Lade Inhalte...

World Music Dome Zwölf Stunden Party

Es ist Sommerpause in der Bundesliga. Trotzdem strömen die Besucher in die Frankfurter Arena. Beim "World Music Dome" tanzen 25.000 Menschen zu elektronischen Beats, unter anderem von David Guetta.

Grelle Farben, Bier und Sonnenbrillen sind beliebte Accessoires der Elektrofans, die zwölf Stunden im Stadion feierten. Foto: christoph boeckheler*

Es ist Sommerpause in der Bundesliga. Trotzdem strömen die Besucher in die Frankfurter Arena. Beim "World Music Dome" tanzen 25.000 Menschen zu elektronischen Beats, unter anderem von David Guetta.

Lautes Jubeln, Pfeifen und Begeisterungsrufe hallen einem bereits auf dem Weg in das Stadion entgegen. Auf den Wegen und den Wiesen vor dem riesigen Rundbau tummeln sich bunt gekleidete Menschen. Die überwiegenden Farben sind Weiß, Jeansblau und alles in Neon: Gelb, Orange, Pink und Grün.

Schwarz-Rot gehört nicht dazu. Es ist Sonntag, und es ist Sommerpause in der Bundesliga. An der Eintracht liegt es deshalb offensichtlich nicht, dass rund 25 000 Menschen in die Arena gekommen sind. Statt 22 Fußballer auf dem Rasen locken beim „World Music Dome“ 100 DJs aus 30 Ländern Fans der Elektromusik nach Frankfurt.

In die Jubelrufe der begeisterten Partymenge, die im Inneren des Stadions den vom Regen aufgeweichten Rasen ruiniert, mischt sich das Wummern eines Basses. Es ist 14. 40 Uhr, das eintägige Festival läuft bereits seit über drei Stunden, als der Vater des Frankfurter Techno, Sven Väth, die Bühne betritt. Er spielt – sozusagen als Hausherr – das offizielle Eröffnungsset. In rot-weißen Buchstaben auf schwarzem Grund leuchtet sein Name auf der riesigen LED-Wand, als er in die Kanzel tritt. Vielleicht ist da doch ein kleines bisschen Lokalpatriotismus im Spiel.

Väth folgen an diesem Tag auf der Bühne noch die ganz Großen der Szene, die Jetsetter des Elektro, die sonst zum Auflegen von Ibiza nach Los Angeles fliegen. Apropos fliegen: Wegen des schlechten Wetters musste Väth aus Köln mit dem Taxi anreisen, da sein Flug ausgefallen war. Doch er hat es fast rechtzeitig geschafft, und auch die internationalen Stars haben sich nicht vom Unwetter abhalten lassen. Das Line-up des Tages, also die Liste der Musiker, liest sich wie der kühnste Traum eines jeden Technofans: Axwell, Steve Aoki, Hardwell, Tiësto und David Guetta geben sich in Frankfurt die Ehre. Allesamt besetzen sie momentan die ersten Ränge der Electro- und Technoszene.

Auch die Besucher des „World Music Dome“ haben sich nicht vom schlechten Wetter abhalten lassen. Dank der ausfahrbaren Daches der Arena sind die Technofans im Inneren vor Regen geschützt. Doch selbst der matschige Boden drinnen und draußen hindert die Besucher nicht daran, auf Picknickdecken kleine Pausen einzulegen. An den wenigen Würstchenbuden auf dem Rasen vor der Arena stehen lange Schlangen von hungrigen Partygästen, Promoter von Autoherstellern und Zigarettenmarken drehen den Wartenden erfolgreich ihre Produkte an.

Auffällig ist die unglaublich hohe Dichte an gut trainierten Männern in engen Muskelshirts und jungen, dünnen Frauen in Hotpants und neonfarbenen Tops, allesamt große Sonnenbrillen tragend, die auf dem Rasen der Eintracht ihre Party feiern. Der Unterschied zu einem Fußballspiel und dessen Besuchern mag vielleicht die Wahl der T-Shirt-Farben sein, doch müffeln auch die schönsten Menschen, wenn sie sich an einem Sommertag in großen Mengen zusammenfinden.

Zwölfstündiges Fest

Doch auch Schweiß gehört zu einer gelungenen Elektroparty und die wollten die Veranstalter ja auf die Beine stellen. Die Partymacher von „Big City Beats“ feiern mit dem zwölfstündigen Fest ihren neunten Geburtstag und haben dafür einigen logistischen Aufwand betrieben: Im Stadion wurden 50 Kilometer Kabel verlegt; die Bühne auf dem Innenfeld selbst maß 66 Meter in der Breite und zwölf Meter in der Höhe. „900 000 Watt Lichtleistung und 250 000 Watt Musikleistung werden aufgefahren“, hatte der Veranstalter angekündigt.

Trotz des beträchtlichen technischen Aufwands waren einige Gäste nicht mit der Soundqualität zufrieden. „Der Bass kommt hier schon gar nicht mehr so richtig an“, findet Claudius. Der 20-Jährige ist ein bisschen enttäuscht von dem in seinen Augen unzureichenden Sound. Zusammen mit seinen Freunden ist Claudius 450 Kilometer weit aus dem baden-württembergischen Göppingen angereist. Er steht mit den drei Jungs in der Mitte der „Front Stage“. So heißt der vordere Bereich auf dem Rasen der Arena, direkt vor der Bühne.

Um hier Einlass zu erhalten musste man im Vorverkauf für 79 Euro ein entsprechendes Ticket erstehen. Für zehn Euro weniger durfte man sich im Innenfeld dann nur im Bereich „Party Picknick“ aufhalten, hinter einer Absperrung aus Eisengittern drängten sich die Fans auf den billigeren Plätzen; hier war der Sound entsprechend schlechter.

David Guetta ist Zuschauermagnet

Das stört aber die vier Mädels nicht, die in ihren weißen Tops und kurzen Hosen ganz vorne am Gitter stehen. Stefanie, Johanna, Tamara und Eva, alle 17 und 18 Jahre alt, freuen sich sehr, beim Festival dabei zu sein. „Sonst hören wir Elektro nur im Club“, erzählt die 18-Jährige Stefanie. Mal in einem Fußballstadion zu feiern, sei etwas ganz Besonderes, pflichtet ihr die 17-jährige Tamara bei. Die vier Freundinnen kommen aus der Nähe von Mainz und hatten es immerhin nicht so weit wie Nancy und Kevin, die extra aus Berlin angereist sind. Die beiden sich ebenfalls ein Front Stage Ticket gegönnt.

Sie haben nicht vor, den Bereich allzu oft zu verlassen. Nur um auf Toilette zu gehen oder um einen Nachschub an Getränken zu holen; sonst heißt es: 12 Stunden Dauerparty. Von 11 bis 23 Uhr legen die DJs auf der großen Bühne im Innenfeld und auf den zehn kleineren Floors im „ClubMusicCircle“, in den Gängen rund um das Innenfeld, auf.

Am Nachmittag sah die Menge, die sich auf dem Gelände tummelte, noch ziemlich überschaubar aus. Zwischen Innen- und Außenbereich herrschte ein reger Durchgangsverkehr, viele wandern unermüdlich zwischen den kleinen Floors und der Hauptbühne oder den Toiletten und den Imbissständen hin und her. Doch die beiden Elektro-Superstars, Grammy-Gewinner David Guetta aus Frankreich und der Niederländer Tiësto, der vom britischen Magazin DJ Mag bereits mehrmals zum weltweit Besten seiner Zunft ausgelobt wurde, dürften dann zum Schluss noch fast alle der 25.000 Besucher in das Innere der Arena gelockt haben.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen