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Wappen Hessen Hessen soll für den Löwen zahlen

Das hessische Wappen prangt auf Flaggen, Briefpapier, Porzellan und sogar auf Gullydeckeln. Den rot-weißen Löwen auf blauem Grund mit seiner goldenen Krone hat der Künstler Gerhard Matzat 1949 entworfen - ohne aber ausreichend dafür bezahlt worden zu sein, wie seine Witwe meint.

08.02.2013 16:37
Volker Schmidt
Das hessische Wappen wurde 1949 entworfen. Der Künstler wurde aber angeblich nie entsprechend dafür bezahlt. Das will seine Witwe nun ändern.

Das hessische Wappen prangt auf Flaggen, Briefpapier, Porzellan und sogar auf Gullydeckeln. Den rot-weißen Löwen auf blauem Grund mit seiner goldenen Krone hat der Künstler Gerhard Matzat 1949 entworfen - ohne aber ausreichend dafür bezahlt worden zu sein, wie seine Witwe meint.

Das Land Hessen soll Tantiemen für sein Wappen zahlen. Das fordert die Witwe des Künstlers, der den rot-weißen Löwen auf blauem Grund nach dem Krieg gestaltet hatte. Nach Angaben ihrer Anwältin hat Gerhard Matzat zwar seinerzeit einen dreistelligen D-Mark-Betrag erhalten, aber nie einen rechtsgültigen Vertrag abgeschlossen.

Avietta Matzat-Rogoschina macht vor allem geltend, dass das Wappen auch kommerziell genutzt werde, dem Land also Einnahmen entstünden. Daran will sie beteiligt werden. Rückwirkend für mehr als 60 Jahre Nutzung könnte eine ordentliche Summe zusammenkommen. Bis ein Vertrag ausgehandelt ist, will Matzat-Rogoschina sich mit einem Vorschuss von 50.000 Euro zufriedengeben.

Nach Angaben von Anwältin Helga Müller hatte das nach dem Zweiten Weltkrieg neu gebildete Bundesland Hessen zunächst einen Künstlerwettbewerb veranstaltet. Die mit bis zu 1500 Mark prämierten Wappen-Entwürfe seien aber alle viel zu kompliziert für den Alltag gewesen, für Briefköpfe und Notar-Schilder etwa. Der damalige Leiter der Frankfurter Städelschule, Wilhelm Heise, habe daraufhin seinen Meisterschüler Matzat daran gesetzt, ein zeitgemäßes Wappen zu entwerfen. Das gelang dem 1921 in Ostpreußen geborenen Künstler so gut, dass sich seither am Design des Löwen nichts mehr geändert hat. Die elegant gespreizten Krallen, die geschwungene Mähne und der zierlich erhobene Schweif taugen auch im Zeitalter von Fax und Internet für Darstellungen des Hoheitszeichens in allen Größen – auch auf Kaffeetassen, Krawatten und Seidenschals.

Keine Vereinbarung über Nutzungsrechte

Der Löwe als Wappenfigur geht auf die Ludowinger zurück. Die von Ludwig dem Bärtigen begründete Dynastie regierte im 12. und 13. Jahrhundert Teile Nordhessens und Thüringens.

Anwältin Müller betont den Aufwand, den Matzat für den konkreten Entwurf betrieb: „Er musste sich mit heraldischen Fragen beschäftigen“, sagte sie der FR. Zum Beispiel musste der Hattersheimer entscheiden, „ob er vier Krallen haben sollte oder drei“. Denn Hessen entstand aus den preußischen Provinzen Nassau und Kurhessen sowie dem Volksstaat Hessen, der seinerseits aus den Teilen Starkenburg und Oberhessen bestand. Je nach Sicht bildeten also drei oder vier Länder das neue Bundesland.

Heute zahlen Firmen und Behörden viel Geld für neue Logos, 1949 gab es wenig mehr als einen Händedruck. Nach Angaben ihrer Anwältin erinnert sich Matzat-Rogoschina daran, dass ihr Mann 180 Mark für den Entwurf erhalten habe. Müller selbst fand im Archiv des Landes einen Vermerk, demzufolge dem damaligen Studenten 300 Mark gezahlt wurden. Später erhielt er einen Ehrensold, den seine Witwe bis heute in reduzierter Form bekommt.

Aus Sicht der Anwältin entstand jedoch kein Kaufvertrag, dadurch, dass Matzat das Geld annahm. Und vor allem habe es keine Vereinbarung über die Nutzungsrechte gegeben, obwohl das Urheberrecht eine solche schon damals vorgesehen habe. Ein Sprecher des für Hoheitszeichen zuständigen Innenministers Boris Rhein (CDU) sagt: „Wir prüfen den Sachverhalt.“ Unter anderem müsse die Rechtslage in den 40er Jahren geklärt werden.

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