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Zirkus in Hessen Zirkus in der Weihnachtszeit

In vielen hessischen Städten gibt es während der besinnlichen Zeit ein besonderes Programm mit Tieren, Artisten und Sensationen.

21.12.2016 20:29
Der Geschäftsführer des „Christmas Circus Wiesbaden“, Heiner Terbuyken, wartet aufs Publikum. dpa Foto: dpa

Glühwein und Lebkuchen gehören traditionell zur Weihnachtszeit, mancherorts aber auch der Zirkus. Für die Betreiber sind die Tage rund ums Fest bedeutend für das Geschäft. Entsprechend aufwendig werben sie um Besucher – oft mit einem ausgefallenen Programm.

In Hanau organisiert der Gewerbeverein den klassischen Weihnachtszirkus im Stadtteil Steinheim. Der stellvertretende Vorsitzende, Reiner Bohländer, sagt, Zirkus locke in diesen Tagen mehr Menschen an als im Rest des Jahres. Die Menschen hätten mehr Freizeit, sagt Bohländer. Sie seien ausgeglichener und kämen mit der ganzen Familie – anders als im Sommer. Da gingen viele lieber ins Schwimmbad. Allerdings wollen die Gäste auch was sehen. „Die Leute haben sich satt gesehen an den normalen Wanderzirkussen“, schätzt Anja Noichl vom Circus Alberti. Man müsse ihnen etwas Besonderes zur Weihnachtszeit bieten.

Der Circus Alberti gastiert schon zum vierten Mal mit seinem „Wiesbadener Weihnachtscircus“ in der Landeshauptstadt – genauer auf dem Festplatz Gibber Kerb. Etwa vier Kilometer entfernt, im Stadtteil Amöneburg, spielt seit dem 9. Dezember noch der erste „Christmas Circus Wiesbaden“. Ein Standplatz-Streit landete hier vor Gericht. Der Vermieter der Gibber Kerbegesellschaft hat nach eigenen Angaben den Vertrag mit dem Circus Alberti bereits Anfang 2015 gekündigt. Doch der pochte auf den abgeschlossenen Zehn-Jahres-Vertrag.

Nachdem Alberti an Weihnachten 2015 wieder auf dem Festplatz gastiert hatte, kündigte die Kerbegesellschaft erneut den Vertrag. Der Verein warf dem Familienzirkus unter anderem vor, die Rettungswege versperrt zu haben. Der Circus Alberti bestreitet das. Stattdessen sollte nach dem Willen der Gibber Kerbegesellschaft auf dem Platz Sven Rindfleischs „Christmas Circus“ gastieren.

Vor dem Wiesbadener Landgericht einigten sich die Parteien nun auf einen Vergleich: Alberti spielt dieses Jahr ein letztes Mal auf der Gibber Kerb, danach sucht er sich einen neuen Platz. „Wir sind froh, dass wir hier sein durften“, sagt Sprecherin Anja Noichl. In Wiesbaden habe der „Weihnachtscircus“ sein Stammpublikum, deshalb werde er auch 2017 in der Landeshauptstadt bleiben. Besonderheiten im Programm sind hier zum Beispiel die weißen Tiger und die Alligatoren der tschechischen Zirkusfamilie Berousek.

Für Rindfleisch erfüllt sich indes mit seinem ersten Zirkus ein Kindheitstraum. Der 37-Jährige kommt aus keiner Zirkusfamilie, sondern arbeitet als Journalist. Mit dem „Christmas Circus“ will er mit dem Klischee aufräumen, Zirkus sei nur etwas für Kinder. Rindfleisch will Unterhaltung mit Niveau für die ganze Familie liefern. „In Russland haben Artisten den Stellenwert von Opernsängern“, sagt er. Seine Frau Alesya Gulevich stammt aus einer russischen Artistenfamilie.

Bei ihm können Firmen auch ihre Weihnachtsfeiern im Zirkuszelt abhalten. Dazu bieten Rindfleisch und sein Geschäftspartner Heiner Terbuyken ein Abendessen vor der Show an. „Viele Unternehmen wissen nicht mehr, wo sie bei der Weihnachtsfeier hingehen sollen. Zirkus ist da mal was anderes“, sagt Rindfleisch. In einem Achtmaster-Zelt gibt es neben der Manege auch Platz für das Dinner und einen kleinen Weihnachtsmarkt.

Auch abseits von Hanau oder Wiesbaden gibt es Weihnachtszirkusse. Seit sieben Jahren veranstaltet der Circus Flic Flac in Kassel das Festival der Artisten. „Wir sind der Zirkus mit den riskantesten und spektakulärsten Nummern“, sagt Sprecher Rudi Bauer. Statt klassischer Clowns und Tierdressuren präsentiert Flic Flac waghalsige Motorradspringer und ein Komiker-Duo mit Hammer und Peitsche.

Auch der Circus Carl Busch hat einen hohen Anspruch an das Programm. Er gastiert seit fünf Jahren auf dem Festplatz am Ratsweg in Frankfurt mit dem „Great Christmas Circus“, wie Direktorin Marion Wille-Busch erzählt. In Frankfurt hätten sie ihr Stammpublikum, das jedes Jahr komme. Aber: „Die Leute wollen eine Gemütlichkeit wie in ihrem Wohnzimmer“, sagt sie. Und Heizung, Strom und Platzmiete haben ihren Preis. „An Weihnachten steigen unsere Kosten bestimmt um etwa 60 Prozent“, schätzt Wille-Busch.

In Hanau betont Bohländer: „Wir wollen nicht nur das Gewerbe, sondern auch das kulturelle Zusammenleben fördern“. Zirkus sei ein Kulturgut für die ganze Familie. Seit sechs Jahren arbeitet der Verein mit dem Circus Barus der Familie Frank zusammen. Auf dem Burggartengelände präsentiert der „Hanauer Weihnachtscircus“ internationale Artisten, Tiere und Clowns. Das Zelt ist geschmückt und auch die biblische Weihnachtsgeschichte hat ihren Platz im Programm. „Das ist nicht nur Klamauk für Kinder“, sagt Bohländer.

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