lernt, d. Red.). Wie schnell ist man auf die Hilfe anderer angewiesen. Das ist die Mission des Schlappekickers, entsprechendes Engagement, entsprechende Projekte zu unterstützen, wie zum Beispiel den Verein FC Gudesding. Ich hatte diesen Namen vorher noch nie gehört. Ich habe mir im Internet Informationen über den Klub geholt, und es ist von denen einen tolle Arbeit. Und diese Leute muss man ermutigen, was der Schlappekicker mit der Preisverleihung getan haben. Sie haben im Kaisersaal erstmals auch eine Plattform bekommen, die sie ohne den Schlappekicker nie bekommen hätten.

Herr Körbel, Sie haben unlängst Aufsehen erregt mit Ihrer Idee, ein Altersheim für ehemalige Fußballprofis bauen zu lassen. Auch da engagieren Sie sich für einen guten Zweck.
Ja. Jeder hat Angst vor dem Alter. Was passiert, wenn der Partner früher stirbt und das Geld nicht reicht? Deshalb würde ich gerne ein Altenheim für ehemalige Spieler bauen, dann könnten wir den ganzen Tag über Fußball und gemeinsame Erlebnisse reden.

Wie sind die Reaktionen?
Gut. Ich habe in diesen Tagen mit Leuten gesprochen, die mir jetzt mal ein Modell bauen, ob so etwas überhaupt machbar ist. Auch die Finanzierung will geklärt sein. Das Altersheim soll nicht nur für ehemalige Spieler von Eintracht Frankfurt da sein, sondern für andere Sportler. Und Sie glauben nicht, wie viele Anfragen ich erhalten habe von Leuten, die sich sonst ein teures Altenheim nicht leisten können. Ich habe schon ein Angebot für ein Grundstück im Taunus. Das ist mein Projekt: Sportlergerecht, im Fernsehen läuft Sky und am Samstag fahren zehn Leute zur Eintracht ins Stadion.

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