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Zirkus Scharfe Kritik an Bärenhaltung

Das Veterinäramt Wetterau will dem Familienzirkus Renz weitere Auftritte mit seinen Bären versagen. Außerdem sei der Zirkusdirektor "nicht zuverlässig", kritisiert die Behörde. Von Katja Schmidt

Die Bärin Nena des Familienzirkus Renz ist am Sonntag ausgebrochen und erschossen worden. Hier trauern Mitglieder der Zirkusfamilie um das tote Tier. Zirkusdirektor Daniel Renz ist der Zweite von links. Foto: dpa

Nicht erst seit am Sonntag ein entkommener Bär in Kassel einen Polizisten biss und erschossen wurde, steht der Zirkus Universal Renz wegen seiner Bärenhaltung in der Kritik.

Auch am Zirkussitz in Friedberg sei die Situation für diese Tiere "suboptimal", erklärte gestern Rudolf Müller, Leiter des Veterinäramts im Wetteraukreis. Die beiden noch lebenden Bären des Zirkus waren nach den Kasseler Vorfällen nach Friedberg gebracht worden.

Das Veterinäramt Wetterau hat dem Zirkus eine tierschutzrechtliche Genehmigung für Auftritte mit den Bären versagt. Man setze sich außerdem dafür ein, die Tiere anderweitig unterzubringen, so der Behördenleiter. Bären seien für eine Zirkus-Haltung nicht geeignet. Kritik übt Müller auch an Zirkusdirektor Daniel Renz: "Der Mann ist nicht zuverlässig."

Sohn wurde 2007 von einem Bären verletzt

So sei in den Unterlagen des Amts ein Vorfall vermerkt, bei dem Renz' Sohn 2007 von einem Bären verletzt worden sei. In Kassel hatte Renz eingeräumt, dass ihm die Erlaubnis zum Vorführen der Bären fehle. Sein Bärenexperte sei zur Zeit in Dänemark. Laut Müller hat sich das Veterinäramt dafür eingesetzt, auch dessen Bären-Vorführ-Erlaubnis rückgängig zu machen.

Ärger mit dem Zirkus gab es offenbar vor einem Jahr auch in Nordrhein-Westfalen. Das Veterinäramt des Kreises Borken hat nach eigenen Angaben Strafanzeigen wegen zweier Vorfälle Anfang 2008 gegen den Zirkus gestellt. Nähere Angaben dazu wollte die Behörde mit Verweis auf die laufenden Verfahren nicht machen.

Kassel plant Auftrittsverbot für Wildtiere

In Kassel arbeitet unterdessen der Magistrat daran, Auftritte von Bären und vielen anderen Wildtierarten im Stadtgebiet zu verbieten. Er rechne damit, dass die Vorlage in etwa zwei Wochen beschlossen werde, sagte Bürgermeister Thomas-Erik Junge.

Die Richtlinie war bereits vor dem Bären-Zwischenfall in Arbeit. "Wir wollen den Tieren die Würde geben", erklärte Junge. Die Richtlinie müsse mit Blick auf Tierschutz- und Vertragsrecht wasserdicht sein.

Für eine Übergangszeit soll auch die neue Richtlinie Ausnahmen ermöglichen. Zirkusse sollten nicht plötzlich vor dem Problem stehen, Tiere loswerden zu müssen, erläuterte Junge: "Die Tiere sollen nicht die Leidtragenden sein."

Er rechne mit Widerstand gegen das geplante Auftrittsverbot, sei aber überzeugt, dass attraktive Zirkusprogramme auch ohne Wildtiere möglich seien.

Der Zirkus war bis Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

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