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Werbung in Schulen Kein Lernen im Rewe-Markt

Bei der Aktion von Umweltministerium und Rewe würden Kinder für Marketingzwecke benutzt, monieren Kritiker. Mittlerweile hat das Ministerium das Projekt gestoppt.

Einkaufswagen von Rewe
Werbung ist bei der Supermarktkette Rewe omnipräsent. Foto: rtr

Das hessische Umweltministerium wirbt bei Grundschulen und Kindergärten darum, sich an der Aktion „Sauberhafte Rallye“ zu beteiligen. Schon am 27. Juni soll die nächste Runde starten. Dabei besuchen die Jungen und Mädchen während der Betreuungs- oder Unterrichtszeiten gruppen- und klassenweise einen Rewe-Einkaufsmarkt. Dort erklären ihnen Rewe-Mitarbeiter an verschiedenen Stationen, wie man Abfall vermeidet.

Zum Abschied erhalten die Kinder einen Jutebeutel mit Monstermotiv, etwas Verpflegung sowie einen Magneten, mit dem sie ihre Einkaufszettel zu Hause an den Kühlschrank heften können. Mitunter werden im Markt auch Tische und Bänke aufgestellt, an denen die gerade erhaltenen Speisen und Getränke sogleich verzehrt werden können. Allgegenwärtig dabei: das Rewe-Logo.

Kritiker sehen darin eine unerlaubte Werbeveranstaltung und fordern den Stopp der Aktion. „Ziel der Kampagne ist offensichtlich die Produkt- und Markenwerbung“, monieren der Landeselternbeirat und die Landesschülervertretung in einer gemeinsamen, am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme.

Es sei ohne Frage sinnvoll, Kinder, Schülerinnen und Schüler für Nachhaltigkeit, Ressourcen- und Umweltschonung zu sensibilisieren, heißt es in dem Schreiben. Hier aber würden Kinder während der Betreuungs- oder Unterrichtszeit für eine Marketingmaßnahme instrumentalisiert. Eltern- und Schülervertretung fordern das Kultusministerium auf, die Aktion zu unterbinden.

Bereits Anfang Juni hatte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in einem Schreiben an Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) gefordert, die „Sauberhafte Rallye“ zu stoppen und dafür zu sorgen, dass sie auch nächstes Jahr nicht fortgeführt wird. Denn die Aktion falle unter das Werbeverbot, wie es im gerade erst novellierten Schulgesetz beschlossen wurde. Dort heißt es: „Schulen dürfen zur Erfüllung ihrer Aufgaben Zuwendungen von Dritten entgegennehmen [...], wenn die damit verbundene Werbewirkung begrenzt und überschaubar ist [...].“

Der GEW-Kreisverband Wiesbaden-Rheingau hatte am 13. Juni beim Staatlichen Schulamt für den Rheingau-Taunus-Kreis angefragt, ob es Schulen angesichts des Werbeverbots erlaubt sei, sich an der Aktion zu beteiligen. Darüber hinaus wollten die Mitglieder des Kreisverbands wissen, wie viele Schulen an der Aktion teilnehmen wollen oder bereits einmal beteiligt haben.

Weder auf die Anfrage beim Schulamt noch zu der Forderung an das Kultusministerium erhielten die Gewerkschafter bis jetzt eine Antwort.

Aufgrund der personellen Situation könnten die Fragen der GEW erst nach den Sommerferien beantwortet werden, heißt es aus dem Schulamt. Vom Ministerium gab es keinerlei Reaktion.

Die „Sauberhafte Rallye“ ist Teil von „Sauberhaftes Hessen“, der Umweltkampagne der hessischen Landesregierung. Getragen wird diese Kampagne von einem Förderverein. Mitglieder dort sind mehrere Städte, kommunale Dienstleistungsunternehmen sowie Firmen aus der Entsorgungsbranche. Unterstützt wird der Verein außer von Rewe noch von der Sparkassengruppe Hessen-Thüringen.

Anprechpartner für die Umweltkampagne ist das Umweltministerium. Auch von dort hat die GEW auf ihre Anfragen noch keine Antwort erhalten. Wie René Scheppler vom Kreisverband Wiesbaden-Rheingau mitteilt, war eine Stellungnahme für vergangenen Freitag zugesagt. Nun solle die GEW Ende der Woche eine Antwort erhalten. Auch Anfragen der Frankfurter Rundschau vom 12. Juni sowohl an das Umwelt- als auch das Kultusministerium, wie es mit der „Sauberhaften Rallye“ weitergehen solle, blieben bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Wie die Hessenschau am Abend berichtete, soll das hessische Umnweltministerium mittlerweile die Aktion gestoppt haben. Damit beuge sich das Ministerium der anhaltenden Kritik von Landeselternbeirat und Landesschülervertretung, so ein Sprecher.

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