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Was bringt die Familienkarte? Familie Bender macht den Test

Die Benders haben die Familienkarte seit einer Woche im Geldbeutel. Beide sind Akademiker. Sie ist Rechtsanwältin, ihr Mann Journalist. Reich sind Martina und Hanno Bender trotzdem nicht.

30.09.2010 18:00
Ramona Weise
Familie Bender hat die Familienkarte. Foto: rolf oeser

Ein Leben mit Kindern – gar nicht so billig. Aber es geht nicht nur um das Materielle: „Familien werden vom Staat zu wenig unterstützt“, sagt Martina Bender. Beklagen will sie sich nicht: „Aber es ist für uns nett, dass es auch mal was speziell für Familien gibt.“

Eine Hilfe für Eltern im Alltag soll die hessische Familienkarte sein, sagt die Landesregierung. Seit 11. September ist sie im Einsatz. Jede Familie mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren kann sie beantragen.

Das Ehepaar hat gleich zwei Sprösslinge. Die vierjährige Sarah tüftelt am hölzernen Wohnzimmertisch an einem Bilderrätsel. Welche zwei Begriffe passen zusammen? Wasserball und Strandtasche. Dieses Paar haben Mama und die Tochter im getupften Shirt gefunden. Die 39-Jährige mit den braunen Locken lacht. Sarahs Schwester Sophie macht sich bemerkbar. Die Zweijährige sitzt neben dem Spielteppich mit den aufgedruckten Straßen. Will Ansprache. Da muss die Mutter halt die Aufmerksamkeit teilen.

Gut, dass Papa Hanno Bender gerade von der Arbeit nach Hause kommt. Er hat die Familienkarte beantragt. Letzte Woche ist sie mit der Post in das Haus geflattert. Er legt sie auf den Tisch. Dunkelblau ist sie, mit einer Löwenfamilie drauf. „Eine Bekannte hat uns auf die Karte aufmerksam gemacht“, erzählt der 41-Jährige. Was die Karte ihnen so bringt, weiß das Ehepaar noch nicht so genau. Vermittlung von Babysittern, Versicherungsschutz: Da müssen sie sich erst einlesen. Zehn Mal dürfen Familien kostenlos auf Toiletten in Autobahnraststellen gehen. Ganz witzige Idee, findet Martina Bender.

Sicher nutzen will die 39-Jährige ein Angebot: Fünf Prozent Rabatt auf die Eigenmarke bei einer Lebensmittelkette. „Das läppert sich dann schon“, sagt sie. Was eine vierköpfige Familie so alles braucht, interessiert ihre zwei Mädels nicht wirklich. Die Beiden werden langsam quängelig. Die Schlafenszeit rückt näher.

Unterstützung für Familien hin oder her – bedenkenswert finden die Benders bei der Karte eines: „Es ist schon etwas komisch, wenn das Land Hessen damit das Marketing einzelner Unternehmen unterstützt.“ Das ist auch der Hauptkritikpunkt von SPD und Grünen: Die Landesregierung organisiere mit der Karte im Grunde nur ein kommerzielles Kundenbindungsprogramm.

Querbeet hat die Regierung Unternehmen angeschrieben, die für Familien interessant sein könten – aber auch Firmen selbst können sich mit Vorschlägen einbringen. Nicht alle, die angefragt wurden, machen mit. „Wir haben uns dafür entschieden, uns nicht zu beteiligen: Wir haben schon eine eigene Rabattkarte“, sagt zum Beispiel Rainer Rausch von Tegut.

„Im Prinzip ist die Karte eine netter Einfall vom Land Hessen. Aber wenn sie wirklich attraktiv werden soll, dann muss das Angebot noch deutlich ausgebaut werden,“ sagt Hanno Bender, während er die kleine Sophie im Auge hat, die sich an der Familienkarte zu schaffen macht. Seine Frau stimmt ihm zu. Sie findet auch, dass besonders für sozial schwache Familien mehr getan werden müsste. „Bei uns im Kindergarten sind Mütter, die beim Thema frühmusikalische Erziehung zucken.“ Das Geld sei einfach nicht da, sagt die Rechtsanwältin.

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