Lade Inhalte...

Witzenhausen Geplante Abschiebung endet mit Gewalt

4. UpdateDer Syrer, dessen geplante nächtliche Abschiebung in Witzenhausen Anwohner durch eine Blockade zu verhindern versuchten, ist auf freiem Fuß. Er hätte nach Angaben seiner Anwältin gar nicht abgeschoben werden dürfen.

Blaulicht auf Polizeiauto
Streifenwagen der Polizei im Einsatz (Symbolbild). Foto: Carsten Rehder/Archiv

Ein Polizeieinsatz in Witzenhausen (Werra-Meißner-Kreis) ist in der Nacht zu Montag eskaliert. Die Beamten sollten einen 27-jährigen Syrer in Gewahrsam nehmen, da er am Morgen ausgewiesen werden sollte. Eine Gruppe Demonstranten protestierte dagegen und hat laut Polizei versucht, die Aktion zu behindern.

Gegen 1 Uhr waren Beamte mit einem Streifenwagen vorgefahren und hatten den aus Syrien stammenden Mann mitgenommen. Mehrere Anwohner, die die Aktion mitbekamen, sollen sich daraufhin den Beamten in den Weg gestellt und lautstark aber auch aggressiv gegen das Vorgehen skandiert haben, so die Polizei in ihrer Pressemitteilung. Die Demonstranten umkreisten schließlich die Polizeifahrzeuge vor Ort und hinderten sie am Wegfahren. Die Beamten riefen Hilfe und die Demonstranten scheinbar auch, denn die Zahl der Protestierenden sei schnell auf 60 Personen angewachsen.

Der Arbeitskreis Asyl Witzenhausen widersprach der Darstellung der Polizei am Montag. Die Mitglieder der Gruppe waren in der Nacht vor Ort und sprachen von friedlichen Protesten und einer Sitzblockade.

Schlussendlich eskalierte die Situation. Die Polizei spricht von Steinwürfen aus den Reihen der Demonstranten. Dagegen wehrten sich die Beamten mit Schlagstöcken und dem Einsatz von Reizgas. Nach Aussage der Polizei hätte auch die Gegenseite Reizgas eingesetzt. Ein Demonstrant habe sich zudem an das Polizeiauto mit dem Syrer gekettet. Der Arbeitskreis Asyl teilt in seiner Pressemitteilung mit, dass es keine Steinwürfe gab. Allerdings hätten die Polizisten auch einen Hund eingesetzt, um die Demonstranten aus der Blockade zu treiben.

Als der Streifenwagen mit dem von der Abschiebung bedrohten Mann schließlich abgefahren war und sich die Ansammlung gegen 3 Uhr aufgelöst hatte, standen mehrere Verletzte auf beiden Seiten zu Buche. Festnahmen habe es keine gegeben, so die Polizei.

Augenzeugin wundert sich über Abschiebung

Eine Anwohnerin, die das ganze Geschehen von ihrem Fenster aus beobachtet hatte, erklärte gegenüber der FR: „Das Ganze war sehr unübersichtlich.“ Nach ihrer Einschätzung schien die Polizei überfordert gewesen zu sein und hatte schnell in die Proteste eingegriffen. Später sei die ganze Straße voll mit Polizisten gewesen. Steinwürfe hatte die Anwohnerin nicht mitbekommen, allerdings sei sehr viel gleichzeitig passiert und die nächtliche Uhrzeit hätte das Beobachten erschwert.

„Ich war überrascht von der Aktion gewesen, weil ich dachte, dass es einen Abschiebestopp nach Syrien gibt“, sagte die Anwohnerin weiter. Sie habe sich auch über die Uhrzeit des Einsatzes gewundert. „Da wird ein Mann mitten in der Nacht aus seinem Leben gezerrt.“

Häkchen falsch gesetzt

Tatsächlich sei der Syrer sehr gut integriert, wie die HNA berichtet. Er lerne schnell Deutsch, sei im Sportverein und Teil der Witzenhäuser Feuerwehr. Trotzdem sollte der Syrer im Auftrag des Regierungspräsidiums Kassel in sein EU-Ersteinreiseland Bulgarien gebracht werden. Sein Flug sollte am Montagmorgen vom Flughafen Frankfurt aus erfolgen.

Allerdings wurde der Mann wenige Stunden, nachdem er in Gewahrsam genommen wurde, bereits wieder freigelassen. Seine Anwältin Claire Deery hatte in einem Eilverfahren seine Freilassung erwirkt. Denn der junge Mann hätte gar nicht abgeschoben werden dürfen.

Zwar hatte das Bundesamt im vergangenen Jahr seine Abschiebung nach Bulgarien entschieden. Allerdings hatte das Verwaltungsgericht Kassel entschieden, dass eine Abschiebung angesichts der dortigen Lage nicht vertretbar sei. Bei einer Mitteilung des Bundesamtes an die hiesigen Behörden sei ein Häkchen falsch gesetzt worden, wie Deery der FR erklärt. „Ich rechne nicht damit, dass er nun noch eine Ablehnung erhält“, zeigte sich die Anwältin zuversichtlich.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen