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Wels in Offenbach Der Problem-Wels und die Presse

Der berühmte Offenbacher Wels wird am Wochenende umgesiedelt – ohne die FR. Wohin der Riesenfisch gebracht wird, verrät die Stadt nicht.

Riesenwels bleibt auf Tauchstation
Der Offenbacher Problem-Wels hat bislang im Weiher des Dreieichparks gelebt. Weol er mehrere Entenküken gefressen haben soll, soll er umgesiedelt werden. Foto: Boris Roessler (dpa)

Ein Hoch auf den Offenbacher „Problem-Wels“! Seit Wochen sorgt das angeblich 1,50 Meter lange Tier, das im idyllischen Weiher des Dreieichparks lebt, für Entzücken in regionalen Zeitungs-, Radio- und Fernsehredaktionen. Der Grund: Die Berichte zu den Entwicklungen rund um den Raubfisch lesen sich wie ein Mix aus Thriller und Komödie – und werden dementsprechend begierig nachgefragt.

Zur Erinnerung: Der 2017 zum ersten Mal gesichtete Waller sorgte Anfang des Monats für Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass er flauschige Entenküken verschlungen und mit sich in den rund 80 Zentimeter tiefen Weiher gerissen hat. Das Thema, zu dem sogar Videobeiträge gedreht wurden, polarisiert: Die einen möchten den Wels lieber heute als morgen aus dem kleinen See fischen, ihn am besten gleich vor Ort grillen und verspeisen – die anderen pochen darauf, dass auch ein Raubfisch nicht einfach so gelyncht werden sollte. Nur eines ist klar: Im Dreieichpark bleiben kann der Wels nicht – denn das dort lebende Teichhuhn zählt zu den besonders geschützten Tierarten – ebenso die Stockente, die dort gründelt.

An diesem Wochenende soll der nachtaktive Wels deshalb von einem Berufsfischer aufgespürt und mit einem Netz aus dem Weiher gezogen werden. Dann soll er nach einer tierärztlichen Untersuchung in ein anderes Gewässer gebracht werden. Wohin es geht, verrät die Stadt nicht. Nur so viel: Der Wels soll in Hessen bleiben. Mehrere Teichbesitzer hatten in den letzten Wochen angeboten, dem einsamen Tier, das womöglich einmal als Laich an den Flossen von Enten seinen Weg in den Dreieichpark fand, Unterschlupf zu gewähren.

Reporterinnen oder Reporter der Frankfurter Rundschau sind bei der Fangaktion allerdings nicht dabei: Die Stadt Offenbach hat sich nach Rücksprache mit dem lokalen Umweltamt dazu entschieden, dass nur die Deutsche Presse-Agentur sowie der Hessische Rundfunk und RTL beim Fang des mittlerweile bundesweit bekannten Welses anwesend sein dürfen. Anderen Medien wird der Termin der Befischung nicht mitgeteilt. „Pool-Lösung“ nennt sich das. Man könne im Landschaftsschutzgebiet „keine großen Menschenmengen zulassen“ heißt es.

Es stellt sich die Frage, ob ein paar Menschen mehr die sowieso dezimierte Anzahl an Tieren im Park ernsthaft stören würden. Mittags ist das Umfeld des trüben Stadtteiches sowieso stets gut besucht: Neben etlichen Hundebesitzern und Kindern mit ihrer Tagesmutter waren an diesem Freitag dort auch Familien unterwegs, die – den neugierigen Blicken nach zu urteilen – ebenfalls Ausschau nach dem Wels hielten. 

Nun kann man sich natürlich fragen, ob es denn keine anderen Probleme gibt in Offenbach. Die durch die Decke gehenden Mieten etwa, die Migranten aus Osteuropa dazu bringen, in überteuerten und überfüllten Bruchbuden zu hausen (die FR berichtete). Eine andere Frage ist, ob man nicht lieber – wenn sich schon so viele für das Schicksal einiger Küken erwärmen – über das routinemäßige Schreddern und Vergasen von Küken in Brütereien berichten sollte als zum zehnten Mal über den Wels.

Doch darum geht es nicht. Es geht darum, dass verschiedene Medien selbst bei einem so bunten Sommerthema wie Offenbachs „Problem-Wels“ unterschiedliche Schwerpunkte setzen können. Für manche ist vielleicht das Thema Tierschutz bedeutender, andere würden am liebsten Hobby-Angler mit der Kamera dabei begleiten, wie sie den Fisch in einer Nacht-und-Nebel-Aktion angeln und essen.

Um einmal die Dimensionen zu zeigen: Das letzte Mal, dass die FR im Rahmen einer „Pool-Lösung“ nicht geladen war, wurde unter hohen Sicherheitsvorkehrungen die  neue Zentrale der EZB eröffnet. Und nun eben der Wels. Ein Blick ins Archiv zeigt übrigens, dass das Tier gar nicht so ein Riesending ist: Es war im Sommerloch 2010, kurz vor der Fußball-WM in Südafrika, als Passanten einen deutlich größeren (toten) Wels ans Offenbacher Mainufer zogen: 2,30 Meter lang und rund 60 Kilo schwer. Ohne die FR wäre dabei übrigens gar nichts gegangen: Es war unser Mitarbeiter Roman Köller, der den Kadaver ans Ufer geholt hat.

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