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Wohnen in Niddatal Neues Leben auf dem alten Hofgut

Die Öko-Genossenschaft Oekogeno baut am Kloster Ilbenstadt ein Mehrgenerationenhaus, in dem ausdrücklich auch Menschen mit Behinderungen wohnen sollen.

Wetterau
Auf dem Kloster-Areal in Niddatal soll ein genossenschaftliches Mehrgenerationenhaus entstehen. Foto: Rolf Oeser

Die für das Dorf viel zu mächtigen Doppel-Glockentürme sind schon von weitem auf der B45 zu sehen. Das weitläufige Gelände des einstigen Prämonstratenser-Klosters wird demnächst eine weitere Besonderheit erhalten: Dort soll genossenschaftliches Mehrgenerationenwohnen entstehen, ausdrücklich auch für Menschen mit Behinderung. Hierzu sollen auf dem Gelände des unteren Gutshofs 30 Wohneinheiten entstehen. Scheune und Pferdestall werden dazu einem Neubau weichen. Akteur des 15-Millionen-Euro-Projekts ist die Freiburger Genossenschaft Oekogeno.

„Es ist das erste Projekt, das Oekogeno in Hessen realisiert“, sagt Unternehmenssprecher Thomas Bauer. Warum just Ilbenstadt, ein Stadtteil von Niddatal, als Standort für das Projekt ausgewählt worden ist, erklärt Bauer mit dem hohen Anteil an Genossen im Frankfurter Raum, von denen die Anregung ausgegangen sein, in der Region ein solches Vorhaben zu verwirklichen.

Oekogeno hat in Süddeutschland fünf Projekte dieser Art bereits am Laufen. Und dann sei es noch die „attraktive Lage“. Letzteres bedeutet laut Bauer nicht, ein ländliches Wohnidyll für Besserverdienende aus dem Ballungsraum zu schaffen. „Wir nehmen eine Kostenmiete“, sagt Bauer.

Bei allen bisherigen Wohnprojekten liege der Mietzins leicht unter dem Durchschnitt. Über den hessischen Masterplan Wohnen könne zum Teil auch geförderter Wohnraum entstehen.

Wer auf dem Gutshofgelände wohnt, muss nicht nur für eine solidarische Wohnform kompatibel sein, sondern ebenso Genosse bei Oekogeno – und eine Einlage zahlen, deren Höhe vermutlich zwischen 20 000 und 35 000 Euro liegt. Wer sich die nicht leisten kann, kann eine Finanzierungshilfe erhalten, heißt es.

Laut Projektbeschreibung soll in Ilbenstadt ein guter gesellschaftlicher Mix ein Zuhause finden. Familien und Senioren werden die Hauptgruppen bilden, gefolgt von Singles, Alleinerziehenden, Paaren sowie Assistenz- und Pflegewohngemeinschaften. Ein zentraler Teil des Konzeptes stellen Gemeinschaftsräume und -flächen dar. Der Park, der sich im Besitz der Stadt befindet, wird als ein Ort genannt. Für die Bewohner könnte ein Teil davon etwa für das urbane Gärtnern genutzt werden, heißt es. Die öffentliche Nutzung des Parks soll hingegen nicht eingeschränkt werden. Das hebt auch Bürgermeister Bernhard Hertel (parteilos) hervor, der darüber hinaus das Vorhaben der Oekogeno als „Vorzeigeprojekt für die ganze Wetterau“ lobt.

Der Gutshof wurde in den 1990er Jahren aufgegeben. Der Betrieb rentierte sich nicht mehr ob der baulichen Gegebenheiten. Versuche, einen Pächter zu finden, liefen für die Hessische Landgesellschaft als Verwalterin der Domäne ins Leere. Anfang Dezember wurde verkündet, ein Teil der Immobilien sei verkauft.

Den ehemaligen Wirtschaftshof haben Nicole Weyrauch und Alexander Czempin übernommen, der über die Straße vis-à-vis zum Ensemble liegt, das Oekogeno erworben hat. Die nicht denkmalgeschützten Gebäude, die Scheune und der Pferdestall, werden zugunsten eines Neubaus abgerissen. Das Wohnhaus soll architektonisch an die Umgebung angepasst werden, an das Kutscher- und Pächterhaus. Unter Begleitung des Denkmalamtes stehen den beiden historischen Bauwerken Sanierung und Umbau für eine neue Nutzung bevor, die Gemeinschaftsräume und ein Café einschließt.

Aber auch die Stadt hat Flächen erworben. Am Rande des rund 6000 Quadratmeter großen Parks soll eine Kindertagesstätte entstehen, mit rund 100 Plätzen, aufgeteilt in vier Gruppen. Der Plan, die bestehende Kita nahe dem Kloster zu erweitern, wurde aufgegeben. „Die Stadt konnte mit der katholischen Kirche keine Einigung erzielen“, bedauert Hertel.

Der Neubau verkompliziert nun die Verkehrssituation. Die Zufahrt zum Areal ist auf zwei denkmalgeschützte Torbauten begrenzt. Mit der katholischen Bildungsstätte im Klostergebäude, die laut Hertel bis zu 16 000 Teilnehmer im Jahr zähle, sei auf dem Gelände ohnehin schon viel los. Die Stadt hat ein Ingenieurbüro beauftragt, die Verkehrsentwicklung zu untersuchen und eine Lösung zu erarbeiten.

Als Ergebnis muss laut Bauer für das Oekogeno-Projekt ein autofreier Park herauskommen, „sonst geht ein Kern des Konzeptes verloren“.

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