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Wiesbaden Jubel für die Biathlon-Stars

Mehr als 10.000 Zuschauer werden beim Sommer-Wintersport gezählt. Da spricht man am liebsten nach der Premiere schon von Tradition.

Wiesbaden hat sich für die nächste Runde im Sommer-Wintersport qualifiziert. Wenn Sportler, Publikum und Veranstalter sich so einig sind, dann ist der Schrei nach Wiederholung nicht zu überhören. Dann spricht man am liebsten nach der Premiere schon von Tradition. Ja, die Kurstadt kann auch laut sein am Spielfeldrand, über Stunden perfekt orchestriert vom Dirigenten am Mikrofon, der den Biathlon-Fans kaum eine Pause gönnt. Klatschen, Jubeln, Johlen, wenn die Kamera an der Haupttribüne vorbeifährt, bei jedem Treffer der deutschen Lieblinge ein gemeinsames „Hej“, bei jedem Fehlschuss ein trauriges „Ooh“. Der Haussender vom benachbarten Lerchenberg ist live dabei beim Sport-Spektakel des Sommers rund um den Kurpark, zeigt die Sportbegeisterung der Wiesbadener an diesem schönen Spätsommertag im ganzen Land.

Über so eine feine Werbung freut sich das Stadtmarketing. Stunden vor den Hauptrennen ist die Tribüne mit den bezahlten Plätzen auf der Wilhelmstraße rappelvoll. 3000 Menschen dicht an dicht, Stehparty im Sonnenschein mit Blick auf den Schießkäfig, der die freie Sicht aufs Casino verstellt. Über Stunden harren sie im Stehen auf dem Stahlrohr-Gestell aus, und wenn die Kamera kommt, „machen wir Attacke und zeigen, wie laut Wiesbaden sein kann“, sagt der Stadionsprecher. Also im Vergleich mit Ruhpolding und Oberhof etwa, Kultzentren der Winter-Variante des Biathlon.

Eine „willkommene Abwechslung“ nennen die Weltstars des Jagd-Zweikampfs das „Training unter Wettkampfbedingungen“ im Stadion-Interview. „Na ja“, sagt die Frau am frei zugänglichen Pistenrand hinter dem Staatstheater, die sich als Biathlon-Fan bekennt, „ist ja ganz nett, aber wirklich vergleichen kann man das nicht mit dem richtigen Biathlon.“ Da fahren sie auf schmalen Skiern im Schnee, hier auf langen Rollbrettern über Asphaltbänder, auf denen schon gefallenes Laub liegt. Geschossen wird auch im Sommer auf 50 Meter Entfernung. Ziemlich klein sind die Zielscheiben, deswegen wird das Schießen auf Leinwand im Großformat gezeigt. Auch hinter dem Zaun, der das Laufpublikum von den zahlenden Fans trennt, gibt es Stellen, wo man reinlugen kann. Und versteht, wann es „Hej“ und wann „Ooh“ heißen muss.

Freude über schöne Beine

Ein Orkan des Jubels fegt über die Wilhelmstraße und das Bowling-Green, als Denise Herrmann beim dritten Schießen des Damenrennens im Stehen alles abräumt und als Erste in die nächste Rollerrunde geht. „Die ham schon alle schöne Beine“, sinniert einer hinter dem Absperrgitter, der nur Rainer heißen will. „Des iss de Unnerschied, des kann mer im Winter net sehen.“ Auch ein Blickwinkel, ist ja alles hauptsächlich eine große Party. Mit Bier und Sekt-Bar, mit Pommes, Grillwurst und Zwei-Sterne-„VIP Toilette“ am Straßenrand. Ein paar Meter weiter ballern kleine Jungs mit „Laser Power-Gewehren“ stehend und liegend wie die Großen auf kleine Zielscheiben. Der Hessische Skiverband wirbt um Nachwuchs.

„Wiesbaden, wo sind die Hände?“ Die als Frage getarnte Aufforderung gehört zu den Lieblingssätzen des Moderators. Die Wiesbadener wissen, was sie ihm schuldig sind, und natürlich den Sportlern, die hier rollern und schießen, als würde es um olympisches Gold gehen. Vor allem aber sich selbst, damit es am Ende ein „geiles Event“ war, wie es Ralf Schmidt vom Arnd Peiffer-Fanclub aus dem thüringischen Ernstroda nennt. Peiffer wird leider nur Fünfter, Denise Herrmann ist am Ende 2,9 Sekunden zu langsam für den Sieg.

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