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Wasserkosten Wo Wasser in Hessen teuer ist

Bei den Preisen für Frisch- und Abwasser gibt es immense Unterschiede zwischen hessischen Kommunen. Die IHK kritisiert die extreme Spanne bei den Gebühren und fordert die Politik zum Nachdenken auf.

Wie teuer das Wasser ist, das aus dem Hahn kommt, hängt stark vom Wohnort ab. Foto: picture-alliance / KPA/Ohlenschl

Wasserverbraucher in Frankfurt müsste man sein, oder in Griesheim bei Darmstadt – da kommt man meist günstig weg, was die Preise für Frisch- und Abwasser angeht. Dagegen: arme Wassernutzer in Heidenrod. Die Gemeinde im Rheingau-Taunus-Kreis liegt mit ihren Gebühren weit an der Spitze der hessischen Kommunen.

Auf immense Unterschiede in der Wasserpreisgestaltung hat am Donnerstag die Arbeitsgemeinschaft (Arge) der hessischen Industrie- und Handelskammern (IHK) hingewiesen. So variiert der Tarif für den Kubikmeter Abwasser zwischen 1,11 und 7 Euro. Nicht ganz so extrem, aber immer noch deutlich ist die Differenz beim Frischwasser: 91 Cent kostet der Kubikmeter in Lorsch – 4,64 Euro in Hohenstein, wie Daten des Darmstädter Wirtschaftsforschungsinstituts Wifor zeigen.

IHK-Arge-Geschäftsführer Matthias Gräßle kritisiert die Preispraxis am Donnerstag scharf. Er fordert die Politik zum Nachdenken darüber auf, „wie die unglaublichen Preisunterschiede geglättet werden können“. Für einen Betrieb könne es in Sachen Wasserpreis bis zu 160 000 Euro im Jahr ausmachen, ob er in der teuersten oder der günstigsten hessischen Kommune produziere, rechnet Arge-Funktionär Burghard Loewe vor: „Ziel muss sein, die nach unserer Sicht vollkommen überzogene Spreizung von Gebühren und Preisen zu reduzieren.“

Wie sie im Einzelfall aussieht, die Spreizung, kann jeder im Internet auf der IHK-Homepage am konkreten Beispiel testen. Eine durchschnittliche Großbäckerei etwa, mit 18 000 Kubikmetern Wasserverbrauch und einer versiegelten Fläche von 8000 Quadratmetern, kommt in Heuchelheim auf jährliche Kosten von 52 538 Euro für Wasser und Abwasser. Der gleiche Betrieb hat in Heidenrod sage und schreibe 175 521,12 Euro zu zahlen – mehr als das Dreifache. Bei Galvanikunternehmen wird es noch krasser. Griesheim: 58 736,36 Euro im Jahr – Heidenrod: 217 026,12 Euro. Für Privathaushalte lassen sich die Exempel auf geringere Verbrauchswerte herunterbrechen.

Sache der Politik

Wifor befragte für die Studie wie in jedem Jahr sämtliche 426 hessischen Kommunen und bezog auch einzelne Kostenbausteine ein – etwa die Zählermiete –, die in den Wasserpreis einfließen. Die Auswertung ergab die heftigsten Ausschläge bei den Abwasserkosten, die fast 80 Prozent der Gesamtsumme ausmachen, und manches Kuriosum: So kostet das Wasser beispielsweise im Vogelsbergstädtchen Schotten, wo es herkommt, doppelt so viel wie in Frankfurt, wo es hingebracht wird.

Als Ursache hat die IHK eine „atomisierte Ver- und Entsorgungsstruktur“ ausgemacht: „Ist es ökonomisch sinnvoll, 400 Wasserversorgungsunternehmen in 426 Kommunen zu betreiben?“, fragt Gräßle rhetorisch – 400 Unternehmen also, die jeweils eigene Infrastruktur und eigenes Personal brauchen, also Kosten verursachen, die bei Zusammenlegung entfielen? Loewe beantwortet die Frage: „Ich bin ziemlich sicher, dass wir keine 400 Unternehmen brauchen“, sagt er. „Wir kämen auch mit deutlich weniger zurecht, bei gleichbleibender Wasserqualität.“ Das zu organisieren, sei Sache der Politik.

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