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Wetterau Der Wanderlandrat

Joachim Arnold will für seine Heimat werben und den Blick für schöne Ecken schärfen. Das macht er am liebsten bei Wanderungen. Dutzende schließen sich ihm an.

Schon als Schüler wanderte Arnold gerne zur Münzenburg.

Das Wandern ist nicht nur des Müllers Lust, sondern auch des Landrats. Joachim Arnold (SPD) lädt seit 2009 Menschen zu seinen Touren durch die Wetterau ein. Die Ausflüge helfen ihm dabei, bodenständig zu bleiben und ungezwungen ins Gespräch zu kommen, sagt er. Morgen steht die erste Etappe 2017 an.

Als ich erstmals gehört habe, dass Sie die Wetterau gemeinsam mit anderen gerne wandernd erkunden, musste ich an den früheren Bundespräsidenten Karl Carstens denken, der als „Wanderpräsident“ in die Geschichte einging. Hat Sie Carstens inspiriert?
Karl Carstens hat mich als junger Mensch damit beeindruckt, dass er das Wandern als eine Form etabliert hat, sich mit den Menschen und der Landschaft, in der man lebt, verbunden zu fühlen. Damals galt meine Begeisterung allerdings vor allem dem Handball, das war Familientradition.

Jetzt ist es das Wandern?
Wenn Sie hauptberuflich in der Politik aktiv sind, haben Sie keinen regelmäßigen Lebenswandel mehr. Sie sind von Terminen abhängig, die andere bestimmen. Es wäre mir deshalb nur schwer möglich, weitere Verpflichtungen in einer Mannschaft oder einem Verein einzugehen. Ich muss mir deshalb eine andere Beschäftigung suchen. Wandern kann man fast überall und jederzeit.

Sie tun das gerne in Ihrer Heimat. Wollen Sie mit dem Wandern ihre Heimatverbundenheit ausdrücken?
Ja, für mich ist Heimat der Ort, an dem ich mich wohlfühle und der maßgeblich zu meiner Identität beigetragen hat. In der Grundschule hatten wir noch das Fach Heimatkunde und sind regelmäßig von Wölfersheim nach Münzenberg auf die Burg gewandert. Das hat mir schon damals sehr gut gefallen und mich geprägt. Ich will den Blick der Menschen wieder dafür schärfen, welche Schönheiten und welches Kulturgut vor der eigenen Haustür liegen.

Ist für Sie das Wandern auch eine Art sich bürgernah zu geben?
Ich komme mit Menschen dabei auf eine Weise zusammen, die ich im normalen Berufsalltag so nicht erlebe. Welcher Bürger kommt schon ins Landratsamt und sucht das Gespräch? Vielen ist es zu lästig, einen Brief zu schreiben oder einen Termin zu vereinbaren. Viele Bürger wollen etwas loswerden, und die Wanderungen sind dafür eine gute Gelegenheit. Für mich sind sie auch eine Möglichkeit, mich zu erden. Das ist mir sehr wichtig.

Manche wollen beim Wandern die Natur genießen und möglichst wenig sprechen. Bei Ihnen hat sich schon eine regelrechte Fangemeinde gebildet, die mitwandert. Wie können sie da abschalten und entspannen?
Bei meinen Wanderungen steht die soziale Komponente im Vordergrund, das Gespräch. In der Regel nehmen 40 bis 70 Personen teil. Zudem geht es darum, Wissen über die Heimat zu vermitteln. Die Wanderungen haben ein bestimmtes Thema, sei es aus der Geologie, Geschichte, Religion oder dem Naturschutz. Wenn ich privat wandere, gehe ich entweder in kleineren Gruppen oder alleine. Dann kann ich schon den Kopf freibekommen.

Anders als bei dem Spaziergang, den Sie mit der CDU-Kreisvorsitzenden Lucia Puttrich unternommen haben, bevor es im Sommer 2016 zur großen Koalition im Kreis kam ...
Ja, es war die Idee von Frau Puttrich, spazieren zu gehen, um eine mögliche Zusammenarbeit auszuloten. Wir waren in Nidda-Harb unterwegs, etwa anderthalb Stunden. Bekanntlich wurden die Verhandlungen, die danach stattfanden, ausgesetzt und es war lange Zeit nicht klar, ob CDU und SPD überhaupt zusammenfinden würden. Der Grundstock dafür wurde beim Spaziergang mit der Ministerin jedenfalls nicht gelegt. Dennoch ist es gelegentlich gut, mit Menschen einmal in einer anderen Umgebung zu sprechen. In der freien Natur wird offener kommuniziert als am Arbeitsplatz oder in Sitzungen.

Welche Ecken zum Wandern in der Wetterau können Sie besonders empfehlen?
Ich finde Strecken gut, die verschiedene Landschaftselemente miteinander verbinden. Einer meiner Lieblingsplätze ist die Burg von Unter-Widdersheim an der Horloff am Rande der Wetterau. Da haben sie die Horloffaue vor sich liegen. Es ist paradiesisch, dorthin zu gehen. Beim Naturschutz geht kein Weg am Bingenheimer Ried in Echzell vorbei. Ortenberg und Büdingen haben wunderbare geologische Formationen. Ich finde, es kommt stets auf die persönliche Stimmung an. In der Wetterau können auch Menschen wandern, die kein großes Leistungsvermögen haben.

Was wird die nächste größere Wanderung sein, die Sie privat unternehmen?
Ende Juli geht es nach Schottland. Der 154 Kilometer lange West-Highland-Way steht auf dem Programm. Zu siebt werden wir in den dünn besiedelten Highlands jeden Tag 20 bis 30 Kilometer zu Fuß zurücklegen.

Interview: Andreas Groth

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