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Youtuber „TheJoCraft“ in Oberursel Hirn ist wichtiger als Tablet

Hessens Kultusminister Alexander Lorz und der Youtuber „TheJoCraft“ diskutieren in Oberursel über die Zukunft der Schule und die Digitalisierung.

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Ein Tablet (Symbolfoto). Foto: Andrea Warnecke (dpa-tmn)

Den größten Beifall bekamen Ulrike Mäding-Lemmerich vom HR-Sinfonieorchester und der Youtuber Josef Heinrich Bogatzki („TheJoCraft“) als sie auf der Bühne gemeinsam ein Lied spielten – Mäding-Lemmerich an der Geige, begleitet von Bogatzki am Klavier. Und das ganz analog.

Dennoch war die Frage der „Digitalisierung“ allgegenwärtig am Donnerstagabend im Gymnasium Oberursel. „Zur Zukunft, bitte nachsitzen“ lautete der Titel der Diskussionsveranstaaltung, zu der auch der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) in den Taunus gekommen war.

Wieso denn viele ihrer Mitschüler das Gefühl hätten, die Schule hinke beim Thema Digitalisierung der restlichen Gesellschaft hinterher, wollte Moderatorin Saskia wissen. Lorz räumte ein, dass es noch eine Weile dauern werde, bis alle Schulen komplett mit digitaler Technik ausgestattet seien. Dennoch passiere auch derzeit schon einiges.

Das gelte speziell für den Hochtaunuskreis, sagte Lorz. Zwei Tage zuvor hatte er an der Wiesbachschule in Grävenwiesbach das Projekt „Vernetztes Lernen“ vorgestellt. Ziel des Modellvorhabens ist es, konventionelles und digitalisiertes Lernen an einer Grundschule zu kombinieren. Dafür wurde die Wiesbachschule mit zwölf modernen Activ-Boards anstelle von Kreidetafeln, 66 Tabletts anstelle von Schüler-PCs, sowie einem modernen und leistungsfähigen Netzwerk ausgestattet.

Doch digitale Medien allein seien kein Allheilmittel, betonte Lorz. Deshalb sei in Grävenwiesbach vor der Anschaffung der Technik erst einmal ein umfassendes pädagogisches Konzept ausgearbeitet worden. „Ein Tablet ohne Gehirn bewegt nichts“, sagte der Kultusminister.

Bogatzki: Technik nur „Mittel zum Zweck“

Da war er sich völlig einig mit dem Lehramtsstudenten Josef Heinrich Bogatzki, der mit seinem Youtube-Kanal „TheJoCraft“ knapp 100 000 Abonnenten erreicht. Der warb zwar für den Einsatz von Smartboards, Dokumentenkameras oder sozialen Netzwerke wie Instagram als Möglichkeit, den Unterricht kreativer zu gestalten. Aber die Technik dürfe dabei nur „Mittel zum Zweck“ sein, mahnte Bogatzki.

Nicht alle digitalen Trend seien gut. Beispielsweise könne das exzessive Nutzen von Programmen wie WhatsApp für soziale Entfremdung sorgen. Deshalb finde er es gut, dass es an manchen Schulen in den Pausen ein Handyverbot gelte, damit die Schüler wieder mehr direkt miteinander sprechen.

Auch in die allgemeine Lehrerschelte wollte der Youtuber nicht einstimmen. „Viele Lehrer sind bereit, etwas auszuprobieren“, hat Bogatzki festgestellt. Und die Schulen machten beim Einsatz digitaler Medien „schon vieles richtig“. Ohnehin sei es nur eine Frage der Zeit, bis die Schulen endgültig im digitalen Zeitalter angekommen seien. Und warum sollten Schüler sich nicht einmal gegenseitig unterrichten oder beim Umgang mit der neuen Technik ihren Lehrern etwas beibringen?

Die Geigerin Ulrike Mäding-Lemmerich brach ebenfalls eine Lanze für die Arbeit an den Schulen. So genießt das soziale Lernen nach ihrer Meinung heute mehr Wertschätzung als zu ihrer eigenen Schulzeit. Was die Digitalisierung angeht, sei es nicht notwendig, dass die Schulen „alles mitmachen“ müssen. Sie sollten eher ein „Gegenpol“ der allgemeinen Entwicklung sein.

Der Kultusminister musste sich der Frage aus dem Publikum stellen, warum die Schulen ihre Absolventen nicht besser auf das Berufsleben vorbereiteten. Alexander Lorz wies darauf hin, dass in Hessen eine flächendeckende Berufsorientierung in allen Schulformen eingeführt werde. Allerdings müsse es auch weiterhin einen Unterschied zwischen Ausbildung und Schule geben. Deren Aufgabe sei nicht nur die Vorbereitung auf den Beruf, sondern auch die Persönlichkeitsbildung. Wie man seine Steuererklärung ausfülle, könnten die Schüler hingegen noch später im Leben lernen.

Darüber hinaus verteidigte Lorz gegen eine deutliches Votum aus dem mit rund 400 Menschen besetzten Auditorium das Festhalten am Religionsunterricht. „Die Nachfrage ist weiterhin da“, betonte er. Bei anderen Veranstaltungen hätten Abstimmungen auch schon ein gegenteiliges Ergebnis gebracht. Außerdem könnten Eltern ihre Kinder ja vom Religionsunterricht abmelden und als Alternative einen Ethikkurs belegen.

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