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Zoophilie Sex mit Tieren verbieten

Hessen kündigt eine Bundesratsinitiative für ein Verbot von Zoophilie an. Die derzeitige Gesetzeslage setze die Hürde, einem Tier zu helfen, zu hoch. Ein Mann schildert anonym die Beziehung zu seinem Hund.

12.10.2010 23:40
Desirée Brenner
Mehr Schutz für Tiere – dafür will sich Hessen einsetzen. Foto: dpa

"Klappe halten“, sagt Dieter Müller* zu seinem schwarzen Mischlingsrüden Max* und zieht ein wenig ruppig an der Leine. Max schaut nach oben, knurrt noch einmal leise und ist still. „Guuut gemacht“, sagt Müller, greift in seine Tasche und wirft ein Leckerli auf den Boden; Max ignoriert es. Für Müller ist das Tier mehr als ein vierbeiniger Begleiter. Seit seinem 16. Lebensjahr, sagt der Mann, lebe er zoophil. „Ich habe Beziehungen mit Tieren, die sexuelle Handlungen nicht ausschließen.“

Bis 1969 war Sex mit Tieren untersagt, danach wurde das Verbot aus dem deutschen Strafgesetzbuch gestrichen. Das Land Hessen will dieses Jahr eine Bundesratsinitiative einreichen, um diesen Schritt wieder rückgängig zu machen, sagt Landes-Tierschutzbeauftragte Madeleine Martin.

Die derzeitige Gesetzeslage setze die Hürde, einem Tier zu helfen, zu hoch. Denn erst, wenn massive Verletzungen festgestellt würden, so Martin, dürften die Behörden eingreifen. Die Initiative sei bereits verfasst, ob und wann sie im Kabinett eingereicht wird, muss jetzt die neue hessische Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) entscheiden. „Ich bin optimistisch, dass wir sie bald einreichen werden“, sagt Martin.

Müller weiß, dass er mit seinen Neigungen nicht der Norm entspricht. Er wolle anonym bleiben, um seinen Beruf nicht zu gefährden, sagt der Mann, der den Augenkontakt scheut, bei der Unterhaltung meist auf den Boden schaut.

„Es gibt viele Vorurteile über die Zoophilie“, sagt er und zeichnet dabei mit seinen Händen nervös Kreise in der Luft. Außer seinen Kollegen und einigen entfernten Bekannten wüssten jedoch alle Menschen aus seinem Umfeld von seiner sexuellen Neigung, auch seine Eltern.

Eine Therapie, sagt er, habe ihm bisher niemand nahe gelegt. Und Beziehungen zu Frauen habe er daneben auch. „Meinen Beziehungen erzähle ich immer sofort davon“, so Müller. Seine aktuelle Freundin sei sogar meist dabei, wenn er mit seinem Hund „spiele“, wie er es nennt, wenn er sich an dem Tier befriedigt. Das geschehe ungefähr einmal in zwei Wochen. „Sexuelle Handlungen entstehen bei uns immer spielerisch“, sagt Müller. Dabei fordere er nie den Hund auf, sondern der Hund ihn. „Er stupst mich dann zum Beispiel an“, erzählt er. Anschließend komme es meist zur gegenseitigen Masturbation. Ein Hund, meint er, könne dem Menschen in seiner Sprache kommunizieren, was er will und was nicht. Zwingen würde er ihn nie.

Es bestehe grundsätzlich ein Machtgefälle zwischen Mensch und Haustier, sagt Verhaltenswissenschaftlerin Dorit Feddersen-Petersen, die an der Universität Kiel jahrelang vergleichend das Verhalten von Hunden und Wölfen erforschte. Der Hund sei vom Menschen abhängig und habe, wenn dieser es nicht erlaube, keine Möglichkeit, seine Sexualtriebe mit anderen Artgenossen auszuleben. Deshalb masturbierten auch einige Hunde am Bein ihrer Besitzer.

„Wenn Hunde so etwas tun, ist das keine Aufforderung zum Geschlechtsverkehr“, stellt Feddersen-Petersen klar. Es handle sich um fehlgeleitete Triebabfuhr. Dasselbe gelte für körperliche Reaktionen wie Hecheln, wenn der Mensch am Tier sexuelle Handlungen ausführe. Was als Lustausdruck fehlinterpretiert werde, sei nicht selten das Verhalten eines Tieres, das einer extremen Belastungssituation ausgeliefert sei, sagt Feddersen-Petersen.

Die Wissenschaftlerin sieht im Umgang mit Haustieren vor allem ein Problem: „Tiere sind unendlich geduldig.“ Die Qualen, die ein Hund dabei erleide, seien schwer nachweisbar. „Der Respekt und die Sorge für das Leben der Tiere sollten an erster Stelle aller Überlegungen stehen“, sagt Feddersen-Petersen. Sie fordert, Zoophilie als Straftatbestand in das Tierschutzgesetz aufzunehmen.

Auch Adelheid Noble, Leiterin des Tierschutzvereins in Limburg, wünscht sich ein solches Gesetz. Sie berichtet etwa vom Verhalten einer Dobermannmischlings-Hündin, die wegen nicht artgerechter Haltung vom Verein sichergestellt wurde: „Sobald ein Mann den Raum betrat, warf sie sich auf den Boden und streckte alle viere von sich“, erzählt Noble. „Das wurde ihr vermutlich so antrainiert.“

Jeder habe sehen können, dass dieser Hündin Leid angetan worden sei, sagt sie. Weil schwere physische Verletzungen nicht erkennbar waren, kam es zu keiner Anzeige. Die Hündin wurde weiter vermittelt und müsse nun erst wieder den normalen Umgang mit Menschen lernen.

Müller versteht die Kritik nicht. „Ich habe Max nur das Natürliche erlaubt“, sagt er. Der Hund sehe den Menschen als Rudelmitglied an – und es liege am Menschen, ob er diesen Status bis zur letzten Konsequenz auslebe oder nicht.

Müller hat das bisher nur mit Pferden getan. Dafür ging er auf abgelegene Koppeln und suchte nach weiblichen Tieren, die paarungsbereit waren. „Wenn eine Stute die Ohren angelegt hat, habe ich aufgehört“, sagt Müller. Heute würde er das sowieso nicht mehr machen, „weil ich mich nicht in eine andere Beziehung drängen will“.

Das Verhältnis zu seinem Hund beschreibt Müller als Liebesbeziehung: „Ich liebe ihn in der Stärke genauso wie meine Freundin, aber als Hund.“ Ob sein Hund ihn auch liebt, könne er freilich nicht sagen.

*Namen von der Redaktion geändert

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