Lade Inhalte...

Zuwanderung in Hessen Hessen erwartet weniger Flüchtlinge

Das Land Hessen will einige Erstaufnahme-Standorte für Flüchtlinge schließen, da weniger Flüchtlinge in Deutschland ankommen. Ein Konzept soll bis Ende April stehen.

Die Unterkunft des Landes in Offenbach-Kaiserlei wird voraussichtlich Ende April geschlossen. Foto: Renate Hoyer

Immer weniger Flüchtlinge kommen nach Deutschland, seit die Balkanroute geschlossen wurde. Das wirkt sich auch in Hessen aus. Das Land wird voraussichtlich nicht mehr alle 58 Unterkünfte benötigen, die zur Erstaufnahme oder für die Notunterbringung hergerichtet wurden. Das kündigte Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) am Dienstag in Wiesbaden an.

Bis Ende April will Grüttner entscheiden, welche Unterkünfte weiter genutzt werden und welche nicht. Zudem könnte das Land Einrichtungen behalten, um sie für eine mögliche stärkere Zuwanderung in Reserve zu halten.

In vielen Orten sind Diskussionen über die Nutzung der umgebauten Liegenschaften entbrannt. Zu einzelnen Standorten wollte der Minister jedoch keine Auskunft geben, bevor das Konzept für das ganze Land vorliegt. Sicher sei nur, dass die ursprünglichen Erstaufnahmeeinrichtungen – Gießen (Meisenbornweg), Rotenburg, Neustadt und Büdingen – dem Land erhalten blieben.

Zudem werde man Einrichtungen weiter betreiben, wenn dort Vorkehrungen für eine bestimmte Zielgruppe getroffen worden seien. Das gilt etwa für Darmstadt, wo das Land mit dem Sigmund-Freud-Institut eine besondere Unterkunft zum Schutz für traumatisierte Flüchtlinge geschaffen hat.

Bereits zu Anfang des Jahres hatte Hessen 20 Sporthallen, die für die Erstaufnahme von Flüchtlingen genutzt worden waren, an die Kommunen zurückgegeben. Lediglich in Frankfurt und der Wetterau würden noch nicht alle Hallen wieder von Sportlern genutzt, hieß es in Wiesbaden.

Zahlen sind unsicher

Nach der Prognose des Bundes könnten in diesem Jahr 800 000 neue Flüchtlinge nach Deutschland kommen, von denen Hessen 72 000 aufnehmen müsste. Grüttner machte deutlich, dass er diese Zahlen für unsicher hält. „Wir rechnen damit und wir rechnen nicht damit“, formulierte er.

Man müsse mit hohen Zahlen umgehen können, auch wenn die aktuelle Entwicklung in eine andere Richtung weise. So sei ungewiss, ob wieder mehr Menschen über das Mittelmeer kämen, wenn das Wetter dort besser werde. Auch die Folgen des Abkommens zwischen der Europäischen Union und der Türkei müsse man abwarten.

Im Januar und Februar sind nach Grüttners Angaben zusammen 12 000 Menschen nach Hessen geflohen. Das entspräche genau der Prognose des Bundes, wenn die Zuwanderung bis Jahresende gleich hoch bliebe.

Im März allerdings seien die Zahlen drastisch gesunken, berichtete der Minister. Bei den neu registrierten Flüchtlingen handele es sich fast ausschließlich um „Selbermelder“, die sich möglicherweise schon länger in Europa aufgehalten haben, aber jetzt erst ihren Asylantrag stellen.

Nach wie vor stellten Flüchtlinge aus Syrien, Iran, Irak und Afghanistan den höchsten Anteil. Auf diese vier Länder entfielen rund 80 Prozent der Ankommenden. Sie verbrächten im Schnitt acht Wochen in den Unterkünften des Landes, ehe sie in Kommunen verteilt würden. Bis zur Entscheidung über Asylanträge vergingen durchschnittlich sechs Monate.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen