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Zuwanderung Migranten sollen arbeiten dürfen

Der Frankfurter Demografiekongress diskutiert über Zuwanderung und verlangt Reformen. Die Frankfurter Rundschau möchte mit einer Online-Umfrage herausfinden, was die Menschen im Rhein-Main-Gebiet mögen und worunter sie leiden.

Abwarten und Tee trinken – das ist es nicht, warum Menschen nach Rhein-Main kommen. Sie suchen vor allem Arbeit. Foto: Andreas Arnold

Bascha Mika, Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau, kam vor gut einem Jahr aus Berlin an den Main – der Arbeit wegen, wie so viele. „Ich hab mich riesig auf die neue Aufgabe bei der Zeitung gefreut“, erzählt sie. „Und die Stadt, na ja, die nimmst du halt in Kauf, habe ich gedacht.“ Und dann war sie hier, und Frankfurt war so viel besser.

„Ich habe ganz viel Freundlichkeit erlebt, die Stimmung hier ist gelassen, außer morgens in der U-Bahn“, berichtet die Neu-Frankfurterin den Teilnehmern des Demografiekongresses bei der Podiumsrunde am Vormittag. „Und man kommt viel besser ans Wasser als in Berlin.“ Zu dem Kongress hatte das Demografie-Netzwerk für Dienstag in die Frankfurter Industrie- und Handelskammer eingeladen.

Die freundliche Aufnahme der Arbeitsmigrantin Mika kann als typisch für das Rhein-Main-Gebiet gelten. So jedenfalls das Ergebnis einer repräsentativen Online-Umfrage der Frankfurter Rundschau, des Demografie-Netzwerks und der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU). Die Ergebnisse wurden auf dem Kongress vorgestellt. Nur eine Minderheit der hiesigen Bevölkerung sieht demnach in einer vermehrten Zuwanderung ein Problem.

Das liegt vielleicht einfach daran, dass Migration in Frankfurt und der Region seit jeher zur Lebenswirklichkeit gehört. „Wir haben 48 Prozent Migranten in der Stadt, und es ist eine friedliche Stadt“, sagt Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und verweist auf die lange Tradition als Handels- und Messestadt. Keine Randalierer, die sich in den Vorstädten mit der Polizei Straßenschlachten lieferten, keine Menschen, die wie in Paris Angst haben müssten, wegen ihres jüdischen Glaubens verprügelt zu werden. „Ich bin überzeugt, wir sind heute schon ein Modell dafür, wie das Zusammenleben gelingen kann“, sagt Feldmann.

„Diese Region ist offen wie keine andere“

Für die Wirtschaft ist Zuwanderung wegen des zunehmenden Fachkräftebedarfs attraktiv. Mehr als 500 000 Zuwanderer jährlich seien nötig, damit Deutschland seinen heutigen Wohlstand halten könne, rechnet Henrik Müller, Professor der Technischen Hochschule Dortmund, vor. Mathias Müller, Präsident der IHK Frankfurt, wirbt für mehr Zivilcourage gegen Fremdenfeindlichkeit. „Wir haben Seite an Seite gegen Pegida auf dem Römerberg gestanden“, erinnert er mit Blick auf Feldmann.

„Diese Region ist offen wie keine andere für Menschen, egal woher sie kommen“, sagt auch Bascha Mika. „Wir dürfen allerdings nicht nur darauf schauen, für welche tollen Jobs wir hier Personen brauchen“, mahnt sie. „Wir müssen auch vermehrt Flüchtlinge aufnehmen, sie qualifizieren und arbeiten lassen“, fordert sie. Bei VhU-Präsident Wolf Matthias Mang rennt sie damit anscheinend offene Türen ein. „Wir gehen hier viel zu nachlässig mit den Berufs- und Bildungsabschlüssen der Migranten um“, sagt er. Man lasse sich „viel zu viel Zeit damit, diese Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren“, dafür müssten die Regeln geändert werden. Schließlich kämen die meisten in das Rhein-Main-Gebiet, weil sie hier vor allem eines wollten: arbeiten.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Zuwanderung Rhein-Main

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