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Wildschweine in Hessen Frei zum Abschuss

Wegen der Afrikanischen Schweinepest streicht das hessische Umweltministerium die Schonzeit für Keiler und Bachen ohne Jungtiere. Viele Jäger sind irritiert.

Wildschweine
Schlechte Zeiten für Wildschweine. Foto: Carsten Rehder (dpa)

Das hessische Umweltministerium hat die Schonzeit für Keiler und Bachen ohne Jungtiere aufgehoben. Sie dürften nach dem 31. Januar weiter geschossen werden. Die Afrikanische Schweinepest breite sich aktuell in Tschechien und Polen aus, teilte das Ministerium als Begründung mit.

Hessens Jäger sind irritiert: Eine Pressemitteilung sei keine gesetzliche Grundlage, auch komme die Entscheidung sehr kurzfristig. „Wir haben nichts als die vage Ankündigung“, sagt Markus Stifter, Sprecher des Landesjagdverbands, der Frankfurter Rundschau. Und große Jagden müssten auch geplant werden. 

Fragen werfe zudem auf, dass das Land eine Prämie von 30 Euro in Aussicht stellt, wenn Proben von tot aufgefundenen Wildschweinen an das hessische Landeslabor geschickt werden.

„Wird das bereits jetzt in der Präventionsphase bezahlt oder erst im Seuchenfall?“, will Stifter wissen. Aus dem Ministerium heißt es, eine zeitnahe Schonzeitaufhebung „wird gerade rechtlich geprüft“. Und die Prämie könne gezahlt werden, sobald der Haushalt beschlossen ist, ergänzt Sprecherin Julia Stoye. 

„Die Jägerschaft ist im Falle eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen ein wichtiger Partner für die Behörden“, lässt Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) wissen. Deshalb werde es für sie Informationsveranstaltungen geben.

Die Grünröcke allerdings wollen mehr, sagt Stifter. Zum Beispiel eine gebührenfreie Trichinenuntersuchung von Frischlingen. Oder Abschussprämien für Wildschweine. „Wegen der Seuche ist die Nachfrage stark zurückgegangen.“ Dabei ist sie in Deutschland nicht nachgewiesen und stellt für den Menschen ohnehin keine Gefahr dar.

Wohl aber für die gut 660 000 Schweine, die sich auf rund 5800 Betriebe in Hessen verteilen. „Die Schweinehalter sind in großer Sorge“, sagt Bernd Weber, der Sprecher des Landesbauernverbands. Sollte das Virus über die deutsche Grenze gelangen, wären die wirtschaftlichen Schäden enorm. Die Hälfte des in Deutschland produzierten Schweinefleischs werde in Nicht-EU-Länder exportiert – allen voran China.

Würde die Pest bei einem einzigen Wildschwein in der Republik nachgewiesen, sei der Absatzmarkt für alle Bauern in der Bundesrepublik versperrt. Die Folge: „Die Preise würden erdrutschartig sinken.“ 
Wie der Sprecher des Bauernverbands betont, achten professionelle Schweinehalter schon seit Jahren penibel auf die Hygiene in ihren Ställen. Sorgen bereiten ihm eher die Hobbyzüchter, von denen nicht alle die Informationskanäle der Landwirte nutzen. Auch die will Hinz aufklären. Weber: „Es ist gut, dass sich die Ministerin darum kümmert.“ 

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