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Wochenmarkt in Mainz Von Weck, Worscht un Woi

Im Schatten des Mainzer Doms kommen jeden Samstag Einheimische und Auswärtige zusammen, um Wein, Leckereien und nette Gesellschaft zu genießen.

Wochenmarkt in Mainz
Manche kommen fürs Mainzer Marktfrühstück sogar von weit her. Foto: Michael Schick

Mainzigartig – das Wortspiel findet inflationäre Verwendung in der rheinland-pfälzischen Hauptstadt. Es könnte kaum überstrapazierter sein. 

Wo es aber besonders passt, prangt es gar nicht auf Plakaten oder Flyern. Der Mainzer Wochenmarkt überzeugt auch ohne Label. „Der ist so wunderbar bombastisch“, erzählt Monika Fitzel aus Berlin. Unter einem Baum nahe des Mainzer Doms sucht sie mit ihrem Ehemann Schutz vor der prallen Sonne, in der Hand eine kühle Weinschorle. Im Herbst, bei etwas niedrigeren Temperaturen, gibt es dann wieder Wein pur für das Ehepaar. Hubert Fitzel kommt aus der Region und der Mainzer Wochenmarkt ist fester Bestandteil eines jeden Heimatbesuchs der Pensionäre. Denn der ist ziemlich einzigartig, findet Hubert Fitzel: „Einen Markt mit so einem großartigen Angebot gibt es gar nicht in unserer Gegend.“ Auch heute freut er sich auf die „wunderschönen Bauernblumenarrangements“, deren Farbenpracht mit den bunten Sonnenschirmen, Obst und Gemüse um die Wette leuchtet. Dass noch dazu Mainzer Winzer an Samstagen zum Marktfrühstück ihren Wein ausschenken: umso besser. 

Außerdem wollen die Berliner ihre Honigreserven aufstocken. Die Geschmacksvielfalt reicht von leichtem Rapshonig bis zu kräftigem Kastanienhonig. An einem Stand in Richtung Mainzer Staatstheater dürfen sie sich vor dem Kauf sogar einmal durch die regionale Honigwelt testen.

Mainzigartiges, das auch die Einheimischen nicht zu schätzen verlernen: „Ich würde nirgendwo anders hinfahren, wenn das Marktfrühstück direkt vor der Haustür ist.“ Diese Ansicht teilt Marina wohl mit vielen anderen Mainzern. „Marktfrühstück, ja oder nein?“ – das ist im Freundeskreis der 25-Jährigen die Standardfrage für das Wochenende. Heute ist sie aber zusammen mit Mama Alexandra da. Sie stehen am Rande eines rot-weiß bepflanzten Blumenbeets und trinken Blanc de Noir aus dem Rheingau. Vorher gab es ein Brötchen von einem der Metzgerei-Stände zum Frühstück. Eine weise Entscheidung, weiß Marina: „Mama verträgt nicht so viel, wenn es morgens schon Wein gibt.“

Das Angebot wartet mit vielen leckeren Mainzigartigkeiten auf, deren Aufzählung ganze Zeitungsseiten benötigte. Von Bioland-Eiern bis Flugmango, von Backfisch bis zu einheimischen Leckereien wie Handkäs oder Fleischwurst und sogar die recht seltenen Schweinebäckelchen – wie bei einem ausschweifenden römischen Mahl.

Und eben das Lieblingsgetränk vieler Mainzer. „De Woi schmeckt gud“, meint Stephan Mutschler bevor er sich einen „Schoppen“ bestellt. Melanie Hamm erklärt die Bestellung am Stand der Mainzer Winzer direkt neben dem Gutenberg-Museum: „Eigentlich ist Schoppe eine Maßeinheit, aber in Mainz ist das der Inbegriff einer großen Weinschorle.“ Für die beiden Freunde hat das Marktfrühstück Tradition. Stephan wohnt mittlerweile in Hamburg: „Marktfrühstück muss aber bei jedem Besuch drin sein.“

Auf dem Marktplatz steht die Sonne hoch am Himmel. Während Bauern und Verkäufer beginnen, ihre restliche Ware einzupacken. Die Schirme in orange, grün und gelb werden zugeklappt. Die Marktfrühstücker stehen und sitzen noch immer ringsum. Einige schlendern mit Tüten voller frischer Lebensmittel in Richtung des nahegelegenen Rheinufers. Da weht eine leichte Brise und einen Weinstand gibt es auch. Der hat noch bis zum Abend geöffnet.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Ferien zu Hause

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