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Wiesbaden-Breckenheim Villa für Besucher geöffnet

Familie Kettenbach öffnet zum Tag des offenen Denkmals ihre sanierte und denkmalgeschützte Gründerzeitvilla in Breckenheim.

Ein Kleinod im Grünen. Foto: Volker Kettenbach

Mehrere Höllen haben Volker Kettenbach und seine Frau Jasmin in den vergangenen Monaten durchlebt. Die beiden sanieren für 350 000 Euro ihre denkmalgeschützte Gründerzeitvilla in Breckenheim. Teilweise zwölf Mann arbeiteten wochenlang gleichzeitig im Haus, immer den Druck im Nacken, rechtzeitig zum Tag des offenen Denkmals fertig zu werden. „Und das werden wir“, sagt Kettenbach.

Idyllisch liegt der schmucke Klinkerbau aus dem Jahr 1904 am Klingenbach, der leise vor sich hin plätschert. Ein Dorflehrer hatte das Haus einst bauen lassen – und sich dabei vom Solmsschlösschen an der Alwinenstraße inspirieren lassen. „Die Häuser sehen sich ziemlich ähnlich, das Solmsschlösschen ist jedoch um einiges größer.“

Kettenbach weiß viel über die Villa zu erzählen, die sich seit 1928 im Besitz der Familie seiner Frau befindet. Sie selbst hatte einige Zeit darin gewohnt, bis die Gastherme kaputt ging. „Im selben Jahr haben wir uns kennengelernt und die Dinge nahmen ihren Lauf“, sagt Kettenbach und grinst. Als die Handwerker kamen, hatten sie keine guten Neuigkeiten im Gepäck. Ersatzteile gab es nicht. Und so hieß es: „Wenn wir schon die Therme erneuern, dann können wir auch gleich das und das und das neu machen. Und so kam es dann auch.“

Das Ochsenblut wurde von den Dielen abgeschliffen

Das Gebäude wurde in Rohbauzustand zurückversetzt, das Ochsenblut von den Dielen abgeschliffen, Türen und Fenster überarbeitet. Großen Wert legten die Bauherren darauf, dass viele Teile wie Türklinken und Blechschabracken, erhalten blieben. „Die stammen noch aus dem Jahr 1904. Wir haben sie überarbeitet“, sagt Kettenbach und weist auf die Schabracken oberhalb der Fenster. Das sei eine Höllen-Arbeit gewesen: „Sie mussten mehrfach abgebeizt, gedengelt werden. Löcher wurden zugelötet und alles mit Salzsäure bearbeitet. Das war wirklich ätzend.“

Besonders an den Sanierungsarbeiten ist die Form der Dämmung, die das Ehepaar gewählt hat. „Auf den Stein kam eine Schilfplatte, darauf eine Lehmschicht, darauf eine Weichholzfaserplatte, darauf dann die Wandheizung und darauf wieder eine dicke Lehmschicht.“

So einfach sich das anhört – die Arbeiter haben bis zum Umfallen malocht. „Wir haben eine Schlammschlacht veranstaltet, als wir den Lehm mit Pressluft durch einen Schlauch mit vollem Karacho an die Wand geworfen haben“, sagt Kettenbach. Durch den Wasserdampf seien die Temperaturen locker auf 50 Grad geklettert. Dazu der Schmutz. So stelle er sich die Hölle vor.

Harte Arbeit hin oder her – das Endergebnis kann sich sehen lassen und auf die Heizung in der Wand ist Kettenbach besonders stolz. „Sie kommt mit einer Wassertemperatur von 35 bis 40 Grad aus und hat den tollen Nebeneffekt, dass sie den Lehm und das Holz trocken hält. So gibt es keine feuchten Stellen, womit Fachwerkhäuser sonst oft zu kämpfen haben.“ Der Strom für die Wärmepumpe, die das Wasser erhitzt, komme vom Nachbardach: „Weil die Villa denkmalgeschützt ist, durften wir keine Photovoltaikanlage bauen. Die haben wir auf das andere Haus montiert.“
So natürlich die Materialien sind, die zur Sanierung des Hauses verwendet wurden, beispielsweise Hanf für die Dämmung des Daches – auf Hightech wurde nicht verzichtet. So wurde beispielsweise Smart-Home-Technik installiert. Leuchten, Heizung, Taster und Geräte sind miteinander vernetzt, so dass sie bequem mit einer Taste oder dem Smartphone gesteuert werden können.

Die Ideen zur Sanierung des Hauses stammen von Kettenbach selbst. Er habe sie durch Gespräche mit Experten, den Denkmalschutzbehörden und das Lesen von Fachliteratur zusammengetragen. Der 38-Jährige ist Wirtschaftsinformatiker und hat eigentlich mit dem Bauen von Häusern nichts zu tun. Noch einmal eine solche Menge Arbeit aufhalsen will er sich nicht. Obwohl es spannend gewesen sei, über die Historie des Hauses zu forschen und zu entdecken, dass der Lehrer beispielsweise nur die Frontseite des Hauses aufwendig gestaltet habe, mit den Schabracken und Rollläden. „Die fehlen an der Hinterseite. Und auch das obere Geschoss war einfacher ausgestattet als das untere. Das glich eher der Beletage.“

Einziehen in das Haus, wenn es fertig saniert ist, werden Kettenbachs vorerst nicht. Die beiden Wohnungen sollen als sogenanntes Boardinghouse vermietet werden, „an Arbeiter zum Beispiel, die länger in der Region bleiben. Wir sind eher Stadtmenschen.“

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