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Walter Sülberg Karben Lokalkolorit und Poetry Slam

Nach dem Tod des Karbener Verlegers Walter Sülberg sorgen zwei Männer dafür, dass sein kleiner Verlag nicht untergeht. Der eine übernimmt die Lyrik, der andere die Lokalgeschichten.

Wetterau
Retter: Frank Uwe Pfuhl (links) und Thorsten Zeller. Foto: Michael Schick

Der unerwartete Tod des Karbener Verlegers Walter Sülberg im August 2016 machte Thorsten Zeller und Frank Uwe Pfuhl tief betroffen. Sie kamen sehr gut mit ihm aus und hatten in seinem kleinen Morlant-Verlag Bücher veröffentlicht: Zeller das Büchlein „Der erste Rest vom Tag meines Lebens“ mit 22 zum Teil sozialkritischen Geschichten; Pfuhl einen Reiseführer über die Wetter, Hessens schönsten Fluss, wie es im Untertitel heißt.

Sülberg hatte den Morlant-Verlag von 2011 an gemeinsam mit seiner Ehefrau aufgebaut. Er wollte Publikationen mit lokalem Bezug, die oft ein Nischendasein fristen, durch eine moderne Aufbereitung der Texte, ein attraktives Layout und ein entsprechendes Marketing einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Die Titel reichten von Lebenserinnerungen des früheren Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Bad Vilbel, Rafael Zur, über Kinderbücher lokaler Autoren bis zu einem Roman über die französische Frauenrechtlerin Olympe de Gouges.

Zeller und Pfuhl entschieden sich nach Sülbergs Tod, den Verlag weiterzuführen. Der 42 Jahre alte Zeller bietet nun vor allem den Poetry-Slam-Titeln, die zuletzt bei Morlant erschienen waren, und der Lyrik eine neue Heimat. Er gründete dafür den Reimheim-Verlag. Die erste Veröffentlichung des jungen Verlags ist allerdings ein Roman, immerhin aus der Feder des bekanntesten Wetterauer Poetry Slammers Andreas Arnold. In „Fionrirs Reise“ erzählt er die abenteuerliche Geschichte eines kleinen Drachen.

Pfuhl übernahm die Bücher mit Lokalkolorit und vertreibt sie weiterhin unter dem Namen Morlant: Werke über die Wetterau oder von Wetterauer Autoren. Bislang sind es gerade mal 13 Titel von sieben Autoren. In drei Wochen kommt ein neuer hinzu. Pfuhl hat das Buch selbst geschrieben. Es heißt „Nidda 3.0 – Entdeckungsreise von der Quelle bis zur Mündung“.

In der Wetterau sind die neuen Verleger keine Unbekannten. Der 49-jährige Pfuhl ist Vorsitzender des Nabu-Kreisverbandes und leitet seit vielen Jahren die Nabu-Umweltwerkstatt Wetterau, eine Umweltbildungseinrichtung. Zeller, der als Banker in Frankfurt arbeitet und in Friedberg wohnt, stand als Poetry Slammer schon auf vielen Bühnen in der Region.

Erfahrung als Verleger hatten sie bis vor kurzem nicht. Deshalb wollen sie die ersten Schritte zusammen tun. Geplant sind gemeinsame Messe-Auftritte wie auf der Buchmesse Main-Kinzig im April. Außerdem haben sie verabredet, sich über die ersten Erfahrungen im Vertrieb auszutauschen. Zum Haupterwerb werden die beiden das Verlagswesen aber nicht machen. Um als Verleger trotzdem professionell agieren zu können, werde er nur wenige Titel in sein Portfolio nehmen, erklärt Zeller.

Pfuhl und Zeller wollen eifrig für ihre Verlagsangebote werben – auf Veranstaltungen, in der Presse und den sozialen Medien. „Wir haben jetzt keinen Andreas Maier, der bei Suhrkamp gut aufgehoben ist“, sagt Pfuhl. Und ein großes Werbebudget gebe es auch nicht. Dennoch sei es wichtig, dass kleine Verlage existierten. Sie dienten als ein „Katalysator für kulturelle Vielfalt“, sagt Zeller. Außerdem könnten die Menschen in der Region einen bei Veranstaltungen direkt ansprechen, ergänzt Pfuhl.

Die Drachengeschichte aus Zellers Reimheim-Verlag taucht mittlerweile in einem bekannten Internethandel auf. Zeller freut sich über die erste Rezension. Eine Frau schreibt: „Ich las einer Achtjährigen daraus vor und sie wollte es dann sofort weiterlesen, als ich keine Zeit mehr hatte. Ich muss zugeben, dass mich die Geschichte selbst fesselte und ich sie dann alleine zu Ende las.“

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