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Wohnen in Oberursel „Raus aus der Intimsphäre“

Die Oberurseler Wohnungsbaugenossenschaft und der Verein „Wohnträume“ verwirklichen ein Projekt für gemeinschaftliches Wohnen.

Matthias Tresp vor dem Rohbau seines „Wohntraums“. Foto: Michael Schick

"Wir wollen mehr Gemeinschaft leben“, sagt Matthias Tresp. Der 57-Jährige ist Vorsitzender des Vereins „Wohnträume“, dessen Mitglieder sich seit fünf Jahren intensiv Gedanken darüber machen, in welcher Umgebung sie ihr Alter verbringen wollen.

Das Ergebnis: Jeder soll weiterhin seine eigene Wohnung haben und die Tür hinter sich abschließen können. „Dreh- und Angelpunkt ist aber der Gemeinschaftsraum“, erzählt Tresp. Dort sollen sich alle Bewohner des Hauses zum Kaffeetrinken oder zu Spieleabenden treffen können. Einem ähnlichen Zweck dient die geplante Dachterrasse. „Wir wollen raus aus der individuellen Intimsphäre“, sagt der Vereinsvorsitzende.

Wenn alles gutgeht, werden die Träume der mittlerweile 33 Vereinsmitglieder bereits im kommenden Jahr Wirklichkeit. Der Rohbau für das Wohnprojekt jedenfalls steht bereits. „Im Herbst 2017 können wohl die ersten Bewohner einziehen“, kündigte der Vorstandsvorsitzende der Oberurseler Wohnungsbaugenossenschaft (OWG), Karl-Heinz Beck, nun während des Richtfestes an.

4,2 Millionen Euro investieren die Genossen in den Neubau an der Ecke Freiligrathstraße/Berliner Straße. Insgesamt 15 Wohnungen mit einer Fläche zwischen 70 und 110 Quadratmetern entstehen dort. Der Großteil werden Drei-Zimmer-Wohnungen sein, erläuterte OWG-Projektleiter Thomas Schultheis. Einen exakten Mietpreis wollte er noch nicht nennen, die Mieter würden „um die elf Euro“ pro Quadratmeter zahlen. Die Genossenschaft wird Eigentümer des Gebäudes bleiben.

Elf der Wohnungen sind für Mitglieder des Vereins „Wohnträume“ reserviert, acht seien bereits vergeben, berichtet Matthias Tresp. Auch er selbst habe vor, in den Neubau einzuziehen, auch wenn er mit seinen 57 Jahren noch eines der jüngeren Vereinsmitglieder sei. Der Schnitt liege bei Mitte 70. „Allerdings ist noch niemand gebrechlich.“

Nach Angaben von Karl-Heinz Beck wäre auch das kein Problem, denn alle Wohnungen sollen barrierefrei werden. „Man kann sich mit Rollator und Rollstuhl darin bewegen“, kündigt der OWG-Vorsitzende an. Und der Aufzug werde so dimensioniert, dass ein Krankentransport problemlos möglich sei. Für die OWG ist der Neubau an der Freiligrathstraße nicht nur wegen des ersten Oberurseler Projekts zum Gemeinschafts-Wohnen etwas Besonderes. Man baue zudem auf „historischem Gelände“, erläuterte Karl-Heinz Beck. Als die OWG vor 118 Jahren gegründet wurde, habe sie an der gleichen Stelle ihre ersten Häuser gebaut. „Neuland auf altem Stammland“, wie Aufsichtsratschef Rainer Zulauf ergänzte.

Seinerzeit war Oberursel sehr schnell von 3500 auf 5000 Einwohner angewachsen, bezahlbarer Wohnraum war Mangelware. Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) zog eine Parallele zur aktuellen Situation. „Viele Handwerker und Facharbeiter können sich eine Wohnung in Oberursel nicht mehr leisten“, sagte er. Deshalb habe die schwarz-rote Koalition sich auf die Fahnen geschrieben, bis zum Ende der Legislaturperiode 1000 neue Wohnungen zu schaffen, davon 300 im preiswerten Segment. Die OWG sei dafür „ein ganz starker Partner für die Stadt“, betonte Brum.

„Wir sind dabei“, versprach Rainer Zulauf, „darauf kann sich die Stadt verlassen.“ Günstiges Wohnen sei allerdings nicht allein durch politische Forderungen zu erreichen, sondern nur mit konkretem Handeln. Angesichts der Grundstückspreise im Vordertaunus und hoher Bauauflagen gelinge es auch einer Genossenschaft wie der OWG nicht mehr, Neubauten für Mieten von sechs Euro pro Quadratmeter anzubieten. Lediglich im Altbestand funktioniere das noch.

Dennoch werde die OWG sich in Sachen bezahlbarer Wohnraum um Lösungen bemühen, versprach Zulauf. Noch im Oktober wollen sich die Verantwortlichen dazu in Klausur begeben.

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