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Willemer Häuschen Auf den Spuren des Dichters

Die Zeichnungen, Gedichte und Erklärtafeln an den Wänden haben sie schon x-mal gelesen. Trotzdem ist Willemer Häuschen für viele Frankfurter Schlusspunkt des Osterspaziergangs. Von Georg Leppert

Idyllisch: Das Willemer Häuschen am Hühnerweg. Foto: Andreas Arnold

Das volle Programm also. Erhards absolvieren es Jahr für Jahr. Bei Wind und Unwetter. "Osterspaziergang muss sein", sagt Hans Erhard, während er mit seiner Frau unter dem Dachvorsprung des Willemer Häuschens in Sachsenhausen steht und darauf wartet, dass der gefühlte 153. Schauer dieses verregneten Sonntags ein Ende findet.

Begonnen hatten die Erhards ihren Ausflug am Vormittag im Goethehaus. Nicht dass sie in "Frankfurts schönstem Museum" (Hans Erhard) noch irgendetwas Neues entdecken könnten. Wer jedes Jahr an Ostern das Haus besucht und außerdem sämtliche Freunde und Verwandte aus anderen Städten dorthin führt, kennt jede Ecke in dem Gebäude. "Aber das Stadtgeläut gibt es doch auch jedes Jahr zu Weihnachten und zu Ostern, und es ist auch jedes Mal schön", sagt Hans Erhard. Wer will ihm da widersprechen?

Weiter ging der Osterspaziergang zur Gerbermühle, den Ort, den Goethe für den schönsten in Frankfurt hielt. "Also lustig sah es aus / Wo der Mayn vorüber floß", schrieb der Dichter über seinen Geburtstag am 28. August 1816, den er im Ausflugslokal feierte.

Das Gedicht hängt im Willemer Häuschen, dem Schlusspunkt des Osterspaziergangs von Herrn und Frau Erhard. Das zweistöckige Haus am Hühnerweg wird am Sonntag nach sechsmonatiger Winterpause wiedereröffnet. Einige Dutzend Gäste schauen sich in dem Gartenhaus um, in dem Goethe 1814 und 1815 zu Gast war und in dem er Marianne von Willemer traf, mit der er bis zu seinem Tod eng befreundet blieb.

Viel Neues entdecken die Erhards auch in dem turmartigen Gartenhaus nicht, das Johann Jakob Willemer 1809 erwarb, das im März 1944 zerbombt wurde und das die Stadt in den 60er Jahre wiederaufbauen ließ. Die Zeichnungen, Gedichte und Erklärtafeln an den Wänden haben sie schon x-mal gelesen. Vielen Frankfurtern geht es nicht anders. "Aber es ist einfach eine schöne Tradition, hier vorbeizukommen", sagt ein Besucher.

Erhards werfen noch ein paar Münzen in die Spendenbox für den Erhalt des Hauses. Dann hört der Regenschauer auf, die Sonne kommt raus, und der Garten, der einst den Willemers gehörte, sieht richtig frühlingshaft aus.

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