Lade Inhalte...

Wiesbaden Was Erdbeerjoghurt mit Klimawandel zu tun hat

Die Ökonomin Anke Trischler erklärt im FR-Interview, wie sich Wirtschaft und Konsum verändern müssen.

Erdbeeren
Laut Anke Trischler muss niemand auf Erdbeerjoghurt verzichten. Erdbeeren könne man einmachen, Joghurt von einem regionalen Erzeuger kaufen und selbst mischen. Foto: Rolf Oeser

Anke Trischler will Unternehmer zum Umdenken bewegen. Sie sollen begreifen, dass natürliche Ressourcen endlich sind. Die Wirtschaftswissenschaftlerin und Unternehmerin hat mehr zu bieten als verkopfte Systemkritik und ökologischen Fundamentalismus, sie zeigt für die Allgemeinheit gangbare Wege auf.

Sie halten heute Abend in der Reihe „Wissenschaft findet Stadt“ den Vortrag „Transformation zur Nachhaltigkeit“. Wie soll diese Transformation der Wirtschaft vonstattengehen?
Auf jeden Fall nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. Es geht darum, vom konventionellen „business as usual“ und der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zur zukunftsfähigen Wirtschaftsweise zu kommen, denn unsere Ressourcen sind endlich. Zu meiner Arbeit gehört es, andere Unternehmer zu beraten, wie sie ihr Kerngeschäft umbilden können.
 
Die Problemlage ist nicht neu. Das hätten sie ja längst tun können. Stattdessen muss Deutschland auf der Weltklimakonferenz eingestehen, dass es die eigenen Klimaziele nicht erreicht.
Wir müssen mit kleinen Schritten den Einstieg finden. Sobald sich Menschen mit dem Thema beschäftigen, ist ein Samenkorn gelegt, und das setzt einen Prozess in Gang. Heute Abend werden Geschäftsführer und Firmeninhaber im Publikum sein und zuhören. Ich möchte ihnen ihre fragile Abhängigkeit von Ressourcen und der Verfügbarkeit der Ressourcen vor Augen führen, zum Beispiel vom Produktionsfaktor Boden: Wenn ein Land im Krieg ist, gibt es keinen Zugriff auf seine Ressourcen; wenn Boden überschwemmt ist, gibt es keinen Zugriff auf Raps, Palmöl, Getreide. Auch Boden ist endlich; wenn er erodiert, verbrennt und voller Landminen ist, kann nichts angebaut werden.

Wie können die hiesigen Unternehmen das ändern?
Es gilt, das Kerngeschäft strategisch neu auszurichten: Energie sparen, Abfall reduzieren, LED-Lampen und Recyclingpapier benutzen, die Fahrzeugflotte auf Hybridautos umstellen ... So viele Möglichkeiten. Ich bin selbst unternehmerisch tätig, engagiere mich ehrenamtlich in der IHK Wiesbaden. Wir alle müssen vieles überdenken, dabei vordenken und neu ausrichten.
 
Das alles mache ich seit Jahren, und nichts hat sich verändert.
Wir haben ein extrem träges System, weil dem Augenschein nach alles gut läuft, es gibt einen Parkplatz vor der Tür, man kann einkaufen, was man will. Aber das ist kurzsichtig und zu kurzfristig gedacht.
 
Die Erfahrungen mit der Autoindustrie haben gezeigt, dass Freiwilligkeit nicht funktioniert.
Freiwilligkeit ist Pillepalle. Wir brauchen Regulierungen. Wir haben ja seit diesem Jahr die Nachhaltigkeits-Berichtspflicht für Unternehmen ab 500 Mitarbeitern. Im März müssen sie erstmals vorlegen, was sie für die Nachhaltigkeit tun. Die großen Unternehmen arbeiten schon daran, aber die kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Liefer- und Wertschöpfungskette wissen noch nicht, was auf sie zukommt. Ich biete bei der Industrie- und Handelskammer Wiesbaden Beratungen zur nachhaltigen Ausrichtung an. Da gibt es noch Plätze, das wird noch nicht so nachgefragt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen