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Windkraft in Hessen Protest gegen Windkraft-Ausbau wächst

Derzeit liegen dem Regierungsbezirk Südhessen rund 30 000 Einwendungen vor. Bürger mobilisieren gegen den Bau von Windrädern im Taunus. Hessen soll bis zum Jar 2050 die Energie zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen beziehen.

15.06.2014 18:08
Servicetechniker Andrè Sebesta arbeitet auf einer der neuen Windkraftanlagen. Foto: dpa

Bürger mobilisieren gegen den Bau von Windrädern auf dem Taunuskamm, auch die obersten Denkmalpfleger des Landes haben bei den ausgewiesenen Gebieten Bedenken angemeldet. Der Regierungsbezirk Südhessen sieht sich derzeit mit rund 30 000 Einwendungen bei der Umsetzung der Energiewende konfrontiert. Es gibt also kein Zweifel: Beim geplanten Ausbau der Windkraft stößt Hessens schwarz-grüne Regierung derzeitig vor Ort auf mächtigen Gegenwind.

Auf rund zwei Prozent der Landesfläche sollen sich künftig Windräder drehen, damit Hessen seine Energie bis zum Jahr 2050 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen beziehen kann. Die Windkraft soll dabei rund 63 Prozent des Stroms in Hessen erzeugen. Das war damals Konsens auf dem überparteilichen Energiegipfel, den CDU-Regierungschef Volker Bouffier im Jahr 2011 einberufen hat.

Doch bei der Umsetzung sind die regionalen Gremien von der Zielvorgabe teils noch weit entfernt. Im Ballungsraum Rhein-Main sind nur 0,9 Prozent der Fläche für Windkraft vorgesehen. Und landesweit sind die Pläne lange nicht unter Dach und Fach.

Ehrgeiziges Zwischenziel

Dabei hat sich die schwarz-grüne Koalition im Koalitionsvertrag ein ehrgeiziges Zwischenziel gesetzt. Der Anteil der erneuerbaren Energien soll in Hessen bis 2019 auf 25 Prozent des Stromverbrauchs verdoppelt werden. Hessen habe bei der Windkraft erheblichen Nachholbedarf, pflegt Grünen-Energieminister Tarek Al-Wazir stets zu betonen. Einige Gemeinden wie Ulrichstein im Vogelsberg verdienen inzwischen prächtig mit der Windkraft. Doch geklärt ist weiterhin nicht nur, wo genau die neuen Windräder gebaut werden. Auch deren Zahl ist offen. Wie viele gebraucht würden, könne derzeit nicht abgeschätzt werden, heißt es dazu vorsichtig im Energieministerium.

Das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik in Kassel (IWES) nennt dagegen Zahlen. Bis zum Jahr 2050 seien rund 3500 Windräder notwendig, sagt Abteilungsleiter Stefan Bofinger unter Verweis auf eine aktuelle Studie. Er geht dabei von 5 Megawatt-Anlagen mit jährlich 2500 Volllaststunden aus. Derzeit sind rund 1000 in Hessen in Betrieb, die aber oft nur Leistungskapazitäten zwischen zwei bis drei Megawatt haben.

Außerdem geht es in Hessen bisher nur um die Stromerzeugung aus Windkraft. Nicht berücksichtigt wurde bisher der Anteil der erneuerbaren Energien, der in die Wärmeerzeugung oder den Verkehr fließen könnte. „Wenn wir fossile Energien in allen Sektoren einsparen wollen, dann wird die Windenergie in den Binnenländern noch wichtiger werden“, prophezeit Bofinger.

Folgt man den IWES-Experten, kann Hessen also gar nicht genug Windkraft haben. Die SPD-Opposition wirft Schwarz-Grün vor, zu wenig für die neue Energieform zu tun. „Wir steuern sehenden Auges auf ein Verfehlen des Zwei-Prozent-Ziels zu“, sagt der energiepolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Timon Gremmels. Er schlägt vor, an Vorranggebiete für die Windenergie weniger rigide Maßstäbe anzulegen.

Dagegen hat sich die FDP nach dem Ausscheiden aus der Regierung von den Zielen des Energiegipfels verabschiedet und ist nun auf Linie mit den Windkraftgegnern. „Wir fordern die Rücknahme der Zwei-Prozent-Vorgabe und eine Rückkehr zu einer vernunftgeleiteten Energiepolitik“, so Abgeordneter René Rock.

Im emotionsgeladenen Streit um Windräder soll künftig vor Ort die Hessenagentur vermitteln. Für Mediationen hat das Energieministerium in diesem Jahr 1,1 Millionen Euro eingeplant. Ein Versuchsprojekt, an dem die Agentur bereits mitwirkte, sei „stark nachgefragt“ worden, teilte Al-Wazir vor kurzem dem SPD-Abgeordneten Gremmels auf eine Anfrage mit.

Hessen soll bis zum Jahr 2050 nur noch erneuerbare Energien nutzen. Das war Konsens des überparteilichen Energiegipfels im Jahr 2011. (dpa)

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