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Wappen der Stadtteile Rätsel um die Räder

Die Symbolik von Oberrad und Niederrad lässt Experten streiten. Von Jan Szyszka

Stadtteil-Logik: Niederrad. Foto: privat

Auf den ersten Blick könnte es passen. Kleinigkeiten wie die unterschiedliche Farbgestaltung mal ausgenommen, wirken die Wappen von Oberrad und Niederrad so, als würden sie sich ergänzen. Jedes weist die Hälfte eines Rades auf. Die Platzierung entspricht auch noch den Ortsnamen. Oberrad hat das halbe Rad oben, Niederrad unten. Also alles eindeutig? "Um Gottes Willen. Nein!", wehrt Werner Hardt vom Niederräder Bezirksverein ab. Und auch Guido Heidenreich vom Oberräder Heimat- und Geschichtsverein hält von diesem Ansatz nicht allzuviel.

Heidenreich verweist gleich auf historische Aufsätze. Tenor: Trotz der Rad-Abbildung im Wappen und ihrer Namensendung haben Niederrad und Oberrad nichts mit Rädern zu tun. Beide erhielten ihre Namen in Folge einer Rodung des Reichwaldes bei Frankfurt. Ober- und Nieder- wurden wohl zur Unterscheidung beider Dörfer verwendet. Im Laufe der Jahrhunderte und der Mundarten wurden aus "rod" "rad" - und folglich Oberrod zu Oberrad.

Das Wappen Oberrads entstand in Folge der geänderten Namensendung. Laut Heidenreich existiert es mindestens seit 1629. Die obere Hälfte eines Rades in silberner Farbe auf rotem Untergrund trat zu diesem Zeitpunkt im Gerichtssiegel von Oberrad auf. Die Beschriftung lautet: "Sigel - Das Gerichts zu Obenrath H I S", wobei HIS wohl für "Hieronymus Jacob-Schultheiß" steht, der von 1628 bis 1634 amtierte. Nach der Ablösung des Ortsgerichts durch das Feldgericht (1824) blieb das Wappen als Ortssiegel erhalten. "Das heutige Wappen ist wohl immer noch in Anlehnung an dieses Wappen gefertigt", sagt Heidenreich.

Fern von der Rod- und Radtheorie in Bezug auf das Wappen hält sich Werner Hardt. Der Hobby-Historiker hat für das Niederräder Wappen eine andere Erklärung: Beide Symbole führt er auf Niederräder Lehnsherrn zurück. Im 15. Jahrhundert waren das Wolf von Ingelheim sowie Wenzel von Cleen. Die Radhälfte in der unteren Hälfte des grün-weiß gehalten Niederräder Wappen stamme demnach vom Wappen derer von Ingelheim, die als Kurfürsten von Mainz das Mainzer Rad übernommen hatten. Die in der oberen Hälfte des Niederräder Wappens platzierten drei Kleeblätter wurden um 1506, glaubt Hardt, von den von Cleens als Teil ihres Wappens eingefügt. "Aus den Wappen der beiden Lehnsherren wurde das Niederräder", sagt Hardt.

Offene Fragen bleiben aber auch in dieser These. Hardt kann nicht erklären, warum für Niederrads Symbol die grüne und weiße Farbe verwendet wurden. Beide sind in den Wappen der Lehnsherren nicht enthalten. Hardt glaubt, dass sie entweder einem älteren Niederräder Wappen entnommen oder den örtlichen Gegebenheiten angepasst wurden: Grün für die Nähe des Waldes und Weiß wie der Sand auf dem Niederrad erbaut wurde; oder in Anlehnung an den Sandhof, der als eine der Keimzellen Niederrads gilt. Nicht anwendbar ist die Lehnsherrn-Erklärung zudem für Oberrad: Heidenreich hat Hardts Ansatz auf Hinweis der FR für Oberrad überprüft. Bei den früheren Herren des Gärtnerdorfs bis 1425 findet er kein Wappen mit einem Rad.

Unterschiedliche ErklärungsAnsätze haben aber Tradition. So stellte ein Forscher für Oberräder Geschichte vor mehr als 100 Jahren die Rodungs-Herkunft in Frage - und argumentierte damals ausgerechnet mit dem alten Gerichtswappen. "Die Gegend, die man damals (gemeint ist das 13. Jahrhundert) urbar machte, mag wohl Rode genannt worden sein, nie aber die nachherigen Ansiedlungen." Der Oberräder Lehrer Fritz Schuch griff diese These Anfang des 20. Jahrhunderts auf - und widerlegte sie. In der Festschrift zur 500-Jahr-Feier Oberrads 1925 schrieb er: "Die Ansicht lässt sich nicht aufrecht halten []. Man folgte bei der Anfertigung der Schreibart."

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