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Wetter in Hessen Frostwetter setzt Spargel und Erdbeeren zu

Grüne Soße gehört für viele in Frankfurt zum Osterfest. Doch die Kräuter wachsen wegen des Wintereinbruchs zurzeit nur in Gewächshäusern und dort nicht mal gut. Auch der Spargel dürfte teuer werden.

Winterwetter
Wer momentan im Stadtwald spazieren gehen will, tut gut daran, sich sehr warm einzupacken. Foto: Christoph Boeckheler

Rainer Schecker kann sich nur noch mit Hilfe von Superlativen angemessen ausdrücken. „Katastrophe“, schimpft der Inhaber der traditionsreichen Gärtnerei Schecker in Oberrad. „Riesenkatastrophe, Super-GAU.“ Der kalte März verdirbt Schecker deutlich hörbar die Freude am Kräuteranbau für die Frankfurter Grüne Soße. „An einen so schlechten Start ins Jahr kann ich mich gar nicht erinnern“, klagt er. „Das hatten wir noch nie.“

Wie andere Landwirte auch leidet Schecker dieser Tage besonders darunter, dass der Frühling zwar kalendarisch betrachtet schon begonnen hat, das Wetter mit Frost, Schnee und scharfem Wind aber noch recht winterlich ist. Für Schecker heißt das: Die Kräuter für die Grüne Soße wachsen derzeit nur in Gewächshäusern, die noch dazu intensiv und teuer beheizt werden müssen. Und selbst in den Gewächshäusern gebe es Frostschäden. „Im Freiland wächst gar nichts“, sagt Schecker. Er werde die sieben Kräuter für die Grüne Soße für seine Abnehmer zusammenbekommen, „aber bei vielen Kollegen ist wirklich Land unter“.

Für die Kunden heiße der kalte Start ins Frühjahr vor allem, dass die Kräuter vermutlich verspätet auf den Markt kämen und auch etwas teurer würden, sagt Schecker. „Wenn wir nach Ostern schneiden können, sind wir froh. Und wir haben keine Mengen.“ Für ihn selbst bedeute die schlechte Ausbeute auf seinen Feldern vor allem, dass er mit finanziellen Einbußen leben müsse.

Verspätete Aussaat

Nicht nur die Gärtner in Oberrad stöhnen über die Kälte. „Im letzten Jahr war es im März schon regelrecht sommerlich, da war das Sommergetreide, etwa die Braugerste, um diese Zeit schon gesät“, sagt Bernd Weber, Sprecher des Hessischen Bauernverbandes. „Da ist im Moment nicht dran zu denken.“ Die kalten, nassen Böden stellten für alle hessischen Landwirte ein Problem dar, denn je früher im Jahr man säen könne, umso besser sei der Ertrag. Insofern hofften die Bauern, „dass es wärmer wird und die Felder abtrocknen, damit man mit der Bodenbearbeitung anfangen kann“, so Weber. „Da muss man jetzt noch Geduld haben, das Wetter ist eben, wie es ist.“

Während der Frühling in diesem Jahr zu kalt und zu nass sei, habe es im vergangenen Jahr im Winter viel zu wenig geregnet, so Weber. „Wir kommen von einem Extrem ins andere.“ Für die Spargelernte heiße das in dieser Saison, dass der Spargel aus dem Gewächshaus wohl teurer werde und der normale Spargel „in diesem Jahr etwas später auf den Teller kommt“. Auch um die Erdbeeren mache er sich Sorgen, so Weber. Aber vielleicht bessere das Wetter sich ja bald. „Es kann ja schnell eine warme Phase kommen, dann explodiert alles. Da kann die Natur auch sehr schnell einiges nachholen.“

Sorge um die Erdbeerernte

Dass der Frühlingsanfang in diesem Jahr nicht nur gefühlt, sondern tatsächlich ungewöhnlich kalt ist, bestätigt Thore Hansen vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. „Das kommt aber alle paar Jahre mal vor“, sagt Hansen. Zuletzt habe es 2013 einen derart frostigen März und Frühlingsanfang gegeben. Ein Jahr später, 2014, sei der März mit bis zu 20 Grad dagegen ein warmer Monat gewesen. „Die Bandbreite in diesen Frühlingsmonaten ist einfach sehr groß, je nachdem, ob eher Kaltluft aus dem Osten oder wärmere Luft aus dem Südwesten zu uns kommt“, so Hansen.

In den kommenden Tagen werde es auch noch kalt bleiben, sagt Hansen voraus. Am Donnerstag und Freitag könne es noch Schnee oder Schneeregen geben, nachts rutschten die Temperaturen weiter unter den Gefrierpunkt. Erst zum Wochenende werde es dann spürbar milder: Tagsüber klettere das Thermometer auf bis zu zwölf Grad, aber das Wetter bleibe insgesamt weiter bedeckt und regnerisch.

Dass der Frühling bald anbricht, hofft unterdessen auch eine Mitarbeiterin von Spargelbauer Peter Lipp aus Weiterstadt. Eigentlich beginne man um diese Zeit mit den Vorbereitungen für die Erntesaison, sagt sie. „Aber dadurch, dass es so kalt ist, verlängert sich das Warten.“ Bisher habe man nur etwas Spargel ernten können, der unter Folien wachse. Besonders sorge man sich um die Erdbeeren, die unter den Folienbahnen zum Teil schon blühten. „Wir haben Angst, dass die Blüten erfrieren.“ Letztlich gehe es den Spargelbauern derzeit wie allen Menschen: „Wir hoffen auf ein paar Sonnenstrahlen.“  

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