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Walter Wallmann Eine wunderbare Liaison

Frankfurts Ex-Oberbürgermeister Walter Wallmann starb am vergangenen Samstag kurz vor seinem 81. Geburtstag am 24. September. Neun Jahre lang, von 1977 bis 1986, war Wallmann das Stadtoberhaupt von Frankfurt.

Ein Bild aus alten Zeiten: Walter Wallmann 1997 zusammen mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (Mitte) und dem Ehrenvorsitzenden der CDU, Alfred Dregger, im Kloster Eberbach im Rheingau. (Archivbild) Foto: dpa

Walter Wallmann, der unvergessene Frankfurter Oberbürgermeister der CDU, wäre am morgigen Dienstag 81 Jahre alt geworden. Doch am vergangenen Samstag ist der Politiker, der von 1977 bis 1986 Frankfurts Entwicklung lenkte, gestorben. Wallmann ist als das Stadtoberhaupt in die Geschichte eingegangen, das den Aufbau der zerstörten Alten Oper zum Konzerthaus durchsetzte. Er war es, der den Weg frei machte zur Realisierung des Museumsufers. Er setzte die umstrittene Rekonstruktion von Fachwerkhäusern auf dem Römerberg durch – um nur einige Schwerpunkte zu nennen. Walter Wallmann „kam, sah und siegte“, analysiert sein damaliger Magistratskollege Hilmar Hoffmann (SPD), mit dem der CDU-OB ein Erfolgsteam bildete.

Im jahrzehntelang „roten Frankfurt“ formulierte der Mann aus Marburg den Anspruch, Frankfurt müsse für seine Bewohner auch Heimat sein – eine unerhörte Äußerung in einer Zeit der Vergangenheitsbewältigung, als derartige Begriffe hochgradig verdächtig klangen. Walter Wallmann wollte „die Bürger stolz auf ihre Stadt machen“, liest man in seinen „Memoiren eines Politischen“ über diese Jahre. Tatsächlich wird seine Regierungszeit allgemein als Wende im Erscheinungsbild wie auch im Selbstbewusstsein der Stadt angesehen. Unter Wallmann begann, angefangen bei den Glitzertürmen der Deutschen Bank, die Skyline der Hochhausstadt zu wachsen.

Als Not-Kandidat gestartet

Der Wechsel kam zur Kommunalwahl 1977 wie ein Blitz aus heiterem Himmel, denn nichts schien hier so sicher zu sein wie die Herrschaft der SPD, die auf ihren Unterbezirksparteitagen sogar die Magistratsmitglieder wählte. Als „Provinznummer“ bewertete man im Wahlkampf die aussichtslose (Not-)Kandidatur des Juristen aus Nordhessen. Er selbst sah darin ein Opfer: „Ich kannte Frankfurt gar nicht näher.“ Am legendären Wahlabend des 20. März 1977 fragten ihn die beiden Bediensteten an der Römerpforte nach der Eintrittskarte. Doch die „hatte ich vergessen“. Also „verwehrten sie mir den Eintritt“. Zur Wahlparty dann am späteren Abend registrierte Hilmar Hoffmann „ungläubige Gesichter in allen Lagern“, denn die SPD war von 50,3 auf 39,9 Prozent der Stimmen „in den Keller der Wählerverdrossenheit abgestürzt“. Hoffmanns Bericht zufolge begann dann mit der angeblichen Landpomeranze Wallmann mehr oder weniger aus dem Stand „eine wunderbare Liaison“.

Schon wenige Tage später nämlich sei er, als Kulturdezernent seit 1971 im Amt, mit Newcomer Wallmann durch den verrotteten und vermüllten Altbau am Schaumainkai gestolpert, den er sich als die ideale Adresse für das geplante Filmmuseum ausgeguckt hatte. Beim OB sei dafür und für weitere Projekte der Hochkultur keine besondere Überzeugungsarbeit nötig gewesen. Eine Museumsgründung nach der anderen ging damals trotz hoher Kosten galant über die Bühne, überhaupt: „In puncto Höflichkeit war er König“, erinnert sich Hoffmann an den Konservativen mit den stadtbekannten Handküssen.

Weggang bereut

Anders bewertet wurde in Wallmanns Zeiten, was irgendwie linkslastig-widersetzlich daherkam: Das Historische Museum musste seine herrschaftskritische Dauerausstellung umkrempeln, am Theater am Turm (TAT) wurde das aufmüpfige Ensemble 1978 ganz an die Luft gesetzt und das Haus für ein Jahr zugeschlossen. Die Alte Oper sollte vor Wallmanns Amtsantritt ein multifunktionales Kulturzentrum werden und wurde unter ihm ein Musentempel, gegen dessen „Kotz und Protz“ die Proteste in den ersten Jahren nicht enden wollten.

Und doch: „Ich glaube, es ist uns gelungen, den Hass zu überwinden“, bilanzierte Wallmann, der 1986 als Umweltminister nach Bonn ging, die Frankfurter Jahre. Leute wie die Grünen, die 1981 ins Stadtparlament einzogen, hätten „den Gang der Geschäfte nicht verhindern können“. Später hat er sogar bereut, weggegangen zu sein. Denn so viel erreichen wie hier konnte er später nicht mehr, auch nicht als hessischer Ministerpräsident, der er von 1987 bis 1991 war.

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