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Wiesbaden Kulturen kennenlernen

Zahlreiche Organisationen und Institutionen in Wiesbaden bieten Patenschaften mit Flüchtlingen an.

Partner wollen Neuankömmlinge willkommen heißen. Foto: Schick

Als im Oktober 2013 Hunderte Menschen bei Schiffsunglücken vor der italienischen Insel Lampedusa starben, erlebte das Willkommen-Projekt des Wiesbadener Flüchtlingsrats einen Wendepunkt. Seit 2011 bieten die ehrenamtlichen Helfer ein Tandem zwischen Wiesbadenern und Menschen mit Migrationshintergrund an. War es in den ersten Jahren schwierig, Teilnehmer zu finden – nach den Schiffsunglücken im Mittelmeer packte eine Welle der Solidarität auch die Wiesbadener. Immer mehr Partnerschafts-Projekte entstanden.

Maxi Brandmaier begleitet das Willkommen-Projekt des Flüchtlingsrats seit seinem Beginn. Die Idee entwickelt hatte Lisa Friedmann in ihrer Bachelorarbeit. Begeistert wurde sie im Flüchtlingsrat aufgenommen und umgesetzt, erzählt Brandmeier. Es gefiel, über ein solches Projekt, Menschen aus anderen Herkunftsländern die Teilhabe am Leben in Wiesbaden zu eröffnen, was oftmals schwierig sei. Es fehle das Geld, es gebe sprachliche Schwierigkeiten. Und nicht nur das.

Unterstützende Gespräche

„Viele haben uns erzählt, dass es schwierig sei, in Wiesbaden Menschen kennenzulernen. Es fehlen die Möglichkeiten“, sagt Brandmaier. Das Willkommen-Projekt sollte dies ändern. Darüberhinaus sollten sich durch dieses organisierte Kennenlernen auch Verständnis für den anderen, dessen Kultur und Lebenssituation entwickeln.

Petra Fabri-Richters aus Schierstein hat 2013 ein solches Tandem über den Flüchtlingsrat begonnen. Mit einem 24-jährigen Afghanen hat sich die heute 62-Jährige in regelmäßigen Abständen getroffen, in Cafés oder zum Wandern. „Wir haben über Gott und die Welt gesprochen, über die Kulturen, die Familien“, sagt sie. Und auch über Medizin. Da die Schiersteinerin Kinderärztin ist, der junge Mann in Kabul Medizin studiert hatte, hatten sich die Mitarbeiter des Flüchtlingsrats entschlossen, die beiden miteinander bekanntzumachen. „Wir schauen immer, wo es gleiche Interessen gibt“, sagt Maxi Brandmaier.

Sorgfältig werden die Partner ausgewählt, dann kommt es zu einem ersten Treffen gemeinsam mit den Mitarbeitern des Flüchtlingsrats, um zu schauen, ob es passt, wie Brandmaier sagt. Auf sechs Monate ist das Tandem angelegt. Während dieser Zeit gibt es immer wieder Zwischengespräche mit den Partnern und Mitarbeitern des Flüchtlingsrats. In diesen wird geschaut, was gut läuft und was nicht.

Bei Petra Fabri-Richters und ihrem Tandempartner passte es. „Wir hatten eine sehr schöne Zeit, ich habe sehr viel gelernt und würde es jederzeit wieder machen“, sagt die 62-Jährige, die derzeit in einer Wiesbadener Notunterkunft Kinder untersucht. Seit etwa einem Jahr hat sie keinen Kontakt mehr zu ihrem Tandempartner, was sie bedauert. Das sei sehr schade, sagt sie. Doch sie wisse, dass der junge Mann seinen Weg gehe. Er habe mittlerweile eine Ausbildung zum Krankenpfleger an einem Wiesbadener Krankenhaus begonnen, lebe in dem dortigen Schwesternwohnheim.

Mehr als 25 Tandems begleiten die Mitarbeiter des Flüchtlingsrats derzeit ehrenamtlich. Sie bieten Fortbildungen an, Gespräche. Die Warteliste auf beiden Seiten ist lang. Deshalb sind die Mitarbeiter auch über jedes neue Angebot, das in Wiesbaden entsteht, froh. Die Nachfrage sei groß, sagt Brandmaier.

Nach Kubis, Migramundi und Evim will nun auch das Evangelische Dekanat ein solches Tandemprojekt ins Leben rufen. Dort sollen nach dem Vorbild des Willkommens-Projekts des Flüchtlingsrats Menschen zusammengeführt und den Neuankömmlingen der Neustart in Wiesbaden erleichtert werden.

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