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Wiesbaden Drei Säulen für null Emissionen

Eswe setzt in Wiesbaden auf die Citybahn sowie Elektro- und Brennstoffzellenbusse. Das Unternehmen hat eine klare Vision für 2022.

Eswe will auf Busse umsteigen, die keine Schadstoffe in die Luft blasen. Foto: Michael Schick

Bis 2022 soll der Öffentliche Personennahverkehr emissionsfrei über die Straßen der Landeshauptstadt rollen – dieses Ziel hat sich die Eswe-Verkehr gesetzt. Ein sehr ambitioniertes Vorhaben, wie Pressesprecher Holger Elze im Gespräch mit der FR einräumt. „Aber das ist unsere Vision. Und man muss sich ehrgeizige Ziele setzen, weil man sonst womöglich gar nicht mit dem Tempo vorankommt, das wir anstreben.“

Auf drei Säulen fußt das Konzept der Verkehrsgesellschaft: Den längsten Atem werden die Verantwortlichen beim Thema Citybahn benötigen. Dass tatsächlich binnen fünf Jahren die Gleise für eine Straßenbahn gelegt sein könnten, die vom Mainzer zum Wiesbadener Hauptbahnhof führt, weiter bis zur Hochschule Rhein-Main fährt und womöglich auch noch den Taunus ansteuert, halten Fachleute der Mainzer Verkehrsgesellschaft für eine zu optimistische Rechnung.

Zwar setzte die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt mit der reinen Bauzeit von nur zwei Jahren für ihre mehr als neun Kilometer lange Doppelgleisstrecke ein beachtliches Zeichen. Doch aus dem vorbereitenden Prozess mit Planungen und Bürgerbeteiligung kam die Stadt ohne Klagen heraus. Ob die betroffenen Wiesbadener ein ähnliches Projekt auf ihren Straßen ähnlich positiv bewerten werden wie die mit den Vorzügen des Tramfahrens vertrauten Nachbarn, muss sich zeigen.

„Es ist viel zu früh, um über Details der zeitlichen Planung zu sprechen“, sagt Holger Elze. „Wenn wir diesen Punkt schon erreicht hätten, wäre es ja auch keine Vision mehr…“ Derzeit sei ein Konsortium renommierter Planungsbüros damit befasst, konkrete Dinge wie die sinnvollste Streckenführung auszuarbeiten. In einigen Wochen sollen erste Gespräche mit den Bürgern beginnen. „Dabei ist es unser Bestreben, von den Erfahrungen der Mainzer Kollegen zu lernen. Deshalb arbeiten wir eng zusammen und haben auch ihren Mainzelbahn-Projektleiter engagiert.“

Der Austausch erfolgt auch auf politischer Ebene. Nahezu täglich rede er mit seiner Kollegin Katrin Eder auf der linken Rheinseite, sagt Andreas Kowol (Grüne) – die Haltestellen der Mainzelbahn kennt der Wiesbadener Verkehrsdezernent nach seinen Probefahrten inzwischen besser als die meisten Mainzer.

Weitaus schneller dürfte die Eswe-Verkehr bei ihren anderen beiden Vorhaben ans Ziel gelangen: dem Umstieg auf

und zudem weniger Lärm verursachen. 2019 sollen die ersten Dieselbusse gegen batteriebetriebene Busse ausgetauscht werden, 2022 soll die gesamte alte Flotte ersetzt sein. Kein ganz billiges Unterfangen angesichts von derzeit 250 Dieselfahrzeugen, auch wenn der Bestand unter anderem wegen der Citybahn etwas reduziert werden könne. Die Kosten ließen sich heute noch nicht genau beziffern, sagt Elze. „Die hängen auch von der weiteren Entwicklung des Marktes ab. Aber grob geschätzt, wird der Preis eines Elektrobusses um 250 000 bis 300 000 Euro über dem eines Dieselbusses liegen.“

Dieses Geld wird die Eswe nicht alleine aufbringen müssen: Bei Bund und Land hat die Verkehrsgesellschaft bereits Förderanträge gestellt. „Die Verfahren laufen, wir können noch nicht sagen, wie hoch die Zuschüsse ausfallen werden.“

Die Reichweite einer aufgeladenen Batterie solle für jeweils einen Tag genügen, sagt der Eswe-Sprecher. „In der Praxis werden wir zwar abwarten müssen, inwieweit die Topografie sich auf die Reichweite auswirkt.“ Von Daimler-Benz liegt allerdings schon eine Zusage vor, einen speziell auf Wiesbadener Verhältnisse ausgelegten Prototypen zu liefern.

Letztlich könnte es so aussehen, dass die E-Busse vorwiegend auf den Innenstadtlinien eingesetzt werden und für die längeren Fahrten in die Stadtteile die Brennstoffzellenbusse infrage kommen – die dritte Säule des Konzeptes. In Kooperation mit Mainz und Frankfurt will Wiesbaden voraussichtlich im kommenden Jahr die ersten Busse dieser Art fahren lassen.

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