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Wiesbaden Büsche wachsen aus den Mauerfugen

Stadt und Bund streiten darüber, wer für die Pflege des Schiersteiner Hafens zuständig ist. Aber die rechtliche Prüfung lässt auf sich warten.

Schiersteiner Hafen
Die Sport- und Freizeitboote schaukeln im Wasser. Der Schiersteiner Hafen ist ein kleines Idyll. Foto: Michael Schick

Spaziergänger flanieren am Ufer entlang und lecken ein erstes Eis. Ältere Leute sitzen auf den Bänken, um den Blick über das Hafenbecken zu genießen. Die an den Stegen befestigten Sportboote schaukeln im Wasser und geben ein schönes Bild ab. Vor allem an Wochenenden strömen viele Besucher dorthin und kehren in den umliegenden Gaststätten ein. Ortsvorsteher Urban Egert (SPD) ist froh, dass sich Pächter für die Lokale gefunden haben, nachdem dies im letzten Jahr noch offen gewesen war.

Keine Frage, der Schiersteiner Hafen ist ein kleines Idyll am Rande der Großstadt. Und die Ämter der Landeshauptstadt und der Runde Tisch Schiersteiner Hafen tun alles dafür, dass er noch idyllischer wird. Die Uferpromenade soll weitere 300 Meter in Richtung Schiersteiner Brücke verlängert werden, und Kunsthappenings und Gastro-Angebote sollen die Gäste erfreuen, berichtet Egert. Es wurden bereits zusätzliche Bänke und Mülleimer aufgestellt. Die Reinigung der Grünflächen und Wege ist nun auch geregelt. Aber nur auf den städtischen Flächen. Und das ist das Problem. Denn nur 16 Prozent der Hafenfläche und des Ufers sind im Besitz der Landeshauptstadt. Der Rest, also 84 Prozent, gehören der Bundesrepublik. Es sieht zwar auf den ersten Blick am Hafen recht manierlich aus. Allerdings liegen hie und da Kaffeebecher und Tüten an der Böschung, und eine Getränkedose treibt in Ufernähe.

Zudem wachsen Büsche aus den Fugen der Uferbefestigung. An einigen Stellen wurden sie einen Meter über dem Boden abgeschnitten, damit man noch aufs Wasser schauen kann. Es ist also eine Frage der Zeit, wann das Mauerwerk bröckelt. Nach Meinung der Stadt kümmert sich das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt, das als Bundesbehörde die Zuständigkeit für den Hafen hat, nicht um die Sauberkeit auf ihrem Eigentum. „Bislang ist zu wenig unternommen worden. Man verweist auf Bundesregelungen, wonach es nicht leistbar ist, diese Flächen zu pflegen. Also passiert hier nichts, das ist traurig“, sagt Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD). Deshalb prüfe die Stadt, wie sich die Angelegenheit auf dem Rechtswege klären lasse.

Amtsleiter gelassen

Bernhard Meßmer, Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts, sieht dem gelassen entgegen. Dass die Stadt dies prüfen lasse, sei seit zwei Jahren bekannt, sagt er. Aber noch liege das Ergebnis nicht vor. Seine Behörde sei nun mal für die Pflege des Verkehrswegs auf dem Wasser zuständig und unternehme nur, was der Schifffahrt diene. Die Müllbeseitigung am Ufer gehöre nicht zu ihrer Verantwortung. Auch Meßmers Vorgesetzte Claudia Thoma in Kiel lässt dazu nicht mehr ausrichten, als dass die Landeshauptstadt Wiesbaden und das Wasser- und Schifffahrtsamt „unterschiedliche Rechtsauffassungen hinsichtlich der Zuständigkeit für den Müll auf dem Ufergelände“ hätten.

Dies betreffe auch die Sanierung der belasteten Sedimente im Hafenbecken. Dort schlummern seit Jahrzehnten giftige Stoffe, die herauszuholen der Bund sich weigert. Sobald die von der Stadt Wiesbaden angekündigte rechtliche Begründung zur Pflege des Hafens vorliege, werde die Bundesbehörde ihrerseits diese prüfen, heißt es in dem Schreiben. Das hört sich an, als könne es noch lange dauern. Derweil kümmern sich die Inhaber der Bootsliegeplätze darum, dass die Böschungen einigermaßen reinlich aussehen. Dieter Dauster, der die Marina Schierstein betreibt, sagt, die Inhaber der Anlegestege würden das Unkraut rupfen und die Büsche schneiden, aber nur so, wie jeder es für nötig halte. Er kritisiert daher, dass es keine Vorgaben gebe, wie das Ufer auszusehen habe. „Es fehlt ein Plan von einem einheitlichen Bild der Uferanlagen“, sagt er.

Dauster begrüßt es, dass die Stadt es auf eine Klage ankommen lassen möchte, um die Zuständigkeit zu klären. Er rechnet damit, dass die Inhaber der Bootsstege als Mieter künftig stärker für die Pflege herangezogen werden. Was mit den restlichen bundeseigenen Flächen passiere, bleibe offen.

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