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Wiesbaden Demo für (fast) alle

3. UpdateZum zweiten Mal marschiert die „Demo für alle“ in Wiesbaden gegen den Lehrplan zur Sexualerziehung. Ein Bündnis für Toleranz gibt Kontra.

Zum zweiten Mal marschiert die sogenannte „Demo für alle“ durch Wiesbaden. Foto: Katja Thorwarth

Zum zweiten Mal marschiert die sogenannte „Demo für alle“ durch Wiesbaden, um gegen den Lehrplan zur Sexualerziehung zu protestieren. Die Teilnehmer stoßen sich am Begriff der Akzeptanz, den der Lehrplan für jedwede sexuelle Identität als vermittelswert erachtet. Toleranz sei hier ausreichend, wobei Toleranz die Annahme eines notwendigen Übels meint, während Akzeptanz ein gleichberechtigtes Nebeneinander gewährleistet.

Wie bei der letzten Demonstration am 30. Oktober vergangenen Jahres hatte das Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt zum Gegenprotest aufgerufen. Zahlreiche Gruppen waren beteiligt - neben Parteienvertretern von Die Linke, den Jusos, der Grünen Jugend, „Die Partei“ und den Piraten versammelten sich auch Antifa-Gruppen und Vertreter der LGBTI* Community vor dem Wiesbadener Hauptbahnhof. Insgesamt demonstrierten dort nach FR-Informationen rund 600 Menschen, die Polizei geht von einer etwas geringeren Teilnehmerzahl aus.

Friedlich und bunt verlief die Demo in der City zunächst. Die Stimmung kippte, als der Zug in die Rheinstraße bog und ein massives Polizeiaufgebot dafür sorgte, dass keiner zur „Demo für alle“ gelangte, die unweit ihre Kundgebung angemeldet hatte. Nach einem Spannungsmoment, der zu nicht unerheblichem Teil dem Auftreten der Polizei geschuldet war, ging es friedlich weiter.
Ein Redner wies darauf hin, dass die Veranstalterin Hedwig von Befervoerde mehre Einladungen zum Austausch ausgeschlagen habe und zu keiner Diskussion bereit sei.

Rechtsextreme mit dabei

In ihrer Begrüßung auf dem Luisenplatz vor rund 300 Leuten  (die Polizei spricht von 570) distanzierte sich Veranstalterin Hedwig von Beverfoerde zwar von jeglichem Extremismus. Unter den Zuhörern waren jedoch erneut Vertreter des rechtsextremen „3. Weges".

Die Vortragenden spulten die üblichen Phrasen von einer „gefährlichen Ideologie“ ab, bislang durften neben Mathias von Gersdorff, einer Lehrerin und einem „betroffenen“ fünffachen Vater Ludovine de La Rochere von „La Manif pour tous"  vor begeisterten Zuhörern sprechen. Letztere sprach homosexuellen Paaren jede Möglichkeit der Familiengründung ab und bezeichnete ihren Verein als das Sprachrohr einer „riesengroßen Mehrheit" (in Wiesbaden war diese nicht zu sehen). 

Angeblich habe jede Partei weltweit, die die Ehe für alle eingeführt habe, die Wahlen verloren.  Es gehe ausschließlich um die Kinderrechte, was für die Kleinen gut ist, entscheiden hier jedoch einzig die Eltern.

Als letzte Rednerin trat Birgit Kelle auf, bekannt durch ihre antiemanzipatorischen Thesen in verschiedenen Talk-Shows und Aktivistin der ersten Stunde. Groß angekündigt speiste sie ihre Anhänger mit schnell heruntergespulten Phrasen ab. Teufelszeug ist ihr die „Gender-Ideologie“, die nichts mit Gleichberechtigung zu tun habe, sondern eine Spielwiese sei für all jene, die sexuelle Vielfalt propagierten. „Wir haben Kinder, es ist unsere Verantwortung, was mit unseren Kindern passiert. Welche Werte ich meinen Kindern weiterreiche, geht den Staat nichts an“, um drohend zu schließen: “Wir sind gekommen, um zu bleiben“. Das war‘s schon von ihr, dafür hätte sie nicht aus Kempen anreisen müssen. 

Anschließend bewegte sich der Zug durch die City, „Weg mit Gender“ und „Rettet unsere Kinder“ rufend und mit dem Geleit eines großen Polizeiaufgebots. Und nicht ohne Protest von Seiten der Gegendemonstranten. Mittlerweile sind beide Veranstaltungen beendet. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Ehe für alle

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