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Zecken in Hessen Riesen-Zecke mit Ringelsöckchen

Zwei tropische Zecken-Exemplare werden an Pferden im Main-Kinzig-Kreis gefunden. Das Land Hessen baut jetzt eine Geschäftsstelle für Klimaschutz und Gesundheit auf.

Zecken
Größenvergleich: gemeiner Holzbock (links) und Hyalomma. Foto: Lidia Chitimia-Dobler (Institut für Mikrobiologie der )

Im Main-Kinzig-Kreis sind zwei Exemplare der tropischen Zeckenart Hyalomma gefunden wurden. Ein Mann aus Wächtersbach hatte sie an seinen Pferden entdeckt und die zuständige Behörde informiert. Aufgefallen waren ihm die Spinnentiere wegen der gestreiften Beine und der Schnelligkeit, mit der sie sich bewegten, berichtet Christian Rösch, Mitarbeiter des Kreisgesundheitsamts, der FR. Das eingeschaltete Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München bestätigte dann die Vermutung, dass es sich um die Zeckenart „Hyalomma marginatum“ handelt. Eines der Exemplare trug den Erreger einer tropischen Form des Zecken-Fleckfiebers. Es führt beim Menschen zu Hautveränderungen und Fieber.

Anfang der Woche war bekannt geworden, dass in Niedersachsen und Hessen in diesem Jahr insgesamt sieben Exemplare der Gattung Hyalomma nachgewiesen wurden. Die eigentlich in Afrika, Asien und Südeuropa heimischen Tiere sind wesentlich größer als der hiesige Gemeine Holzbock. Und sie können anderer Krankheiten übertragen, darunter den viralen Verursacher des Krim-Kongo-Fiebers. Bei der derzeitigen Witterung in Deutschland fühlten sie sich sehr wohl, sagten die Wissenschaftler. Es sei davon auszugehen, dass sich künftig mehr tropische Zeckenarten hier ansiedeln können. Vermutlich über Vögel gelangten sie nach Deutschland.

Die Hyalomma gehört zu einer ganzen Reihe von Lebewesen, die von den veränderten klimatischen Bedingungen profitieren, sagt Andreas Malten, Diplom-Biologe am Frankfurter Senckenberg-Forschungsinstitut. Verschiedene Schabenarten, Käfer, Spinnen und „viele Insekten“ hätten Deutschland als neue Heimat entdeckt. Manche tragen wohlklingende Namen wie Gottesanbeterin, Grüne Strandschrecke oder Schiefkopfschrecke. Auch der Eichenprozessionsspinner sei eingewandert. Interessant an der neuen Zecke findet der Insektenexperte die Musterung der Beine, die ihn an die der Tigermücke erinnert. Womöglich stecke dahinter System: „Beide tragen Ringelsöckchen.“

Als Reaktion auf die Entdeckung der tropischen Zecken will das Sozialministerium eine Geschäftsstelle für Klimaschutz und Gesundheit einrichten. Sie soll sich mit der Beobachtung und Bekämpfung von gefährlichen Mücken- und Zeckenarten beschäftigen. Gefährliche Viren wie Erreger von hämorrhagischen Fieber-Formen seien in Hessen noch nicht entdeckt worden. Vor der neuen Zeckenart sollten die Menschen sich so schützen wie vor den heimischen, sagt Sprecherin Esther Walter: Empfehlenswert seien Gels, Sprays, lange Kleidung und ein Selbst-Check nach Ausflügen in der Natur. Verdächtig aussehende Exemplare könnten unter anderem an die Universität Hohenheim gemeldet werden.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.rki.de.

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