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Zuwanderer Arbeitgeber beuten Zuwanderer aus

Der DGB hilft Zuwanderern, ihre Rechte auf dem hiesigen Arbeitsmarkt geltend zu machen. Es geht dabei zumeist um Streitigkeiten um den Lohn oder Kündigungen.

06.03.2015 19:21
Von Hanning Voigts, Martín Steinhagen
Viele Zuwanderer arbeiten auf dem Bau. Foto: Michael Schick

Im vierten Stock des Frankfurter Gewerkschaftshauses klingelt das Telefon fast pausenlos. Beraterin Letitia Matarea-Türk vom DGB-Projekt „Faire Mobilität“ muss viele Fragen beantworten: Sie unterstützt Beschäftigte aus mittel- und osteuropäischen EU-Staaten dabei, auf dem hiesigen Arbeitsmarkt ihre Rechte geltend zu machen. In sechs deutschen Städten gibt es solche Beratungsstellen, wo Ratsuchende sich auch in ihrer Muttersprache informieren können. Pro Jahr nutzen nach Angaben des Projekts 6000 Menschen dieses Angebot.

Die große Mehrheit der Arbeiter, die in die Frankfurter Beratungsstelle kommen, sind auf dem Bau tätig, sagt Matarea-Türk. „Meistens sind Streitigkeiten um den Lohn oder Kündigungen das Anliegen.“ Dabei gehe es um Fälle, bei denen Unternehmen zu wenig oder gar nichts für geleistete Arbeit zahlten. Mancher Ratsuchende kenne seine Arbeitgeber nicht, andere hätten Dokumente unterschrieben, die sie mangels Deutschkenntnissen nicht lesen konnten – im schlimmsten Fall hätten sie ein Gewerbe angemeldet und seien selbstständig, ohne es zu wissen.

Gut qualifiziert

Auch mit den Sozialversicherungsbeiträgen gebe es oft Probleme. „Wenn der Arbeitgeber heimlich aufhört, die Beiträge abzuführen, kann das dazu führen, dass die Arbeiter Schulden in erheblicher Höhe bei der Krankenversicherung machen“, sagt Matarea-Türk. Die Briefe der Versicherung verstünden manche schlicht nicht. Wenn sie als „freiwillig versichert“ weitergeführt werden, müssten sie die Beiträge aber eigentlich selbst leisten und geraten so schnell in einen hohen Zahlungsrückstand.

Seit die Freizügigkeit auf dem deutschen Arbeitsmarkt auch für Bulgaren und Rumänen gilt, ist ihre Zahl in Hessen übrigens stark gestiegen. Im Juni vergangenen Jahres hatten nach Zahlen der Arbeitsagentur 9580 Bulgaren und 15.690 Rumänen einen sozialversicherungspflichtigen Job in Hessen – bei den Rumänen bedeutet das einen Zuwachs von 53 Prozent gegenüber 2013, bei den Bulgaren sogar von 76 Prozent. Die absoluten Zahlen bleiben dabei allerdings relativ klein: Derzeit arbeiten beispielsweise allein 30.000 Italiener und 73. 000 Türken in Hessen.

Die meisten Osteuropäer seien gut qualifiziert, heißt es bei der Arbeitsagentur. Meistens seien sie in Branchen tätig, in denen Deutsche kaum noch arbeiten wollten. Und nur wenige von ihnen seien in Deutschland ohne Job: Im Februar waren demnach nur 2000 Bulgaren und 1700 Rumänen in Hessen arbeitslos gemeldet. Von einer Zuwanderung in die Sozialsysteme könne daher keine Rede sein.

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