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Wirtschaft Dialyse und Pillen für die Welt

Die Gesundheitswirtschaft boomt in Hessen. Dies belegt eine neue Studie. 90.700 Hessen gehen in der Branche einem Erwerb nach.

Der Insulinhersteller Sanofi-Aventis Deutschland produziert in Frankfurt-Höchst. Foto: dpa

Merck, Sanofi, B. Braun: In Hessens Gesundheitswirtschaft gibt es viele große internationale Spieler. Fresenius, Lilly, CSL Behring – alles Hersteller von Produkten, die kranken Menschen helfen können. Mit Medikamenten, Medizintechnik, Forschung und Entwicklung lässt sich aber auch gut verdienen. In einer stark alternden Gesellschaft erst recht: In Hessen trägt die Gesundheitswirtschaft 4,4 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei.

Wie groß ihre ökonomische Bedeutung ist, ist jetzt schwarz auf weiß nachzulesen; in einer Studie, die Landespolitiker und andere Mitglieder der Initiative Gesundheitsindustrie Hessen (IGH) am Donnerstag in Wiesbaden vorstellten. „Mit einer Bruttowertschöpfung von zehn Milliarden Euro, als Arbeitgeber für 90 700 Menschen und einem Exportanteil von mehr als elf Milliarden Euro leistet die Gesundheitsindustrie einen überdurchschnittlichen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung unseres Landes“, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), Schirmherr der IGH. Und damit seien nicht nur Weltfirmen gemeint, sondern auch viele mittelständische und kleine Unternehmen. Die Forschung leistet ebenso einen großen Beitrag. Deshalb sind auch die Unis Frankfurt, Gießen und Marburg Mitglieder der vor vier Jahren gegründeten Initiative.

In Zeiten von Brexit und Co sei er froh über ein solch stabiles Standbein sein, sagte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Anders als etwa die Autoindustrie sei die Gesundheitsbranche „vergleichsweise konjunkturunabhängig“. Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) lobte die „stabilen Beschäftigungsverhältnisse“ und die große Reichweite: „Bei der Dialyse bestücken zwei hessische Unternehmen des Weltmarkt.“ Matthias Suermondt von Sanofi-Aventis Deutschland lobte die „guten Rahmenbedingungen“ – angefangen von Verkehrsinfrastruktur bis hin zu der Forschungslandschaft und dem Angebot an gut ausgebildeten Fachkräften.

Volker Weber, Landesbezirksleiter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie wies darauf hin, dass Medizinprodukte von knapp 10 000 Erwerbstätigen in kleinen und mittleren Unternehmen produziert werden. „Die industrielle Gesundheitswirtschaft weist seit dem Jahr 2004 konstante Erwerbstätigenzahlen auf und trägt zu einer Stabilisierung des Arbeitsmarkts im industriellen Sektor von Hessen bei.“

„Mit großen Worten und leeren Phrasen, die der Selbstdarstellung dienen, ist niemand geholfen“, kommentierte die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Daniela Sommer die Präsentation der Studie. Sie vermisse konkrete Vorstellungen, wie die Landesregierung den bedeutenden Wirtschaftssektor unterstützen kann.

„Es wurden Selbstverständlichkeiten und Lob der Anstrengungen von Unternehmen und Arbeitnehmern geäußert.“ Das reiche nicht aus, um die vielen qualifizierten Arbeitsplätzen zu sichern. Die Landtagsabgeordnete forderte mehr Anstrengungen in der Innovationsförderung.

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