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Wetter Frostschutz für Erdbeeren

Bauern beregnen ihre Pflanzen zum Schutz vor der Eiseskälte. Wie viel der Ernte dadurch gerettet werden kann, muss sich aber noch zeigen.

21.04.2017 08:58
Frostschutzberegnung
Auf den Feldern bei Weiterstadt wurden Erdbeerblüten mit Frostschutzberegnung vor der Kälte geschützt. Foto: Lipp

Mittwoch, 23 Uhr: Die Mitarbeiter von Bauer Lipp müssen raus auf die Erdbeerfelder und die Pflanzen auf 30 Hektar mit Wasser besprenkeln. Es werden Temperaturen von minus vier Grad am Boden gemessen. Viel zu kalt für die zarten weißen Blüten, die seit einigen Tagen aufgehen. „Das Wasser legt sich wie ein Mantel um die Blüte und zieht den Frost heraus“, erklärt eine Mitarbeiterin des Weiterstädter Landwirts. Wie viel der Ernte durch die Frostschutzberegnung gerettet werden konnte, müsse sich noch zeigen; teilweise sei nicht genug Wasser für alle Pflanzen dagewesen.

Auch Kartoffeln wurden beregnet, um sie zu schützen. Trotzdem erwartet der Vorsitzende des Regionalbauernverbands Starkenburg, Willi Billau, einen Ernteausfall von 25 Prozent. Außerdem werde es zu Verspätungen und Unregelmäßigkeiten bei der Ernte kommen. Zum Glück trieben sie noch einmal aus.

Nicht nur Erdbeeren und Kartoffeln, auch dem Spargel in der Region setzte die Kälte zu. „Wir haben große Schäden“, sagt Peter Lipp, der ihn auf 145 Hektar anbaut: „Alle Spargel, die schon die Köpfe herausgestreckt hatten, sind letzte Nacht erfroren.“ Vor allem der grüne Spargel sei stark betroffen, sagt Billau. Der werde in der nächsten Woche knapp.

Am schlimmsten hat es laut Bauernverband den Wein getroffen. In Eltville am Rhein hätten in der Nacht die Winzer Feuer in den Weinbergen entzündet. 40 bis 50 Brennöfen habe man aufgestellt. Das Wetter sei extrem gewesen: Durch die ungewöhnliche Wärme sei es früher zur Blüte gekommen – und dann eine solche Kaltfront. Außerdem sei der Boden zu trocken, sagt Billau, und könne dadurch weniger Wärme speichern.

Feuer in den Weinbergen entzündet

„So kalt ist es selten im April“, sagt Lipp. Wie sehr dies insgesamt der Ernte geschadet hat, werde man erst später sehen. Für die kommenden Tage sei die Versorgung mit weißem Spargel nicht gefährdet. Die Eröffnung des Weiterstädter Spargel- & Grillfestivals am Samstag ab 17 Uhr kann also steigen.

Ob der Frost auch die Früchte im Kirschenanbaugebiet in Wiesbaden-Frauenstein geschädigt hat, bleibt abzuwarten. „Das sieht man erst nach drei bis vier Tagen“, sagt Stefan Arnsteiner vom Hof Rosenköppel. Den Aprikosen sehe man erst nach einer Woche an, ob die Früchte noch gedeihen. Mit großflächigen Ernteausfällen rechnet er jedoch nicht. Da die Kirschenhaine am Hang liegen, fließe die Kälte nach unten ab. Deshalb litten die Tallagen eher unter Minustemperaturen als die Höhen und auch die Pflanzen am Boden eher als die Bäume. Geringe Temperaturunterschiede könnten schon über Gedeih oder Verderb entscheiden. So sieht das auch Sascha Gutsmüthl vom gleichnamigen Obstanbaubetrieb in Frauenstein und hofft, mit einem blauen Auge davonzukommen. Allerdings baut er auch Erdbeeren an und hat Sorge, dass es sie erwischt haben könnte.

Über Schäden in der Landwirtschaft aufgrund der niedrigen Temperaturen war beim Landesbauernverband in Friedrichsdorf am Donnerstag noch nichts bekannt. „Wenn es so weitergeht, dann könnte sich die Kälte in manchen Bereichen auswirken“, sagte Sprecher Bernd Weber und nannte als Beispiele Äpfel und Zuckerrüben. Das müssten die kommenden Wochen zeigen. Alles in allem müsse man wegen des aktuellen Temperatursturzes aber nicht in Panik verfallen. Problematischer seien da schon die geringen Wasserreserven im Boden. Da es in den vergangenen Monaten wenig geregnet hat, warteten die Landwirte dringend auf Niederschläge, sagte Weber.

Auch Apfelweinkeltermeister Jörg Stier bereitet der seltene Regen mehr Sorgen als die Kälte. Bei einem Kontrollgang über die Maintaler Streuobstwiesen, wo er anbaut, hat Stier keine größeren Frostschäden festgestellt. Das liegt auch daran, dass es dort wegen der Hanglage und der Nähe zum Main immer ein paar Grad wärmer ist als andernorts. Mögliche Ausfälle werden allein schon dadurch begrenzt, dass die Apfelsorten zu unterschiedlichen Zeitpunkten blühen. Laut Vorhersage werden die Temperaturen steigen, Stier hofft zudem auf mehr Niederschlag: „So einen trockenen Frühling wie jetzt haben wir noch nicht erlebt“, sagt Stier. „Ein Glück, dass es an Ostern geregnet hat.“ (cka/mre/gha/dpa)

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