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Wilde Katzen Frankfurts unsichtbare Horde

Sie sind auf der Straße geboren, haben ihr ganzes Leben dort verbracht, kommen nur abends und nachts zum Vorschein: Zigtausend Katzen leben im Verborgenen der Mainmetropole.

Viele sogenannte Wildlinge leben auch in Frankfurt. Foto: dpa/dpaweb

Zwei- bis dreimal im Monat kommen „Menschen mit Herz“, wie Jürgen Speckmann vom Frankfurter Katzenschutzverein sie nennt, zu ihm und bringen eingefangene wilde Katzen mit. Meistens sind sie in Holz- oder Metallboxen gesperrt, denn sie haben Angst vor Menschen. Die Tiere sind scheu und nicht sozialisiert. „Wildlinge“ nennt Speckmann Katzen und Kater, die weder Halter, noch Heim haben. Sie sind auf der Straße geboren und haben ihr ganzes Leben dort verbracht.

Die Menschen mit Herz wollen die Tiere mit Hilfe des Katzenschutzvereins kastrieren lassen. Es ist einer der wenigen Momente, in denen die wilden Stadtkatzen Frankfurts mit Zweibeinern in Berührung kommen. Denn nur selten bauen sie Vertrauen auf. „Wenn sie Menschen sehen, rennen sie panisch weg“, weiß Speckmann.

Die Tiere führen eine Schattendasein. „Sie kommen nur abends und nachts raus.“ Es sei eine unsichtbare Horde, die wie Nomaden durch Frankfurt streiche. Sie hätten kein Herrchen, kein Frauchen, kein Heim. Die verwilderten Hauskatzen leben mal in Industriegebieten, mal in Kleingartenkolonien oder auf Friedhöfen. „Sie ziehen sich dorthin zurück, wo nicht so viel los ist“, erklärt Speckmann. Einen Überblick hat keiner. „Die Stadt ist zu groß, um Daten zu erfassen.“

Beim Katzenschutzverein herrscht Aufnahmestopp

Im Winter leben die Katzen meistens in Industriehallen und ernährend sich aus Mülltonnen. „Viele leiden“, sagt der Vorsitzende des Katzenschutzvereins. Nicht jedes Tier ist diesen Herausforderungen gewachsen. „Es überleben nicht alle, denn die Ernährung ist nicht gewährleistet.“ Punktuell gebe es zwar Futterstellen. Auch der Katzenschutzverein betreibt eine. Die Tiere lernten dann „aha, da kommt jeden Abend einer und bringt Whiskas“, weiß der Tierschützer. Das bringe eine gewisse Abhängigkeit mit sich, sei aber eine große Hilfe für die Vierbeiner.

Wenn Menschen mit Wildlingen zum Katzenschutzverein kommen, übernimmt dieser die Kosten für die Kastration. Zudem stellen Speckmann und sein Team Fanghilfen zur Verfügung, wenn Finder oder Fütterer anrufen, und um Hilfe bitten. Denn Ziel sei es, das Leid in Zukunft einzuschränken. „Das ist das A und O, um den Teufelskreis zu unterbrechen.“ Denn alle Wildlinge seien Nachkommen von freilaufenden Hauskatzen, die nicht kastriert worden seien.

Neben den wilden Stadtkatzen fordern auch ausgesetzte oder abgegebenen Vierbeiner die Tierschutzvereine. 175 Samtpfoten sind momentan im Katzenschutzverein untergekommen. Seit gestern ist Aufnahmestopp. Sogar aus Schlüchtern und Heidelberg seien trächtige Tiere oder Jungkatzen gebracht worden, berichtet Jürgen Speckmann. Die lehne man natürlich nicht ab, sonst „verrecken“ sie.

Die wilden Straßenkatzen allerdings sind immer nur vorrübergehend Gäste im Katzenschutzverein, denn sie können weder in einem Tierheim noch bei Menschen leben. „Sie einzusperren wäre Quälerei. Die werden verrückt und gehen die Wände hoch“, so Speckmann.

Den Wildlingen kann trotzdem geholfen werden, etwa durch regelmäßiges Füttern . Zudem ist wichtig, dass man schnell versuche die Tiere kastrieren zu lassen, um zumindest für die Zukunft das Elend der Frankfurter Straßenkatzen zu lindern.

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