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Windkraft Der Rotmilan geht vor

Der Naturschutzbund warnt vor einem ungezügelten Ausbau der Windkraft - die Windräder gefährdeten Zugvögel.

Derzeit drehen sich in Hessen 600 Windräder. Foto: Rolf Oeser

Der Naturschutzbund Hessen (Nabu) warnt vor einem ungezügelten Ausbau der Windkraft. Vor allem Vogelschutzgebiete und die Zugkorridore, die von Kassel quer um den Vogelsberg herum ins Rhein-Main-Gebiet führten, müssten von Windrädern freigehalten werden. Dafür genüge es nicht, in den Regionalplänen Vorranggebiete für Windkraft festzulegen, sondern es müssten besonders wertvolle Areale als Ausschlussflächen gekennzeichnet werden. Diese sollten dann als Vorranggebiete für den Erhalt der Artenvielfalt und besonders bedrohter Arten wie dem Rotmilan gelten.

„Wir wollen den Ausbau der regenerativen Energien und auch der Windkraft“, sagt Landesvorsitzender Hartmut Mai. „Aber dafür gibt es nur dann eine breite Akzeptanz, wenn die Schäden möglichst gering gehalten werden.“ Es sei inzwischen zu einer gängigen Praxis vor allem in Nord-, Mittel- und Osthessen geworden, Windräder auch außerhalb von Vorranggebieten zu genehmigen. Dies schade dem Naturschutz erheblich.

Zwar sind gerade erst neue Regionalpläne in Kraft getreten, die Vorranggebiete für Windräder ausweisen. Außerhalb dieser Flächen dürfen grundsätzlich keine Windkraftanlagen errichtet werden. Doch seien Abweichungsverfahren vom Regionalplan etwa für Wolfhagen oder den Wald bei Bad Arolsen geplant, berichtet Maik Sommerhagel. Auch führe eine zu große Dichte von Windkraftanlagen wie etwa mancherorts im Vogelsbergkreis dazu, dass Vögeln oder Fledermäusen die Räume zum Ausweichen fehlten, sagt Karl-Heinz Zobich. Im Vogelsbergkreis stehen rund 175 Rotoren, mehr als in jedem anderen Kreis Hessens.

Zurzeit drehen sich in Hessen etwa 600 Windräder. Mai geht davon aus, dass sich deren Zahl bis 2020 verdoppeln bis verdreifachen muss, wenn bis dahin der Anteil der erneuerbaren Energien auf 20 Prozent steigen soll, wie von der Landesregierung als Planziel genannt. „Dafür“, so Mai, „ist grundsätzlich Platz in Hessen.“

In einem Positionspapier beschreibt der Nabu, welche Gebiete jedoch für Windkraft tabu sein sollen. Dazu zählen die Naturschutzgebiete, der Nationalpark Kellerwald-Edersee, Vogelschutzgebiete von weniger als 10 000 Hektar Fläche, die Zugkorridore, zu denen die großen Flusstäler zählen, besonders wertvolle Waldgebiete, der hessische Teil des Biosphärenreservats Rhön und das Waldeckische Upland.

Ein neuer Regionalplan für Südhessen und der Regionale Flächennutzungsplan für das Rhein-Main-Gebiet sollen im September beraten und im Dezember beschlossen werden. In Kraft treten sollen sie Mitte 2011. Dort allerdings ist die Windkraft zunächst ausgespart. Ursprünglich waren für Südhessen 100 Vorranggebiete für regenerative Energien vorgesehen. Nach langer Diskussion bleiben elf Flächen übrig – viel zu wenig, um den gesetzlichen Anforderungen an die Flächennutzungsplanung zu genügen.

Nun soll unter Federführung des Wirtschaftsministeriums ein regionales Energiekonzept aufgestellt werden. Dieses soll dann als Teil des Regionalplans gesondert beschlossen werden. Zurzeit arbeiten mehrere Planungsbüros an dem Konzept.

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