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Weinlese in Flörsheim-Wicker Arbeit im Weinberg des Königs

Die Weintrauben hängen an den Reben, die Lese beginnt. In Flörsheim-Wicker sind 40 Erntehelfer unterwegs. Einer von ihnen: FR-Autor Oliver Heil. Er pflückt mit viel Liebe auf dem König Wilhelmsberg mit - und ist manchmal auch ein bisschen dappig. Das kann im Weinberg dann blutig enden.

16.10.2012 12:46
Oliver Heil
Rein in die Bütt: FR-Mitarbeiter Oliver Heil leert seinen Eimer bei einem der starken Erntehelfer - und dann geht's bergauf. Foto: Monika Müller

Die Weintrauben hängen an den Reben, die Lese beginnt. In Flörsheim-Wicker sind 40 Erntehelfer unterwegs. Einer von ihnen: FR-Autor Oliver Heil. Er pflückt mit viel Liebe auf dem König Wilhelmsberg mit - und ist manchmal auch ein bisschen dappig. Das kann im Weinberg dann blutig enden.

Der Schorsch ist ein Original. Der Schorsch war schon als Schulkind im Weinberg und erinnert sich noch gut, wie er wirklich alle Trauben in den Eimer sammeln musste, egal wie gut oder schlecht sie aussahen. „Manchmal haben wir Löcher gemacht und die Trauben reingetreten“, erzählt der Hochheimer Rentner. Nicht dem Wein zuliebe, sondern um nicht so schwer schleppen zu müssen.

Heute macht der Schorsch, der eigentlich Georg Kreidl heißt, den im Weinberg aber niemand so nennt, die Arbeit gerne und freiwillig. Den Schorsch habe ich mir als Partner ausgesucht, nachdem ich gemerkt hatte, dass alle anderen auch Partner haben und dass alleine arbeiten mühsamer ist und ein bisschen langweilig.

Jetzt arbeiten wir beide uns langsam, aber stetig den König Wilhelmsberg hoch. Immer im Gleichschritt. Er schneidet ein Pergel herunter, das auf seiner Seite hängt, danach ich auf meiner Seite. Man muss ein bisschen aufeinander achtgeben, die Rebscheren sind klein und scharf, und das Laub hindert die Sicht.

Wir sind die vinophilen Helfer von Winzer Wilhelm Hück aus Hochheim. Der Schorsch, ich und 40 andere fleißige Leute zwischen 13 und 76. Wir sorgen dafür, dass Spätburgunder und Weißherbst vom König Wilhelmsberg noch besser werden.
Dem Winzer Hück gehört eine größere Parzelle am König Wilhelmsberg in Wicker. Er lädt, wenn es ihm die Umstände erlauben, seine Freunde und seine Rebstockpächter an einem Wochenend-Tag in der Erntezeit zum gemeinsamen Traubenpflücken ein. Weil wir viel genauer sind als der Vollernter – und weil wir mit viel mehr Liebe pflücken als eine Maschine.

In diesem Jahr haben es ihm die Umstände erlaubt, zu diesem Einsatz einzuladen. Mehr noch: Die Umstände sind herrlich. Als wir morgens anfangen, liegt dichter Nebel über den Hügeln des östlichen Rheingaus. Ganz langsam reißt er im Laufe des Vormittags auf und macht Platz für herrlichen Sonnenschein, der den Tau glitzern und die Blätter der Reben leuchten lässt.

Lohn für unsere Mühen sind dieser schöne Tag Arbeit im Freien, das Gefühl, ein Teil unserer heimischen kulinarischen Kultur zu sein und eine deftige Vesper mitten im Weinberg. Mit Kochkäs’ und Presskopf und Wein vom Weingut Hück.

Pflaster sind immer in der Tasche

Die gute Stimmung kann mir nicht mal meine Dappigkeit vergällen. Ich schneide mir nämlich mit Schwung in den linken Zeigefinger. Weil der Winzer in bester Kindergärtner-Manier Pflasterverband dabei hat und andere auch nicht geschickter sind, machen wir uns einen Spaß draus. „Hier im Weinberg sagen wir zu so was blutiger Anfänger“, lästert der Winzer. Und weil’s eigentlich nicht weh tut, lachen wir alle mit.

Der Schorsch erzählt mir jetzt, dass er seinen Wein längst fertig hat. Kirschwein aus eigenem Anbau. „Was für die Frauen, schön süß.“ Und wie froh er ist, dass ihm endlich jemand die richtige Hefe empfohlen hat für den Gärungsprozess. „Jetzt ist er richtig gut“, schwärmt er, während ich ihm meinen vollen Eimer durch den Draht reiche, den er in eine Bütt ausleert – einen tiefen und schmalen Behälter, den die Stärksten von uns auf dem Rücken durch die Rebzeilen tragen. Pflücker wie ich müssen so unsere Eimer nicht immer den Berg hoch zu dem Anhänger voller großer Plastikkisten oder zum Metall-Tank schleppen, mit denen die Trauben nach Hochheim abgefahren werden. „Die erste Ladung, die ihr in die Kisten gefüllt habt, ist jetzt schon auf der Presse“, erzählt Winzer Hück während unserer Vesper.

Spätburgundertrauben waren das. Ich finde den Gedanken interessant, 2013 ein Glas davon einzuschenken und zu denken, dass ich meinen Anteil daran hatte. Vor allem, weil der Wein vom König Wilhelmsberg richtig gut werden dürfte. Meint jedenfalls Schorsch. „Spätlesequalität“, sagt er, während wir eine kurze Pause machen, um von den süßen Trauben zu naschen. Ich kann so was nicht beurteilen, aber ich freue mich schon auf den Jahrgang 2012.

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