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Wirtschaft in Frankfurt Gewinnerin in der Krise

Etwa 30 Groß-Zahler gibt es in der Stadt, die annähernd die Hälfte der Frankfurter Gewerbesteuer-Einnahmen von derzeit mehr als einer Milliarde Euro aufbringen. Einer davon ist die Deutsche Vermögensberatung. Von Jutta Ochs

12.01.2010 00:01
Jutta Ochs
Deutsche Vermoegensberatung
Mehrere hundert Mitarbeiter sind in der Zentrale im Bahnhofsviertel beschäftigt. Foto: Alex Kraus

Diese Geschichte wird innerhalb und außerhalb des Unternehmens immer gerne erzählt. Da haben "Berater" dem Firmenchef und Gründer Reinfried Pohl dringend empfohlen, den Unternehmenssitz zu verlegen, nach Bad Vilbel, wegen des niedrigeren Gewerbesteuer-Hebesatzes. Da sei doch enorm zu sparen.

Der 81 Jahre alte Firmenchef ist in Frankfurts Nachbarstadt gefahren, hat über die Dächer geschaut und nachgedacht und dann entschieden: "Wir bleiben in Frankfurtes ist bei dir oben!" Denn dort und nirgendwo anders gehöre die Deutsche Vermögensberatung hin.

Es ist ja gut bekannt, dass an anderer Stelle Entscheidungen anders gefallen sind. Die Deutsche Börse wird bald ihren Umzug nach Eschborn abgeschlossen haben. Der bis dahin größte Gewerbesteuer-Zahler Frankfurts, der nach Schätzungen jährlich rund 200 Millionen Euro abführte, ist der Stadt verloren gegangen. Und das ausgerechnet noch zu Krisenzeiten. Die Deutsche Vermögensberatung aber bleibt und zahlt.

Etwa 30 Groß-Zahler gibt es in der Stadt, die annähernd die Hälfte der Frankfurter Gewerbesteuer-Einnahmen von derzeit etwas mehr als einer Milliarde aufbringen. Die großen 100 sind für rund 70 Prozent gut. Wegen des Steuergeheimnisses werden die Namen nie bekannt gegeben, lediglich Branchenentwicklungen werden dokumentiert. Und auch die Unternehmen selbst sind nicht gerade offensiv. Als sicher gilt, dass die Deutsche Bank, Fraport und der Industriepark Höchst unter den Top Ten rangieren, wenngleich sie in diesem Jahr mehr oder weniger Federn lassen mussten.

Auch die Frankfurter Volksbank wird unter den besten Zehn gehandelt. Herausgefallen ist die gleichsam staatlich subventionierte Commerzbank. Öffentlich eher weniger beachtet, aber schon seit Jahren unter den Großen ist die Deutsche Vermögensberatung AG mit Sitz in der Münchener Straße 1. Das vor 35 Jahren gegründete Unternehmen macht kein Hehl daraus, dass es 30 Millionen Euro Gewerbesteuer zahlt. Davon gehen noch ein paar Millionen nach Marburg, wo die DVAG Holding ihren Sitz hat. Platz 5 bis 6 auf der Frankfurter Rangliste nimmt das Unternehmen mit seinem Beitrag ein. Das spricht sich herum, ebenso wie die Hinweise, dass das Unternehmen wie kaum ein anderes nahezu unbeschadet durch das Finanzkrisenjahr 2009 gegangen ist. Nach dem Rekordjahr 2008 wird nun das "zweitbeste Jahr" in der Firmengeschichte erwartet.

Das Zuhause der Deutschen Vermögensberatung, die Zentrale, ist auf der Grenze von Bahnhofsviertel zum Bankenquartier. 200 Meter sind es zur Europäischen Zentralbank, 200 Meter zum Bordell. Als "brauner Ausbund an Schmucklosigkeit" wurde im Manager-Magazin das 70er-Jahre-Gebäude beschrieben. "Sachlich", sagen andere. Und das Innere mit viel Holz, Stichen, dicken Teppichen wirkt gediegen wie ein Privatbank-Kontor.

Öffentlich breiter in Erscheinung tritt die DVAG, weil Michael Schumacher den Namen auf seiner Mütze hat und der 1. FC Kaiserslautern auf dem Trikot. Ex-OB Walter Wallmann sitzt im Beirat, der ehemalige Frankfurter CDU-Vorsitzende und Ex-Wissenschaftsminister Udo Corts im Vorstand. Der Firmen-Senior ist ein erklärter Freund der CDU und des Altkanzlers Helmut Kohl. Das erklärt auch, warum dessen Name ganz oben auf der Liste der Beiräte auftaucht. Da steht auch Rolf E. Breuer, Ex-Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Mit Ex-Minister Karl Starzacher ist aber auch ein Sozialdemokrat vertreten.

Das alles erklärt aber nicht, was diese offenbar so krisenfeste Vermögensberatung mit den prominenten Beiräten genau tut. "Das Stichwort heißt Allfinanz", betont der Gründer, dessen beide Söhne Andreas und Reinfried die Nachfolge antreten werden; das ist bereits geklärt. Der Kunde wird von den Beratern der DVAG in allen Finanzangelegenheiten aus einer Hand, "aus einem Kopf", wie der Seniorchef sagt, beraten. Altersvorsorge, Kapitalanlage, Riesterrente, Lebensversicherungen aller Arten, aber auch die Versicherung fürs Auto, gegen Krankheit und alle weiteren Unbilden des Lebens. Mit festen Partnern, von Deutsche Bank über Aachen Münchner bis Advocat, wird abgeschlossen. Kritiker sagen, wer breit berät, der weiß nicht das Beste aus einer Sparte.

Im Wohnzimmer

"Drückermentalität" wurde wegen Beratungen im Wohnzimmer unterstellt. Befürworter sehen in einem maßgeschneiderten Konzept für die Familie eine gute, sinnvolle Lösung. Vor allem, da die Bankenberatung so kläglich versagt hat. Jedenfalls haben es sich die DVAG-Berater, die hauptsächlich auf persönliche Empfehlung arbeiten, offenbar nicht mit ihren meist langjährigen Kunden verscherzt, Risiko-Papiere seien noch nie im Angebot gewesen. Der Großteil der Kundschaft hat ein Monatseinkommen zwischen 1800 und 5500 Euro und spekuliert eher selten an der Börse.

Dass die Deutsche Vermögensberatung in Frankfurt bleiben will, belegen auch einige Investitionen ins braune Gebäude. Verbundenheit mit der Stadt hat der Chef insofern demonstriert, als er auch das dortige öffentliche Pflaster auf eigene Kosten mitsaniert und Fahrradständer installiert hat. So einer geht ja wohl nicht.

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