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Benefizspiel FR-Schlappekicker Stars zum Anfassen

Die Traditionsmannschaft der Frankfurter Eintracht trägt gegen ein gemischtes Team aus Spielern des SC Weiss-Blau Frankfurt und des Vereins Frankfurter Sportpresse ein Benefizspiel zugunsten der FR-Hilfsaktion Schlappekicker aus. Die ehemaligen Profis lassen dabei noch einmal ihre alte Klasse aufblitzen.

21.09.2014 17:25
Bei den Kleinen beliebt: Ronny Borchers gibt Autogramme. Foto: Andreas Arnold

Plötzlich stand er allein vorm Tor. Und Oka Nikolov ließ sich nicht zweimal bitten. Der frühere Schlussmann der Frankfurter Eintracht zeigte auch als Feldspieler seine Klasse, schob den Ball locker über die Linie und sorgte damit für den krönenden Abschluss eines rundum gelungenen Fußballfests.

Nikolov war nur einer unter vielen ehemaligen Stars, die den Weg an die Sandhöfer Wiesen gefunden hatten. Normalerweise geht es dort in der Kreisliga A zur Sache. Eine Partie gegen die von Bundesliga-Rekordspieler Karl-Heinz Körbel angeführte Traditionsmannschaft der Frankfurter Eintracht ist da schon etwas ganz Besonderes. Da nutzten die Fans natürlich die Gelegenheit, um sich die Autogramme der ehemaligen Profis zu sichern. Auch Fotos waren sehr begehrt, oft in Form von Selfies. Stars zum Anfassen sind halt nicht oft vor Ort.

Und die Kicker der Eintracht ließen beim 10:1 (3:0) noch einmal ihr Können aufblitzen: So glänzten Thomas Sobotzik und Frank Gerster jeweils als dreifache Torschützen, auch Slobodan Komljenovic (2) und Cezary Tobollik (1) waren erfolgreich. Aber auch die durch einige Reporter der FR verstärkte Auswahl von Weiss-Blau durfte sich freuen: Nach einem Lattenschuss von Peter Sommer wuchtete FR-Politikchef Andreas Schwarzkopf die Kugel zum zwischenzeitlichen 1:7 ins Netz.

Der Erlös des Spiels kam der Schlappekicker-Aktion der Frankfurter Rundschau zugute, dessen Schirmherr Körbel seit vielen Jahren ist. Ein willkommenes Engagement für den gemeinnützigen Verein, der seit mittlerweile mehr als 60 Jahren armen, kranken und behinderten Sportlerinnen und Sportlern hilft, die unverschuldet in Not geraten sind.

Dazu gehört auch der als Gast anwesende Dietmar Roth, der sich nach einem Schlaganfall langsam ins Leben zurückkämpft. Erst kürzlich hatte der Schlappekicker dem ehemaligen Eintracht-Profi einen Scheck überreicht: 10 000 Euro waren bei Jürgen Grabowskis Geburtstagsfeier zum 70. zusammengekommen.

Auch Werkstattspieler dabei

Mit von der Partie waren dabei aufseiten von Weiss-Blau auch einige Fußballer, die sonst in der Sondermannschaft (Soma) aktiv sind. Dieses Team ist aus einer Kooperation des Frankfurter Turnvereins mit dem Frankfurter Verein für soziale Heimstätten hervorgegangen – ein Projekt, das 2010 mit dem Schlappekicker-Preis ausgezeichnet worden ist. „Ich finde es toll, dass wir die Zusammenarbeit weiterführen“, sagte Katja Sturm, die Vorsitzende der Schlappekicker-Aktion.

Die seit 1997 bestehende Mannschaft der Reha-Werkstatt Oberrad hatte in den Jahren 2008, 2010 und 2012 dreimal das bundesweit größte Turnier für geistig und psychisch beeinträchtige Fußballer gewonnen: die deutsche Meisterschaft der Werkstätten für behinderte Menschen. Es war Zeit für einen großen Schritt: Seit 2012 nehmen die Kicker am Spielbetrieb des Hessischen Fußballverbands teil. „Die Initiative kam von den Jungs“, erklärte Betreuer Jürgen Medenbach. „Dann haben wir gesagt: Wir probieren das einfach mal.“

Gesagt, getan. In dem ehemaligen Oberligaspieler Jamal Errjah wurde extra ein Coach verpflichtet, so dass dem Start in die Soma-Runde nichts mehr im Wege stand. Doch für manche Kicker war die Umstellung etwas zu groß. Spielten sie vorher 30 Minuten auf einem Kleinfeld, so mussten sie auf einmal 90 Minuten auf einem großen Platz durchhalten. Die, die den Schritt nicht mitgehen können, werden deshalb in einer separaten Trainingsgruppe betreut.

Gelebte Inklusion

Ohnehin ist Inklusion kein leichtes Thema. Spieler, die unter Erkrankungen wie Psychosen, Depressionen oder Zwangsstörungen leiden und zum großen Teil auf Medikamente angewiesen sind, müssen erst einmal integriert werden. „Da hat es einige Vorbehalte gegeben“, räumte Medenbach ein. „Wir mussten einige dicke Bretter bohren.“

Doch für den Sportwissenschaftler ist das nun Vergangenheit: „Das Projekt ist jetzt angekommen.“ Das betrifft auch die sportliche Entwicklung. So verpasste das Team, in dem Fußballer der beiden Seniorenmannschaften zusammen mit Werkstattspielern aktiv sind, in der vergangenen Saison den Aufstieg als Tabellenvierter nur um gerade mal drei Pünktchen. Guter Fußball ist an den Sandhöfer Wiesen also häufig zu sehen – auch wenn nicht immer die Eintracht-Traditionsmannschaft zu Gast ist.

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