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Zukunft am Nibelungenplatz

Ein interdisziplinäres Institut der Frankfurter Fachhochschule erforscht den demografischen Wandel

12.02.2009 00:02
FELIX HELBIG

Das Ergebnis ist eindeutig. Trotz der seit Jahren anhaltenden öffentlichen Debatte, sagt Sven Stadtmüller, sei der Begriff des Demografischen Wandels nur etwas mehr als der Hälfte der Menschen bekannt. Assoziiert würden damit, wenn überhaupt irgendetwas, Rentenprobleme, Überalterung und Geburtendefizit, mithin durchweg negative Aspekte. Ein klarer Befund - auch hinsichtlich der Notwendigkeit wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit dem Thema.

Stadtmüller, der wissenschaftlicher Mitarbeiter ist am 2007 gegründeten interdisziplinären Forschungszentrum Demografischer Wandel (FZDW) der Frankfurter Fachhochschule am Nibelungenplatz, stützt seine Erkenntnisse auf die Studie "Zukunftswerkstatt Deutschland". Für sie hat das Institut 700 Hessen zum demografischen Wandel befragt.

Bislang, so Stadtmüller über die Erkenntnisse der Studie, sei das Thema eher "eine Diskussion der Bildungselite", auch das zeigten die Zahlen der Befragung, wonach der Begriff zwar 86 Prozent der Hochschulabsolventen geläufig sei, aber nur 28 Prozent der Hauptschulabsolventen. Negative Assoziationen zögen sich allerdings durch alle Bereiche, was im Institut damit erklärt wird, "dass der Begriff meist in Verbindung mit dem Kollaps der Sozialversicherungssysteme gebraucht wird", sagt Stadtmüller.

Zudem werde die Alterung der Gesellschaft häufig als "Überalterung" dargestellt, was natürlich negativ behaftet sei. Eine Diskussion über die Herausforderungen der alternden Gesellschaft jenseits von gängigen Schlagworten wie Rente oder Pflege kann so nur schwerlich entstehen.

Hessen sind für Zuwanderung

Gerade deshalb verknüpft das Forschungszentrum alle Fachbereiche der Fachhochschule, um im Verbund der Architekten, Ingenieure, Stadt- und Raumplaner, Ökonomen sowie Gesundheits-, Pflege- und Sozialwissenschaftler einen breiteren Ansatz zu finden, sich dem Thema zu stellen.

Gerade Architekten und Stadtplaner, sagt Stadtmüller, beteiligten sich etwa mit der Erforschung neuer Wohnformen oder der Organisation altersgerechter Dienstleistungen stark am Forschungszentrum. Sie untersuchen etwa unter Leitung der Professoren Michael Peterek und Thorsten Bürklin im Frankfurter Ostend den Wandel der Stadtentwicklung und richten ihren Blick dabei insbesondere auf die Ansprüche älterer Bewohner des Quartiers.

Eine erste Grundlage der Forschung liefern nun die Daten der Zukunftswerkstatt: Laut Studie sind die Hessen mehrheitlich für eine gesteuerte Zuwanderung, für eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit, bevorzugen das Modell der Bürgerversicherung und sehen die Notwendigkeit der Agenda 2010, berichtet Stadtmüller. Auch ließen sich aus den Ergebnissen keinerlei Indizien für einen Generationenkonflikt erkennen.

Ihre Forschung wollen die insgesamt 16 Wissenschaftler am Institut weiter ausbauen, etwa mit Leitfadeninterviews zum demografischen Wandel, sagt Stadtmüller, um qualitativ bessere Ergebnisse zu bekommen. Und so an besseren Lösungen arbeiten zu können.

Eine Konferenz zu den Folgen der demografischen Entwicklung für Großstädte veranstaltet das FZDW am Samstag, 28. März, ab 13.30 Uhr in der FH. Nähere Infos unter www.fh-ffm.de/fzdw

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